Sicherheit Am 1. Juli endet die Waffenamnestie

Waffenruhe: Wer sich seiner Knarre entledigen will, kann das noch bis 1. Juli tun.
Waffenruhe: Wer sich seiner Knarre entledigen will, kann das noch bis 1. Juli tun. © Foto: dpa
Neu-Ulm / Niko Dirner 01.07.2018
Am 1. Juli endet die Waffenamnestie. Ein Jahr lang durften illegale Schießeisen straffrei abgegeben werden. So wurde das Angebot genutzt.

Haus gekauft, Heizraum ausgeräumt – und plötzlich Waffenbesitzer: So ist es einem Mann im Landkreis Neu-Ulm ergangen. Er fand unter dem Öltank einen Revolver, originalverpackt, dazu 40 Schuss. Vielleicht für schlechte Zeiten? Das wisse er nicht, sagt Wolfgang Höppler vom Landratsamt Neu-Ulm. Denn der unfreiwillige „Revolver-Held“ ist während der bundesweiten Amnestie für Besitzer illegaler Waffen bei ihm aufgeschlagen. „Und dabei haben wir nichts zu den Waffen wissen wollen“, sagt Höppler. „Niemand musste sich uns offenbaren, das ist ja der Sinn einer Amnestie.“ Diesen Sonntag endet die Chance, straffrei seine Schießeisen loszuwerden. Zeit, eine vorläufige Bilanz zu ziehen.

34 Langwaffen – also Gewehre – und 28 Kurzwaffen – also Pistolen und Revolver – hat Höpplers Team seit dem 6. Juli 2017 eingesammelt. 38 Gewehre sowie 31 Pistolen und Revolver kamen im Alb-Donau-Kreis zusammen. Weitere 81 Waffen wurden in Ehingen abgegeben. Rund 150 erlaubnispflichtige Waffen in der Stadt Ulm. Was fehlt, sind Angaben vom Verwaltungsverband Langenau, diese waren gestern nicht mehr zu bekommen.

Diese Zahlen habe er in etwa so erwartet, sagt der Fachmann vom Landratsamt Neu-Ulm. „Wobei die Aktion sehr schleppend gestartet ist.“ Begleitet etwa in Bayern von einem Appell des Innenministers: „Jede Waffe, die wir einsammeln, ist ein Gewinn für die Sicherheit.“ Im Kreis Neu-Ulm ist das dann so abgelaufen, dass eine versierte Mitarbeiterin Höpplers die Leute, die sich gemeldet hatten, daheim aufsuchte. „Wir wollen ja nicht, dass jemand mit einer illegalen Waffe durch die Gegend fährt.“ Die Gewehre und Pistolen wurden in Empfang genommen, zum Landratsamt gefahren, im Tresor eingeschlossen.

Die meisten hätten die Schussgeräte von ihrem Vater oder Großvater geerbt, „die sind teils noch von ganz früher“, berichtet der Fachmann. Dennoch müsste man solche Waffen laut Gesetz sofort abgeben. Oder sich eine Waffenbesitzkarte holen.

Kinder nicht gefährden

Viele Bürger seien erleichtert, dass sie etwa das geerbte Gewehr nun während der Amnestie ohne Scherereien loswerden konnten: Gerade Eltern sei bewusst, dass sich Waffen nicht so gut verstecken lassen, als dass Kinder sie nicht finden, meint Höppler. Zudem bestehe stets die Angst, dass der illegale Besitz herauskommt. Alle eingesammelten Waffen werden übrigens zum Landeskriminalamt nach München gebracht und dort vernichtet.

Das gilt auch für die 49 Gaspistolen und 32 Luftgewehre, die mit entsprechenden Nachweisen erlaubt sind, aber während der Amnestie auch dem Landratsamt gemeldet wurden. „Wir nehmen alles“, sagt Höppler. Butterfly-Messer, Schlagringe oder Wurfsterne, die zu den illegalen Waffen gehören, wollte seit 6. Juli im Landkreis Neu-Ulm allerdings niemand loswerden.

Gelegenheit dazu besteht noch: Die Amnestie läuft bis 1. Juli. Funde, wie der Revolver hinterm Öltank, könnten übrigens auch danach straffrei gemeldet werden. „Davon wusste ja niemand.“

Mehr als 30.000 Gewehre und Pistolen in Region gemeldet

Besitzer Große Waffenscheine, die es erlauben, eine scharfe Schusswaffe zu führen, werden nur an Mitglieder von Schützenvereinen, Jäger und Sammler vergeben. Dennoch gibt es im Landkreis Neu-Ulm aktuell 2500 Waffenbesitzer, die 12 500 Kurz- und Langwaffen besitzen. 14 879 gemeldete Schusswaffen sind es im Alb-Donau-Kreis. In Ehingen sind 2952 Schusswaffen legal zugelassen. Für Ulm gibt es nur die Zahl der Inhaber erlaubnispflichtiger Waffen: 820 Personen. Die Waffenbesitzer werden alle drei Jahre überprüft. Als nicht mehr verlässlich gilt, wer etwa mit Alkohol am Steuer erwischt wurde.

Schreckschuss Zu den großen Waffenscheinen kommen im Kreis Neu-Ulm, um ein Beispiel zu nennen, 1300 kleine Waffenscheine, die zum Kauf von Schreckschusswaffen berechtigen – wie viele es davon gibt, wird nicht erfasst. Die Zahl der kleinen Waffenscheine ist im Zuge der erhöhten Zuwanderung vor zwei Jahren sprunghaft angestiegen. Exemplarisch sei erneut der Kreis Neu-Ulm beschrieben: Wurden bis 2013 kleine Waffenschein vor allem vor Silvester ausgestellt, stand danach die Selbstverteidigung offenbar Fokus. 2014 stellte das Landratsamt 57 kleine Waffenscheine aus, 2015 123 Scheine, 2016 300 Scheine und 2017 weitere 182 Scheine. Heuer flaut die Nachfrage ab, bislang wurden 27 Scheine ausgestellt. Auch mit Schreckschusswaffen oder Gaspistolen, sagt Höppler, könne man einem Menschen töten.

Meldung Auch nach Ende der Amnestie können neu in den Besitz gelangte Waffen, etwa der klassische Dachbodenfund, problemlos abgegeben werden. Zuständig sind Rathäuser, Landratsämter und Polizeiposten.

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