Was wirst du morgen tun? - "Es reicht vollkommen wenn man sagt: ich lese, anstatt: ich werde lesen. Für den Anfang brauchen wir kein Imperfekt und kein Futur", sagt Karl Landherr. Der Helferkreis Asyl in Altenstadt hatte den pensionierten Lehrer zu einem Vortragsabend eingeladen, bei dem er das vorstellen sollte, was ihn innerhalb kürzester Zeit bundesweit bekannt gemacht hat: das Thannhauser Modell.

Lachend und gestikulierend steht Landherr vor den vielen ehrenamtlichen Helfern in Altenstadt und hält in der Hand ein dünnes Buch. Sein Buch " Deutschkurs für Asylbewerber", das mit vielen Zeichnungen, Bildern und wenig Grammatik arbeitet, findet momentan reißenden Absatz. In der fünften Auflage ist es mittlerweile erschienen und ein deutscher Fernseh-Bildungskanal plant eine App dazu. "In ganz Deutschland gab es bisher kein Werk, das sich speziell auf Asylbewerber bezieht", berichtet Landherr. Zwar gebe es eine unüberschaubare Zahl an Lernbüchern, die aber Themen, behandeln, die Flüchtlingen gar nichts bringen. Zum Beispiel "Im Urlaub". Klassischerweise beginnen diese Lernhefte mit Deklinationen. "Ich gehe, du gehst, er, sie, es geht, ".

Solche grammatischen Regeln seien anfangs aber überhaupt nicht nötig. Ein niedrigschwelliges Angebot werde benötigt. Ohne Prüfung und in einer Weise, "die Asylsuchende die Sprache selbst erfahren lassen", sagt Landherr. Und, ganz wichtig: Untertitel. Viele Geflüchtete sprechen etwas englisch oder auch französisch. Brückensprache nennt Landherr das. In drei Wochen soll sein Buch mit arabischen Untertiteln erscheinen. "Ich kann niemanden am Telefon erklären wie Tango-tanzen geht. Er wird es auch durch das Sehen nicht lernen. Nur durchs selber ausprobieren. Und genau so funktionieren unsere Sprachkurse", erläutert der Referent seinen aufmerksamen Zuhörern.

Zusammen mit zwei befreundeten Lehrern, die das Sprachbuch mit konzipiert haben, fing Landherr vor einem Jahr in seinem Heimatort Thannhausen im Kreis Günzburg an, die ersten ankommenden Flüchtlinge ehrenamtlich zu unterrichten. Ganz praktisch und lebensnah. Ohne schwierige Grammatik, dafür mit Bildern und Themenkisten, die gefüllt waren mit Kartoffeln und Alltagsgegenständen. Wie dann die Idee zu dem Deutschbuch kam? "Wie die Jungfrau zum Kind: Es war nicht geplant, aber passiert ist es dann doch irgendwie", sagt er. Die Deutschkurse sind so konzipiert, dass montags und mittwochs die Theorie überwiegt, untermalt gleichwohl mit Sehen, Hören, Sprechen. Freitags nennt sich der Unterricht "Deutschkurs Outside". Da wird die Theorie praktisch geprobt, in Apotheken, Bäckereien und im Supermarkt. Ein lebenspraktisches Konzept nennt Landherr das. Lediglich zwei Beschwerden wären bisher bei ihm eingegangen. Eine davon stört sich an einem Bild im Buch, auf der das Gesicht beschrieben wird. Breit grinst einem da Angela Merkel entgegen: "Wir schaffen das." Erst wenn Merkel nicht mehr Bundeskanzlerin sei, werde diese Seite entfernt, sagt Landherr.

Info www. karl-landherr.de; www. deutschkurs-asylbewerber.de

40 Helfer unterstützen 90 Flüchtlinge im Alltag

Der Helferkreis Asyl in Altenstadt besteht derzeit aus gut 40 Helfern. Er setzt sich aus Mitgliedern der AWO Altenstadt, der katholischen sowie evangelischen Kirche zusammen. Auch Gemeinderatsmitgliedern aller Fraktionen gehören dazu. Unterstützt werden die momentan 90 Flüchtlinge in der Marktgemeinde bei alltäglichen Dingen: Sprachkursen, Arztbesuche, Behördengänge, Kinderbetreuung und bei der Fahrt zur "Tafel" nach Illertissen.