Landtagswahl ÖDP: Was Krimhilde Dornach erreichen will

Mit der Ape – dem Bienenrettungsmobil – ist die ÖDP zurzeit im Wahlkampf unterwegs.
Mit der Ape – dem Bienenrettungsmobil – ist die ÖDP zurzeit im Wahlkampf unterwegs. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Weißenhorn / Bianca Frieß 18.09.2018

Für Krimhilde Dornach ist eines Fakt: Wenn sich nicht bald etwas ändert, „fahren wir unseren Planeten an die Wand“, sagt sie. „Jetzt ist es wirklich fünf vor zwölf.“ Und damit meint sie nicht nur die Umwelt und den Klimawandel, sondern das komplette System: wirtschaftlich und politisch. Das hänge schließlich alles miteinander zusammen, erklärt Dornach. „Unser ganzes Leben ist ausgerichtet auf Gewinnmaximierung. Das kann so nicht gut gehen.“

Daran will die 52-Jährige aus Weißenhorn etwas ändern. Seit den 1980er Jahren liebäugelt sie mit der  Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), die Katastrophe von Tschernobyl hat für sie den Ausschlag gegeben. 2013 ist sie schließlich eingetreten – und will nun in den bayerischen Landtag einziehen. Dornach tritt am Wahlsonntag, 14. Oktober, als Direktkandidatin im Kreis Neu-Ulm (Wahlkreis 713) an.

 Die Musiklehrerin trägt  ein buntes T-Shirt, lacht oft. Sobald die Sprache auf ihre politischen Überzeugungen kommt, hört sie gar nicht mehr auf zu reden. Für was sie sich im Landtag gerne einsetzen würde? „Das Wichtigste ist der Erhalt unserer Lebensgrundlagen: Boden, Luft, Wasser und Erde“, sagt sie. Das müsse man schützen und – wenn nötig – auch neu beleben.

Ein Wort fällt besonders oft im Gespräch mit der Weißenhornerin: Gemeinwohl. „Ich habe ein Problem damit, nur mein eigenes Leben zu sehen“, sagt Dornach. Sie kämpft für faire Handelsabkommen und ein öko-soziales Steuersystem. Die Arbeit der Menschen soll von Steuern befreit, stattdessen soll Ressourcenverbrauch stärker belastet werden. „Wir müssen alles besteuern, was schadet“, fordert Dornach.

Außerdem setzt sie sich für neue Arbeitszeitmodelle und ein „Fürsorgegehalt“ ein. „Die häusliche Arbeit in Erziehung und Pflege muss der gewerblichen Tätigkeit gleichgestellt werden.“ Das große Ziel der ÖDP ist, dass dafür ein durchschnittliches Nettogehalt ausgezahlt wird. Der erste Schritt: „Wir fordern für die ersten drei Jahre eines Kindes 1100 Euro pro Monat – sozialabgabepflichtig“, sagt Dornach. Damit die Betreuungszeit auch bei der Rente angerechnet werde.

Am Herzen liegt der 52-Jährigen auch die Landwirtschaft. Als Kind hat sie die Ferien immer auf dem Bauernhof ihrer Tante verbracht, alle Abläufe genau mitbekommen. „Deshalb habe ich sehr viel Respekt, was die Erzeugung von Nahrung angeht.“ Sie möchte die ökologische und regionale Landwirtschaft attraktiver machen, fordert auch ein Umdenken in der EU-Agrarpolitik.

Dabei hängen Subventionen nämlich zu einem großen Anteil von der Fläche eines Hofs ab, der Einsatz für die Umwelt spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Wir wollen eine Umverteilung.“

Bei ihrem Wahlkampf spielen natürlich auch Umwelt- und Artenschutz eine große Rolle. Zurzeit ist die ÖDP mit dem Bienenrettungsmobil – einer kleinen Piaggio Ape – in der Region unterwegs und wirbt für ein Volksbegehren gegen das Artensterben.

Zuhören ist gefragt

Die Stimmung in Bayern, ja in ganz Deutschland, bereitet ihr Sorgen. „Die rechte Szene lebt auf“, klagt die 52-Jährige. Das sei auch das Ergebnis einer falschen Politik. „Es ist immer gefährlich, wenn man Menschen nicht zuhört.“ Das will sie anders machen. Zuhören könne sie. Als Musiklehrerin und ehrenamtliche Chor- und Kapellen-Leiterin gehört das zu ihrem Alltag. „Das ermöglicht es mir, Menschen dort abzuholen, wo sie sind.“

Nein zum Nuxit

Kreisfreiheit Im geplanten Austritt der Stadt Neu-Ulm aus dem Landkreis sieht Krimhilde Dornach keine Vorteile. „Von Herzen und Verstand würde ich Nein sagen zum Nuxit“, sagt sie. Sie befürchtet hohe Kosten, vieles müsse neu organisiert werden. Dabei seien die Konsequenzen des Austritts für den ganzen Landkreis noch nicht absehbar. „Was bedeutet das etwa für die Kliniken und Schulen?“, fragt Dornach. Sie fordert, vor der Entscheidung Fakten auf den Tisch zu bringen.

Chancen Sollte es zur Kreisfreiheit kommen, will die ÖDP-Kandidatin aber trotzdem die Möglichkeit der Neustrukturierung nutzen. „Wir sollten dann schauen, wo die Chancen liegen, um Dinge zu optimieren – zum Beispiel die Ökologie“, sagt sie.

Vom Allgäu nach Weißenhorn

Person Krimhilde Dornach ist in Füssen aufgewachsen. Ihre Ausbildung zur Musiklehrerin hat sie an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach gemacht. Seit 1987 wohnt Krimhilde Dornach in Weißenhorn. Zuerst hat sie an der Musikschule gearbeitet, seit 2000 ist sie an der dortigen Realschule tätig. Die 52-Jährige lebt mit ihrem Lebensgefährten zusammen.

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