Serie Noch säen und schon ernten

Tiefenbach / Inge Sälzle-Ranz 17.05.2018

Aristoteles ist die zugelaufene Wasserschildkröte, und Isidor, so nennen Annelies und Heiner Loop den grünen, dunkel gepunkteten Teichfrosch, der sich ab und zu mal zwischen den gut tarnenden, ebenso grünen Seerosen-Blättern blicken lässt. Man muss schon genau hinsehen, um ihn zu entdecken. Noch schwerer macht es die Schildkröte, einen Blick auf sie zu erhaschen. Manchmal allerdings kommt sie auch an Land, um sich in die Sonne zu legen, erzählt Annelies Loop.

Hausgarten zeigt sich opulent

Der Hausgarten der Familie Loop in Tiefenbach präsentiert sich derzeit opulent. Alles Grüne und Bunte scheint explodiert zu sein in den vergangenen vier Wochen, und das, obwohl es in dieser Zeit so wenig geregnet hatte. Beeindruckend ist auch der Teich mit seinen satt blühenden Uferlandschaften. Minze, Federnelken, vielerlei Gräser, Margeriten, Iris, Wollgras und vieles mehr gedeihen prächtig. Die Gießwasservorräte in den Wassertonnen gingen zuletzt zur Neige, so dass der Teich aus einem Brunnen gespeist werden musste. Heiner Loop gefällt das gar nicht, weil er mit der Zeit erhöhten Algenwuchs befürchtet. Gut, dass wenigstens für ein paar Tage Regen angesagt ist.

Also kann jetzt im längst vorbereiteten Beet auch die Grundlage fürs Bienenfutter gesät werden. Heiner Loop hat dazu die fünfjährige Mischung des Netzwerks „Blühende Landschaft“ in einem kleinen Eimer  mit reichlich Quarzsand vermischt, damit sich die winzigen Samenkörnchen gut verteilen lassen. Mit großen Schwüngen wirft er das Saatgut aufs Beet und drückt es anschließend mit einer flachen Schaufel fest. Jetzt heißt es nur noch warten, bis der Blütenteppich reichlich Nahrung für Bienen, Hummeln und Co bietet mit Ringelblumen, Färberkamille, Buchweizen, Hornklee, Natternkopf, Flockenblume und mehr.

Vieles, was jetzt Augen und Herz erfreut, kommt seit Jahren von selbst. „Man muss es nur machen lassen“, sagt Annelies Loop und zeigt beim Rundgang auf Akeleien in fünferlei Farbschattierungen von Weiß bis Dunkellila, die sich von alleine immer mehr ausgesät haben. Zig Königskerzen lassen schon erahnen, dass beim nächsten Besuch die Farbe Gelb-Orange zwischen dem Gartengrün dominieren wird.

Schwertlilien gibt es an vielen Plätzen. Sie wurden am Hang auf der Südwest-Seite des Hauses extra gepflanzt, in der Hoffnung, dass sie den überwuchernden Efeu vertreiben. Aufrecht wächst der Kugellauch in violettem Kontrast zum hellgrünem Farn, und stolze Pfingstrosen sind kurz davor, ihre farbenfrohe Blütenpracht zu entfalten, während der Bärlauch an den meisten Stellen bereits verblüht ist.

Im rückwärtigen Bereich hat Heiner Loop sechs Bauerngurken auf einem Quadratmeter Fläche gepflanzt. Damit das auch auf dem engen Raum funktioniert, wendet er einen Trick an: Er rankt sie an drei Stangen hoch, die wie in althergebrachter Manier wie „Hoinzen“ (im Allgäu auch Huinzen genannt) zusammen gebunden werden. „Damit bekommt man auf einem Viertelquadratmeter so viel hin wie auf einem halben in der Fläche“, erklärt Heiner Loop.

Kein Glück bei Veredelungen

In den neben liegenden Beeten – alles abgedeckt mit Gittern, um Katzen fern zu halten – wachsen Zwiebeln, sind Buschbohnen und Zuckererbsen ausgesät, auf dem Hochbeet gedeiht  der Freiland-Salat, nachdem der aus dem Gewächshaus schon verspeist wurde. Lauch und gelbe Rüben sollen den Gemüsevorrat ebenfalls bereichern. „Wobei das mit  den Karotten ein bisschen Glückssache ist“, verrät Annelies Loop, dass da manchmal der Erfolg ausbleibt.

Ein bisschen Glück hat Heiner Loop bei seinen Veredelungsversuchen gefehlt: Aus einem der geplanten Apfelbäume wurde eine Quitte. Sie soll in der neuen Kleingartenanlage des Obst- und Gartenbauvereins heranwachsen. Dafür hat der alte Apfelbaum im eigenen Hausgarten heuer bereits so viel angesetzt, dass er unbedingt einen Teil der heranwachsenden Äpfel abwerfen muss, um dem Rest die Chance von Größe zu geben.

Blumen säen, erstes Gemüse ernten

Blütenteppich April und Mai ist die optimale Aussaatzeit für Blühflächen im Frühjahr. Weil Feuchtigkeit und Wärme zunehmen, können sich die jungen Blütenpflänzchen rasch entwickeln. Ansaaten haben dadurch gute Chancen, sich erfolgreich zu etablieren.  Hauptblüte ist dann im Juli und August.

Gießen Im Gewächshaus von Heiner und Annelies Loop sind 14 Tomatenpflanzen schon etwa einen halben Meter hoch und werden durch weniger häufiges Gießen erzogen, möglichst tief zu wurzeln. Die  ersten Kohlrabi werden demnächst zu Suppe verarbeitet, und Schmelzkohlrabi werden bereits vorgezogen.

Schmelzkohlrabi Mit seiner dicken, festen Schale kann man den Schmelzkohlrabi vom Herbst bis lange in den Winter hinein lagern und hat damit eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. Sein hoher Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen wirkt positiv auf unsere Abwehrkräfte und macht ihn, wie alle Kohlarten, zu einem beliebten Wintergemüse. Er enthält besonders viel Vitamin C und Selen, aber auch Kalium, Magnesium, Calcium und vieles mehr.

Schädlinge Auch Läuse merken, dass es jetzt an den Gartenpflanzen wieder etwas zu futtern gibt. Heiner Loop hat ein probates Rezept im Kampf gegen die unliebsamen Gäste: je einen Teelöffel Neutralreiniger („Schmierseife“), Backpulver und Öl in einem Liter Wasser vermischen und auf die Pflanzen sprühen.

Ernte Annelies Loop hat bereits Rhabarbermarmelade gekocht. Sie verwendet 3:1 Gelierzucker, „dann ist die Marmelade gar nicht süß“.

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