Wasserpegel Niedriger Pegel der Roth und Wasserkraftanlage sorgen für Ärger

Wasserstand der Roth am Mittwochabend – mittags ging das Wasser noch bis zu den bewachsenen Steinen.
Wasserstand der Roth am Mittwochabend – mittags ging das Wasser noch bis zu den bewachsenen Steinen. © Foto: Hermann Reitmaier
Oberfahlheim / Von Lisa Mahlke 24.08.2018

Der extreme Sommer ist überall spürbar – an Ernteausfällen, toten Fischen, austrocknenden Flüssen. Doch am niedrigen Wasserstand der Roth in Oberfahlheim soll nicht nur die Trockenheit schuld sein. Das zumindest sagt Anwohner Hermann Reitmaier. In Intervallen, bis zu acht Mal am Tag, gehe das Wasser zurück.  Seine Erklärung: 150 Meter Luftlinie von seinem an die Roth angrenzenden Grundstück liegt der Spargelhof Reichart. Und der hat eine Kleinwasserkraftanlage. „Wenn er das Wasser staut, ist die Roth nur noch ein Rinnsal.“

Diese Art der Stromerzeugung hält er für sinnvoll und unterstreicht, dass die „lange Hitzeperiode überall ihre Spuren hinterlässt“. Doch der 68-Jährige spricht von einem durcheinander geratenen Ökosystem und sterbenden Fischen, weil es für die Tiere Stress bedeute, wenn der Wasserspiegel immer wieder steigt und sinkt. Außerdem hat er von einer veralteten Wasseranlage gehört.

Zur Roth fällt Reiner Reichart, Seniorchef des Spargelhofs, nur ein, dass der Fluss wenig Wasser führt. Deshalb ruhe die Stromproduktion seit mindestens 14 Tagen. Das Wasser fließe direkt wieder ab, beschreibt er. An die Eichpfahlhöhe müsse man sich halten (siehe Infokasten). „Dazu sind wir verpflichtet“, erklärt er. Das Wasserrecht auf dem Hof bestehe seit Zeiten „vor Napoleon“.

Allgemein lasse sich laut Gunther Wölfle, Abteilungsleiter Landkreis Neu-Ulm im Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, sagen, dass der Einfluss eines solchen Kraftwerks auf den Wasserspiegel gering ist. Renate Pressl vom Fachbereich Wasserrecht und Bodenschutz des Landkreises Neu-Ulm, unterstreicht: Die Gewässer führen wenig Wasser, „das ist unbestritten“. Viele Kraftwerke hätten die Stromproduktion zurzeit aufgeben müssen. Zum Thema Fischsterben sagt sie: „Es lässt sich momentan nicht vermeiden. Das ist Natur.“

Die technische Gewässeraufsicht sichere bei solchen Anlagen die Einhaltung bestimmter Vorschriften. Familie Reichart hatte kürzlich das Amt über Bauarbeiten zur Modernisierung ihres Werks informiert, erzählt Pressl. Das wird noch vor Ort kontrolliert. Der Grund für die Maßnahme: Wenn der Fluss normal Wasser führt, läuft dieses konstant durch die Anlage und treibt die Turbinen an. Ist der Wasserpegel so niedrig wie momentan, ging die Oberfahlheimer Anlage bislang in den Schwallbetrieb: Dabei wird so viel Wasser angestaut, wie nötig ist, um die Turbinen anzutreiben, und läuft danach im Schwall wieder ab. „Das führt dazu, dass im Unterlauf wenig bis gar kein Wasser fließt“, erklärt sie. „Wir haben das bemängelt, die Maßnahme wurde getroffen.“

Hermann Reitmaier stellte trotzdem am Mittwochabend fest: Gegen 20 Uhr floss für eine Stunde kaum noch Wasser. Den Vorwurf Reicharts, Reitmaier schere sich nur um das Wasser der Roth, weil er dieses zum Gießen seines Gartens nutzt, weist er zurück: Seine Pumpe nutze er nur bei normalem Wasserstand, momentan also gar nicht.

Eichpfahl markiert Wasserhöhe

Kleinwasserkraftwerke Um eine Fallhöhe zu erreichen, gibt es oberhalb eines Wasserkraftwerks häufig einen sogenannten Stau. Das Wasser wird durch die Turbine geleitet und komplett wieder an den Unterlauf abgegeben. Der Stau wird zum Beispiel über ein Streichwehr geregelt, das genau die erlaubte Höhe des Eichpfahls einnimmt und gewöhnlich nicht höhenverstellbar ist.

Marke Der Eichpfahl ist eine behördlich beschiedene Marke und besteht aus einer Scheibe, die auf einem Betonblock angebracht ist. Die Höhe der Scheibe entspricht der festgesetzten Wasserhöhe. So erkennt man bei Überprüfung sofort, ob der Stau auf genehmigter Höhe ist.

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