Gewaltsam umgeknickt – inzwischen sind es neun Tempo-30-Schilder, die seit Mitte August in der Hauptstraße in Unterkirchberg auf diese Weise gefällt worden sind. Alleine in der Nacht zum Sonntag wurden sieben der insgesamt zehn Schilder umgeknickt, die auf die Geschwindigkeitsbeschränkung hinweisen. Die Vermutung liegt nahe, dass diese „gemeinschädliche Sachbeschädigung“, wie es im Polizeibericht heißt, von Gegnern des jüngst eingeführten Tempolimits begangen wurden. Denn nicht alle sind davon begeistert, dass in der Hauptstraße seit dem 22. August Tag und Nacht statt 50 nur noch 30 Stundenkilometer gefahren werden dürfen.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde Illerkirchberg beantragt, auf der vielbefahrenen Hauptstraße, die außerhalb der Ortschaft L 260 heißt, nachts eine Geschwindigkeitsbeschränkung einzuführen: von 22 Uhr bis 6 Uhr. Genehmigen musste diese das Regierungspräsidium Tübingen, da es sich um eine Landesstraße handelt. Dieses entschied aufgrund der hohen Verkehrsbelastung, Tempo 30 nicht nur nachts, sondern auch tagsüber einzuführen. Mit dem Ziel, Anwohner vom Verkehrslärm zu entlasten.

Einige Unterkirchberger sind der Meinung, dass eben das nicht erreicht wird: Unter anderem gingen Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung ein, wie Hauptamtsleiter Manfred Kornmayer bestätigt. Er fügt aber hinzu, „dass es durchaus auch positive Rückmeldungen gab“. Kritik und Lob hielten sich die Waage. Mehr dazu sagen wollte er nicht. Das sei Sache von Bürgermeister Anton Bertele, der im Urlaub ist. Auch in Leserbriefen an die SÜDWEST PRESSE kritisierten Bürger die Geschwindigkeitsbegrenzung. Tenor: Der Lärm sei nicht weniger geworden, sondern mehr. Zudem fühlt sich so mancher Autofahrer von den Geschwindigkeitsmessanlagen in Unterkirchberg schikaniert: Zwei der „Starenkästen“ stehen alleine in der Hauptstraße, einer an der Straße von Unterweiler, ein weiterer in der Mussingerstraße.

Einer, der die Kritik an dem Tempolimit nicht versteht, ist Gemeinderat Giuseppe Lapomarda. „Wir haben die Beschränkung beantragt, weil der Wunsch aus der Bevölkerung kam.“ Dass sie auch tagsüber gilt, habe den Gemeinderat „überrascht“. Dennoch ist Lapomarda überzeugt, „dass das allen zugute kommt“. Er sei von Kritikern des Tempolimits angesprochen worden, ebenso von Befürwortern. „Es gibt sehr wohl Anwohner der Hauptstraße, die es super finden.“ Diejenigen, „denen das nicht schmeckt“, sind nach Meinung Lapomardas meist solche, die lediglich „durchfahren“. Der Gemeinderat hat übrigens die Probe aufs Exempel gemacht und ist die Hauptstraße einmal mit 50 und einmal mit 30 Stundenkilometern durchgefahren. Ergebnis: „Es sind 30 bis 40 Sekunden mehr, die man jetzt braucht.“ Das findet er verkraftbar. Nicht mehr für tragbar hält er die beschädigten Verkehrsschilder. „Eines davon lag am Sonntagmorgen teils auf der Fahrbahn. Wenn da ein Motorradfahrer kommt und das nicht sieht . . .“, sagt Lapomarda.

Auch die Polizei weist darauf hin, dass die „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ keineswegs eine Bagatelle, sondern vielmehr eine Straftat sei. Den Schaden gibt sie mit rund 1800 Euro an. Der Polizeiposten Wiblingen hofft nun, dass sich Zeugen der „Fällaktionen“ melden. Ganz geräuschlos können die wohl kaum vonstatten gegangen sein.