Kreis Neu-Ulm / MICHAEL JANJANIN Das Prinzip dürfte Schule machen: Alle Buslinien im Kreis Neu-UIm werden auf ein künftiges S-Bahnnetz ausgerichtet. Beginn ist an der Illertalbahn, der neuen Linie nach Weißenhorn wie auch im Donautal.

Das neue Buskonzept im Landkreis Neu-Ulm bindet den Nahverkehr in den ländlichen Regionen des Kreises Neu-Ulm an die Bahnlinien der Region an. Ob im Illertal, im Donautal oder Rothtal: Vom 15. Dezember an gilt der Fahrplan auf der Schiene als Grundgerüst aller Verbindungen des Öffentlichen Personennahverkehrs. Das Grundprinzip lautet, dass Bus und Bahn keine Parallelverbindungen anbieten, sondern sich ergänzen. Die Bahn stellt eine schnelle Anbindung an das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm sicher. Die Busse dienen der Erschließung der ländlichen Regionen abseits der Schienenstrecken.

Das Konzept dazu hat der Kreistag Neu-Ulm bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Die Grundlage der Finanzierung bildet eine Einsparung im Busverkehr, die sich durch die Reaktivierung der Bahnlinie Ulm-Weißenhorn ergibt. An die 380 000 Kilometer Fahrleistung war dadurch freigeworden, dass Strecken nicht mehr durch Bus und Bahn parallel abgedeckt werden. "Die Genehmigung eines solchen Buskonzepts und die entsprechenden Dienstleistungsaufträge waren auch die Bedingung des Wirtschaftsministeriums, der Reaktivierung zuzustimmen" - und deren Betrieb zu finanzieren. Das sagte Landrat Erich Josef Geßner.

Wie berichtet, wird der Landkreis knapp 900 000 Euro drauflegen müssen, damit das Buskonzept aufgeht. Das Ziel: "Den ÖPNV so auszubauen, dass er eine vollwertige Alternative zum Individualverkehr wird." Zum Auto. Dazu gehöre die schnelle Anbindung von Weißenhorn über Senden nach Ulm auf der Schiene, erklärte Nahverkehrsplaner Ulrich Grosse. Knapp 25 Minuten braucht der Zug von Weißenhorn nach Ulm, mit dem Auto geht es auch nicht schneller. Die Erreichbarkeit der Zug-Haltestationen in Weißenhorn und Senden mit dem Bus sei ebenso wichtig - deshalb sei mit der Donau-Iller-Nahverkehrsgesellschaft das integrierte Bus-Zug-Konzept entworfen worden.

65 Änderungen im Busfahrplan wird es geben, ergänzte Grosse. Diese reichen bis in die Ortsteile der größeren Siedlungen Weißenhorn, Pfaffenhofen, Senden und Vöhringen hinein. Ebenso wichtig sei die Anbindung von Roggenburg mit dem Umweltzentrum und dessen hoher Zahl an Gästen - mit den regulären Buslinien tagsüber oder mit dem Rufbus-System, das die Erreichbarkeit des Knotenpunkts Weißenhorn das ganze Jahr über auch abends garantieren soll. "Die Auswirkungen des Buskonzepts reichen bis in die Nachbarkreise - nach Krumbach, Günzburg und Babenhausen."

Für Kreisrat Ansgar Batzner (Freie Wähler) stellt sich die Frage, wann es mit dem ÖPNV-Aufschwung im südlichen Landkreis weiter gehen könnte. Zur Zeit werde der gesamte Nahverkehrsplan überarbeitet, entgegnete Landrat Geßner. "In einem nächsten Schritt wird auch die Region um Illertissen ausgeleuchtet." Ein Drittel des Landkreises fehle noch, pflichtete er bei. Solch ein Konzept zu entwerfen, stelle einen hohen Aufwand dar und habe zum Start der neuen Bahnlinie Ulm-Weißenhorn gestemmt werden müssen. "Auf der Schiene haben wir in Illertissen, Nersingen, Elchingen und bald auch in Senden einen Halbstunden-Takt", ergänzte des Ding-Geschäftsführer Thomas Mügge. Und wenn die Erfahrungen mit dem neuen Angebot ins Rothtal ausgewertet sind, wird entschieden, ob der Stundentakt dort ebenfalls halbiert werden kann. Ab 2016 werden der Fahrplan und der Regionalverkehr neu ausgeschrieben - mit einer möglichen Durchbindung im Halbstundentak als Strecke Weißenhorn-Ulm-Blaubeuren.