Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Auch in Elchingen. Daher hat der Gemeinderat am Montagabend der Gründung der „Donau-Iller-Wohnungsgesellschaft“ (Diwog) einhellig zugestimmt. Deren Ziel ist es, preisgünstiges Wohnen zu ermöglichen – und zwar mit Hilfe der Wohnungsgesellschaft der Stadt Neu-Ulm (Nuwog).

Dem nun vorliegenden Gesellschaftsvertrags der Diwog zufolge beträgt das Stammkapital 120 000 Euro, das zu gleichen Teilen Elchingen, Nersingen und die Nuwog (also mittelbar die Stadt Neu-Ulm) einbringen. Jede Kommune ist zudem mit einer Stimme in der Gesellschafterversammlung vertreten. In Elchingen ist dies Bürgermeister Joachim Eisenkolb. Dieser soll auch im Aufsichtsrat sitzen, ebenso wie ein Mitglied des Gemeinderats oder der Verwaltung. Aus den beiden anderen Kommunen kommen weitere vier Aufsichtsratsmitglieder. Beschließen können beide Gremien jeweils nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit.

Die ersten preisgünstigen Wohnungen sollen in Unterelchingen entstehen. Dafür stellt die Gemeinde der Diwog in Aussicht, ein 1924 Quadratmeter großes Grundstück im Wohngebiet „Obere Mühlau“ in die Gesellschaft einzubringen. Laut Eisenkolb baut und verwaltet die Diwog dort ein mehrgeschossiges Gebäude, an dessen Baukosten sich Elchingen mit 25 Prozent Eigenkapital beteiligt. Der Wert des Grundstücks werde berücksichtigt, die verbleibende Differenz wäre aufzuzahlen. Im Gegenzug erhalte die Gemeinde das Belegungsrecht für die Wohnungen.

„Ein kleines bisschen stolz bin ich schon“, sagte Eisenkolb in der Sitzung. Denn: „Es war eine schwere Geburt.“ Einziger Wermutstropfen: „Außer Elchingen und Nersingen ist es nicht gelungen, weitere Kommunen zu begeistern.“ (siehe Infokasten)

Aus Sicht von Nuwog-Geschäftsführer Andreas Heipp ist das jedoch nicht tragisch: „Mir ist es wichtig, erfolgreiche Projekte umzusetzen“, sagte er. Diese wiederum könnten dann die beste Werbung sein und womöglich andere Gemeinden zum Mitmachen bewegen.

Die Elchinger Gemeinderatsmitgliedern jedenfalls zeigten sich zufrieden. Zum Beispiel Reinhard Rotermund von der Elchinger Umweltliste (Eule), die vor zwei Jahren einen entsprechenden Antrag zur Zusammenarbeit eingebracht hatte. „Wir wollen sozialverträglichen Wohnungsbau“, sagte Rotermund. Mit dem „richtigen Grundstück“ könne dieses Ziel  in den nächsten Jahren erreicht werden. Beruhigend sei überdies, dass die Rechtsanwaltskanzlei Meidert & Kollegen aus Augsburg den Vertrag geprüft habe.

Veto-Recht für die Gemeinde

Karin Batke von der Unabhängigen Freien-Wählen-Gemeinschaft (UFWG) ist froh, dass die Nuwog mit im Boot ist. „Als Kommune könnten wir es alleine nicht stemmen.“ Bei aller Euphorie wollte Batke aber wissen, wie es um finanzielle Risiken bestellt ist.

Jede Kommune entscheide selbst, ob es ein Projekt gebe und ob die Maßnahme umgesetzt werde, sagte Heipp,. Die Finanzierung übernehme die Diwog. Gewinne oder Verluste würden jährlich ausgewiesen. Heipp, der auch Diwog-Geschäftsführer werden soll, rechnet aktuell jedoch nur mit Gewinnen. „Wir machen nur Projekte, die sich finanziell tragen.“

In der Tat sei das Risiko begrenzt, meinen auch Bernd Schwerdtfeger und Karl Mayer (CSU). „Wir haben als Gemeinde ein Veto-Recht bei allen wichtigen Entscheidungen“, erklärte Mayer. „40 000 Euro und ein Grundstück sind kein Risiko“, stellte Schwerdtfeger fest.

„Wir freuen uns, dass auch Nersingen dabei ist“, sagte Armin Willbold von der Dorfgemeinschaft Oberelchingen (DGO). Der Gemeinderat der Nachbargemeinde stimmte übrigens am Dienstagabend über den Gesellschaftsvertrag ab (Bericht folgt).

Wo die Diwog ihren Sitz haben wird, sei noch unklar, sagte Heipp. Die postalische Adresse werde aber in Neu-Ulm verortet sein.

Gespräche laufen seit Mitte 2016


Historie Die Gespräche über eine Zusammenarbeit (Arbeitstitel: „Nuwog-Land“) hatten Mitte 2016 begonnen. Beteiligt waren neben Elchingen, Nersingen und Neu-Ulm die Regierung von Schwaben, der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen und die Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes. Letztere hatte sich skeptisch gezeigt, weil es „keine Aufgabe der Stadt Neu-Ulm“ sei, Wohnungsbau im Landkreis zu fördern.