Infrastruktur Neue Wege für das Wasser

Für den Roggenburger Bürgermeister Mathias Stölzle ist die neue Wasserversorgung eine große Baustelle. Es müssen auch einige Kilometer neue Leitungen verlegt werden.
Für den Roggenburger Bürgermeister Mathias Stölzle ist die neue Wasserversorgung eine große Baustelle. Es müssen auch einige Kilometer neue Leitungen verlegt werden. © Foto: Matthias Sauter
Roggenburg / Von Matthias Sauter 12.10.2018

Die Zukunft der Wasserversorgung gehört seit Jahren zu den Dauerbrenner-Themen in den Roggenburger Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen. Ausgangspunkt der Diskussionen war die Zusammenlegung der Versorgungen in Roggenburg, Biberach und Schießen zu einer gemeinsamen gemeindlichen Einrichtung im Januar 2017. Über weitere Änderungen und eine neue Struktur des Wassernetzes haben Verwaltung und Gemeinderäte in den vergangenen Monaten beraten.

Notwendigkeit Bis Ende 2016 gab es eigenständige gemeindliche Wasserversorgungen in Biberach und Roggenburg. In Schießen kümmerte sich ein Verein darum, der den Betrieb allerdings nicht mehr stemmen konnte und die Abwicklung anstrebte. Der Schießener Hochbehälter ist seit Jahren in einem schlechten Zustand, Keime und hygienische Mängel sind schwer in den Griff zu bekommen. Nachdem diese Situation bekannt wurde, entschied sich die Gemeinde zur Übernahme der Schießener Versorgung und arbeitete für alle drei Standorte eine gemeinsame Satzung mit einheitlichen Gebühren aus. Die Betreuung der Brunnen und Hochbehälter übergab sie an den Wassermeister der Stadt Weißenhorn. „Wir sind froh, dass sich nun eine professionelle Kraft um unser Trinkwasser kümmert“, sagte Roggenburgs Bürgermeister Mathias Stölzle.

Gutachten Noch vor der rechtlichen Zusammenlegung hat ein Ingenieurbüro insgesamt drei Modelle für die zukünftige Struktur des Roggenburger Wassernetzes ausgearbeitet. Die Experten schlugen eine Versorgung durch Nachbargemeinden, eine weiterhin dezentrale Versorgung sowie den Bau eines zentralen Hochbehälters vor. Mit einer breiten Mehrheit sprachen sich die Gemeinderäte für die dritte Option aus. „Für den Hochbehälter, der zwischen Biberach, Schleebuch und Roggenburg gebaut werden soll, halten sich die Kosten in Grenzen. Dafür werden aber mehr Leitungen als bei der zweiten Variante benötigt“, sagte Stölzle. Beim zweiten Vorschlag hätten die Hochbehälter in Schießen und Biberach komplett ersetzt werden müssen.

Finanzierung Ursprünglich ging die Gemeinde von Gesamtkosten in Höhe von 2,7 Millionen Euro aus. Nach mehreren Verteuerungen belaufen sich die Investitionen laut einem Planungsbericht von Ende Juli nun auf 4,07 Millionen Euro – die jedoch innerhalb des gesteckten Haushaltrahmens liegen. Die Kosten sollen je zu 50 Prozent über einen einmaligen Zusatzbeitrag und über einen Anstieg der Verbrauchsgebühren umgelegt werden. Wie hoch der einmalige Zusatzbeitrag ausfällt, lässt sich aber laut Stölzle noch nicht sagen.

Zeitplan Die Planungen für den Neubau eines zentralen Hochbehälters und den Leitungsbau (siehe Infokasten) hat der Gemeinderat im zweiten Halbjahr 2017 an das Ulmer Büro Wassermüller vergeben. Im Februar stellte ein Mitarbeiter dem Gremium die fertigen Pläne vor, im März wurde der Bau abgesegnet. In dieser Woche hat der Gemeinderat die Erd- und Betonarbeiten für den Hochbehälter vergeben, diese sollen bis Weihnachten beendet seien. Die restlichen Ausschreibungen für den Hochbehälter und die Leitungen laufen aktuell, mit dem Leitungsbau soll 2019 begonnen werden.

Bedeutung Die Umstrukturierung der Wasserversorgung ist nach Aussage von Stölzle die „momentan arbeitsintensivste Baustelle in Roggenburg“. Allerdings seien die grundlegenden Änderungen unumgänglich, um weiterhin „eine hohe Qualität des wichtigsten Lebensmittels“ zu garantieren. „Wir machen die Wasserversorgung für die nächsten 50 Jahre zukunftsfähig“, betont der Bürgermeister.

Fassungsvermögen: 1200 Kubikmeter

Ausmaß Der neue Hochbehälter in Roggenburg soll aus zwei Edelstahltanks bestehen. Diese haben ein Volumen von jeweils 600 Kubikmetern.

Leitungen Zum Hochbehälter müssen neue Leitungen von den Brunnen bei Biberach und Schießen gebaut werden, auch muss er an die Ortsnetze angeschlossen werden. Dafür braucht es acht Kilometer neue Leitungen.

Nitrat Damit alle Ortsteile mit gleicher Wasserqualität versorgt werden können, wird die Möglichkeit geschaffen, die Wasser aus dem neuen Hochbehälter und dem schon bestehenden bei Meßhofen durch Hin- und Herpumpen zu mischen. Denn die Nitratwerte haben sich in den vergangenen Jahren teils deutlich unterschieden, auch wenn sie aktuell laut Stölzle ausgeglichen sind. rei

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