Kreis Neu-Ulm / Niko Dirner  Uhr

Über die hochgerechneten 14 Millionen Euro wird der Verlust 2019 nicht steigen, das Defizit wird eher geringer ausfallen: Das hat Marc Engelhard, Direktor der Kreisspitalstiftung, gestern im Krankenhausausschuss betont. Wie so oft in den vergangenen Monaten hatte der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg kritisch nachgefragt, als Engelhard den bereits im März präsentierten Wirtschaftsplan vorstellte.

Wie berichtet, schreiben die drei Kliniken in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen seit Jahren tiefrote Zahlen. Engelhard wurde am 1. Januar 2018 verpflichtet, um diesen Zustand zu beenden. 2019 allerdings, das erste Jahr, das Engelhard planerisch voll verantwortet, markiert noch keine Trendwende. Diese soll langfristig mit dem jüngst den Kreisräten vorgelegten medizinisch-strategischen Zukunftskonzept gelingen. Dieses wird aber zunächst nicht-öffentlich beraten (siehe Info-Kasten). Nur einige Überlegungen wurden im öffentlichen Teil der Sitzung benannt.

Er habe „einige Leichen im Keller“ vorgefunden, sagte der neue Personalleiter Oliver Schrof. Einige „Parameter“ seien immer noch nicht auf Knopfdruck abrufbar. „Das soll sich ändern.“ Mindestens 200 Einzelmaßnahmen seien identifiziert, „vielleicht sogar 500, je nachdem, wie sehr man ins Detail geht“. Darunter sei etwa ein Projekt mit einem Einsparpotential von 30 000 Euro. „Das sollte zeitnah umgesetzt werden.“ Derzeit geben es wegen des hohen Defizits teils Probleme, neue Mitarbeiter zu bekommen. „Es gab Absagen aufgrund der schlechten Reputation.“

Er habe 66 Positionen ausgemacht, die mit Risiken behaftet sind, berichtete der ebenfalls neue Verbundpflegedirektor Jürgen Lehmann. 25 davon seien abgearbeitet. „Ich denke, die Ausschläge des Verbrauchs nach oben sind im Griff.“ Seine Idee, eine eigene Krankenpflegeschule zu etablieren, werde von der bayerischen Krankenhausgesellschaft unterstützt.

Um die Außenwirkung der Klinken zu verbessern, wird die Pressestelle vorübergehend aufgestockt, die sozialen Medien sollen künftig stärker beackert werden, eine Klinikzeitung ist geplant, außerdem eine Veranstaltungsreihe 2020 zur 550-Jahrfeier der Kreisspitalstiftung.

Kreisräte: Zukunftskonzept nicht ausreichend

Kritik Das intern erarbeitete und jetzt den Kreisräten vorgelegte medizinisch-strategische Konzept ist offenbar nicht der erhoffte Befreiungsschlag für die Spitalstiftung. Mehrere Kreisräte sagen, zwar seien Doppelstrukturen aufgezeigt, die Lösungsvorschläge aber seien nicht mit Kosten oder Einsparpotentialen hinterlegt. Es habe schon Konzepte gegeben, die konkreter gewesen seien. Die Klinikführung müsse mehr liefern. Was ebenfalls auf Kritik stößt, ist die Tatsache, dass das Konzept bisher nur nicht-öffentlich besprochen wird – so wie gestern im Krankenhausausschuss und wohl auch am Freitag im Kreistag. Ein Vorschlag lautet, erst eine Klausurtagung zu machen.