Als unten Nürnberg vorbeizieht, serviert Stewardess Sarah Milz „Kekse oder Chips?“, und schon erfüllen Knistern und Kauen die Kabine der Dash 8-300. Schnell jedoch gewinnt das Brummen der Rotoren wieder die Überhand, die den am Allgäu Airport bei Memmingen gestarteten Jet der Bundeshauptstadt näher bringen. Berlin! Für Ralf Schmid, Geschäftsführer des Flughafens, ist dieses innerdeutsche Ziel neben Hamburg „die Königsdisziplin“ und wegen der Luftverkehrssteuer „die größte Herausforderung“.

Für Roger Hohl ist sie bislang vor allem eins: ein gutes Geschäft. Am Montag hat die von ihm geführte Intersky die Strecken Memmingerberg-Tegel und Memmingerberg-Hamburg in Betrieb genommen, buchen kann man die wöchentlich elf Flüge bereits seit zwei Monaten. Die Airline aus Bregenz ist nach Tuifly, Air Berlin, Touropa und Germanwings bereits der fünfte Partner für dieses Angebot. Wobei Flughafen-Geschäftsführer Schmid betont, dass Tuifly nicht aufgegeben, sondern die Strecken nur an Air Berlin übertragen habe. Und Germanwings, die am Donnerstag zum letzten Mal die Städtetouren flog, sei letztlich vor die Tür gesetzt worden. Denn die Fluggesellschaft habe ihren bisher eingesetzten und „sensationell ausgelasteten“ Regionalflieger ausgemustert und habe stattdessen einen viel größeren Airbus einsetzen wollen. Laut Schmid sollten es aber mehr Flüge werden als die wöchentlich zwei jeweils nach Berlin und Hamburg. „Da haben wir die Reißleine gezogen.“

Der Erstflug nach Berlin  verlief nach Maß: Beim Hinflug waren 31 der 50 Plätze belegt, beim Rückflug 30. Roger Hohl von Intersky sagte, anders als bei großen Boeing- oder Airbus-Linern müsse die Auslastung nicht bei 90 Prozent liegen, es reichten 55 Prozent. Unter den Gästen war Lilo Wegmann, 76, aus Memmingen, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug wagte: um die 82-jährige Schwägerin zu besuchen. Auf dem Rückflug war die Berlinerin Lisa Schöner an Bord, die mit einer Freundin aus London ein Skiwochenende in Ischgl verbracht hatte. „International-Hub Memmingen“, witzelte die 30-Jährige. Am lautesten Werbung für die beiden neuen Verbindungen machte in der Abflughalle der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Rief der sich seit Jahren für den Allgäu Airport einsetzt. „Heute ist ein Glückstag für die gesamte Region von den Bergen bis zur Donau“, sagte Rief. Drei Stunden mit Ein- und Aus-Checken brauche er von seinem Wohnort in der Nähe von Memmingen bis Berlin-Mitte. Das sei unschlagbar.

Die Dash, künftig soll eine moderne Propellermaschine vom Typ ATR 72-600 eingesetzt werden, startet übrigens in Friedrichshafen, dem Heimatflughafen von Intersky. Geschäftsführer Hohl sagte, er habe noch keine Klagen darüber gehört, dass der Flug in die Metropolen für die Passagiere vom Bodensee wegen der Zwischenlandung länger dauert. Aus seiner Sicht ist die Verbindung von Friedrichshafen sogar besser geworden: Gibt es doch jetzt zusätzlich zu den beiden Berlin- und Hamburg-Flügen in der Früh und am Abend den dritten via Memmingen. Schmid wünschte sich prompt vor laufenden Kameras von Intersky-Eigentümerin Renate Moser eine „doppelte Tagesanbindung“, einen Hin- und einen späten Rückflug für die deutschen Ziele. Intersky-Chef Hohl sagte, zunächst werde überlegt, auch sonntags nach Hamburg zu fliegen.