Langenau, Rammingen, Asselfingen, Setzingen, Öllingen und Niederstotzingen auf baden-württembergischer Seite, möglicherweise auch Weißenhorn, Pfaffenhofen, Roggenburg, Elchingen und Nersingen auf bayerischer Seite: Diese Kommunen müssten nach neuen Vorschlägen innerhalb von 24 Stunden evakuiert werden, wenn es im rund 20 Kilometer entfernten Atomkraftwerk (AKW) Gundremmingen zur Katastrophe kommt. Die Städte Ulm und Neu-Ulm sind 32 Kilometer weg.

Aus dem Nuklear-Gau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vor drei Jahren haben Experten der Strahlenschutzkommission ihre Lehren gezogen und vorgeschlagen, die Vorgaben für den Katastrophenschutz zu verschärfen. Derzeit werden die Empfehlungen von Bund und Ländern diskutiert. Ein Vorschlag: Die Mittelzone um Atomkraftwerke auszudehnen von einem 10-Kilometer-Radius auf 20 Kilometer, im Gespräch sind auch 25 Kilometer. „Wir kratzen gerade so an der 25-Kilometer-Grenze“, sagt Wolfgang Höppner, Fachbereichsleiter Katastrophenschutz im Landratsamt Neu-Ulm. In dieser Zone, für die eine 24-Stunden-Evakuierung gilt, würden die oben aufgeführten Städte und Gemeinden liegen. Der Radius der Zentralzone um das AKW soll von zwei auf fünf Kilometer vergrößert werden: In diesem Bereich müssen die Menschen innerhalb von sechs Stunden evakuiert werden.

Noch haben die Landkreise keine konkreten Informationen erhalten. „Es ist sicherlich notwendig, dass über die Vorgaben neu gedacht wird“, meint Höppner. Harald Bloching, Kreisbrandmeister des Alb-Donau-Kreises, begrüßt, dass die neuen Vorgaben bundeseinheitlich erfolgen sollen. Das sei besonders bei einem Grenzfall wie Gundremmingen von Vorteil. Bislang gibt es auf bayerischer und baden-württembergischer Seite unterschiedliche Regelungen. Beispiel Alarm: In Bayern erklingt eine Sirene mit einem einminütigen Heulton, um die Bevölkerung im Katastrophenfall zu warnen. „Dann sollten Radio und Fernseher eingeschaltet werden, um sich zu informieren“, sagt Höppner. In Baden-Württemberg gibt es diesen Alarm nicht. „Wenn die Neuregelung kommen sollte, müssen wir unsere alten Sirenen-Anlagen auf Digitaltechnik umrüsten“, weist Hermann Schmid, Geschäftsführer des Verwaltungsverbands Langenau, auf ein Problem hin. Diese verfügten nur über analoge Technik, die Feuerwehr nutze sie nicht mehr, weil sie über Piepser alarmiert werde.

Evakuierung: Wenn die Gefahrenzonen größer werden, müssen mehr Menschen evakuiert werden. Ist das zu bewältigen? „Es wird nicht 360 Grad evakuiert“, erklärt Höppner. Sondern entgegen der Windrichtung. Dort befänden sich auch die Aufnahmeräume wie Turnhallen. Transportkapazitäten und Einsatzkräfte seien im Katastrophenschutzplan aufgeführt. „Wir kennen jedes Fahrzeug“. Um die „Transportströme“ zu bewältigen, seien die Wege vorgegeben, Autobahnen würden in beide Richtungen nur einspurig befahrbar sein, die Bahn setze Sonderzüge ein.

Jodtabletten: Diese sollen nach dem Vorschlag der Strahlenschutzkommission bei einem Störfall künftig in einem Radius von 100 statt 50 Kilometern verteilt werden. Bislang sind Tabletten für Kommunen im Umkreis von 25 Kilometern im Landratsamt Neu-Ulm fertig gepackt, im Alb-Donau-Kreis befinden sie sich vor Ort.

Finanzierung: Höppner geht von einem großen Aufwand aus, um die neuen Vorschläge umzusetzen – in finanzieller und personeller Hinsicht. Kreisbrandmeister Bloching: „Der finanzielle Mehraufwand wird eine Sache sein zwischen Bund, Ländern und AKW-Betreibern.“ Auch Hermann Schmid vom Verwaltungsverband Langenau hofft auf Unterstützung, insbesondere durch den Kraftwerksbetreiber: „Das darf nicht an den Kommunen hängen blieben, wir können ja nichts dafür, dass wir in der Zone liegen.“ Der Raum Langenau profitiere davon nicht: „Wir bekommen aus Gundremmingen keine Gewerbesteuer.“



Was ein Atomkraftwerk ist, darunter können sich die meisten grob etwas vorstellen. Zumindest hat jeder ein Bild im Kopf, wie so ein Kraftwerk aussieht. Doch was passiert eigentlich wo in Gundremmingen?