Elchingen Neue Berechnung: Überschwemmungsgebiet in Elchingen verkleinert

Die Gugelfuss-Werkshalle auf der Fischerwiese befreite das Unternehmen von einer drückenden Raumnot. Um eine Genehmigung für den Neubau im bisherigen Überschwemmungsgebiet zu bekommen, waren Ausgleichsflächen vorgeschrieben. Das hat sich mit der Neuberechnung - die einen verbesserten Ablaufgraben - berücksichtigt - wohl erledigt, heißt es aus dem Bauamt. Das Hochwasser bleibt demnach im Auwald, erreicht die Elchinger Siedlungsflächen nicht mehr. Foto: Lars Schwerdtfeger
Die Gugelfuss-Werkshalle auf der Fischerwiese befreite das Unternehmen von einer drückenden Raumnot. Um eine Genehmigung für den Neubau im bisherigen Überschwemmungsgebiet zu bekommen, waren Ausgleichsflächen vorgeschrieben. Das hat sich mit der Neuberechnung - die einen verbesserten Ablaufgraben - berücksichtigt - wohl erledigt, heißt es aus dem Bauamt. Das Hochwasser bleibt demnach im Auwald, erreicht die Elchinger Siedlungsflächen nicht mehr. Foto: Lars Schwerdtfeger
Elchingen / STEFAN CZERNIN 03.08.2013
Ein Überschwemmungsgebiet bis zur Bahnlinie? Die Gemeinde Elchingen wehrte sich gegen diese amtliche, großflächige Festlegung. Mit Erfolg.

Das sah für die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde Elchingen gar nicht gut aus: Das Wasserwirtschaftsamt hatte das Überschwemmungsgebiet der Donau bei einem 100-jährlichen Hochwasser neu berechnet. Demnach werde sich das Wasser in Oberelchingen großflächig über das Wiesental bis zur Bahnlinie und weiter ins Gewerbegebiet Unterelchingen ausbreiten.

Ein derart großes Überschwemmungsgebiet hätte für die Gemeinde deutliche Nachteile, erklärte Martin Kramer vom Bauamt auf Anfrage. Neuansiedlungen im Gewerbegebiet, das Ausweisen von Baugebieten, all das wäre im betroffenen Bereich nur "noch in Ausnahmefällen möglich und mit hohen Hürden verbunden gewesen".

Verwaltung und Gemeinderat beschlossen deshalb, die Berechnungen des Wasserwirtschaftsamts überprüfen zu lassen. Anfang 2012 wurde das Karlsruher Institut für Technologie damit beauftragt. Die Ergebnisse wurden dann in mehreren Gesprächsrunden wieder mit dem Wasserwirtschaftsamt besprochen - und von der Gemeindeverwaltung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats präsentiert.

Als großer Knackpunkt erwies sich ein Donauseitengraben, der vom Schwenksee aus unterhalb der Staustufe wieder in die Donau führt. Und so bei Hochwasser das Wasser vom Siedlungsgebiet der Gemeinde Elchingen wegleitet. Das Elchinger Bauamt fand heraus, dass in der Genehmigung der Staustufe aus dem Jahr 1959 festgelegt ist, dass entlang des Grabens ein Damm verlaufen muss, damit dieser mehr Wasser aufnehmen kann. Eine aktuelle Vermessung habe jedoch gezeigt, dass dieser Damm "nicht da ist", sagte Kramer. Und deswegen auch nicht in der Überschwemmungssimulation des Wasserwirtschaftsamtes berücksichtigt wurde. Kramer: "Das ist die Schwachstelle."

Der Betreiber der Staustufe, die Bayerischen Elektrizitätswerke, ist nun gefordert: Er muss einen Damm beidseits des Kanals aufschütten, wie in der Genehmigung festgelegt. Das Wasserwirtschaftsamt hat in einem neuen Überschwemmungsmodell den leistungsfähigeren Ablauf schon miteinbezogen, mit erfreulichen Folgen für die Gemeinde: Ein 100-jährliches Hochwasser erreicht die Elchinger Siedlungsflächen gar nicht mehr. "Das Hochwasser bleibt im Auwald", sagte Kramer

Auch der Oberelchinger Türen- und Fensterbauer Gugelfuss liegt nun nicht mehr im errechneten Überschwemmungsgebiet der Donau. Für den Bau der neuen großen Werkshalle war ursprünglich zwingend vorgesehen, dass das Unternehmen dafür Ausgleichsflächen bereitstellen muss. Diese hätte die Gemeinde auf ihrem Grund ausgewiesen und Gugelfuss in Rechnung gestellt. Das ist nun voraussichtlich nicht mehr nötig.

Die Ergebnisse werden nun ins Landratsamt weitergeleitet, dieses wird das Überschwemmungsgebiet innerhalb der kommenden drei Monate vorläufig festlegen. Bürgermeister Joachim Eisenkolb wies in der Sitzung darauf hin, dass das günstigere Ergebnis "ohne Rechentricks" zustande gekommen sei.