Kreis Neu-Ulm Neu-Ulmer Kreiskliniken sind auf dem Weg zur nächsten Reform

Der Illertalklinik, die innerhalb der Kreiskliniken auf die Altersmedizin spezialisiert ist, kann eine neue Bedeutung zukommen. Dafür könnte das neue Krankenhausstrukturgesetz die Geburtsstation in Illertissen gefährden.
Der Illertalklinik, die innerhalb der Kreiskliniken auf die Altersmedizin spezialisiert ist, kann eine neue Bedeutung zukommen. Dafür könnte das neue Krankenhausstrukturgesetz die Geburtsstation in Illertissen gefährden. © Foto: Dave Stonies
Kreis Neu-Ulm / MATTHIAS STELZER 31.10.2015
Mehr Altersmedizin, bessere Notaufnahmen und eine engere Zusammenarbeit der drei Standorte. So wollen die Neu-Ulmer Kreiskliniken sich für die Zeit nach dem neuen Krankenhausstrukturgesetz fit machen.

Im Spannungsfeld zwischen Grundversorgung und Spezialisierungsdruck reiben sich die kommunalen Kliniken seit Jahren auf. Das von den Krankenhausträgern als ungerecht empfundene Fallpauschalen-Abrechnungssystem und die rückläufigen Investitionszuschüsse des Freistaats tun ihr Übriges. In vielen Landkreisen Bayerns sind die kommunalen Kliniken verlässliche Defizit-Bringer. Mit Millionen müssen die jeweiligen Landkreise den Betrieb ihrer Krankenhäuser stützen.

Nicht so im Kreis Neu-Ulm, wo die drei Krankenhausstandorte unter dem Dach der Kreisspitalstiftung arbeiten. Zwar weisen die Kliniken 2015 - erstmals seit Jahren - auch ein Defizit von 500.000 Euro aus, doch insgesamt sind sie solide finanziert. "Wir agieren aus einer Position der Stärke", sagte Landrat Thorsten Freudenberger, als er am Freitag zu einer Pressekonferenz zur Zukunft der Kliniken lud.

Seit einigen Monaten beschäftigt man sich im Landratsamt und bei der Kreisspitalstiftung mit der Struktur der Kliniken. CSU-Mann Freudenberger, der den Prozess angestoßen hatte, holte dafür die Hamburger Unternehmensberatung "North Medicon Institut" ins Boot. Deren Geschäftsführer Ralf Pinnau war schon vor zehn Jahren, bei der bislang letzten Reform der Kreiskliniken, als Berater dabei.

Pinnau hat gemeinsam mit den Direktoren und Führungskräften der Kreisspitalstiftung inzwischen den Ist-Stand erhoben. "Eine wahre Erfolgsgeschichte" haben die drei Krankenhäuser in den vergangenen Jahren hingelegt. Doch durch das neue Krankenhausstrukturgesetz und stark steigenden Patientenzahlen (30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) kommen auf die Kliniken neue Herausforderungen zu. "Wir schauen, wie die Kliniken durchhalten können, was Berlin sich ausgedacht hat", sagte Pinnau.

"Es gibt einige Ideen und Ansätze, die wir genauer anschauen", erklärte Stiftungsdirektor Michael Gaßner. Im Fokus dieser Überlegungen stehen derzeit die Notaufnahmen an den Klinikstandorten, die ausgebaut werden sollen, und die Altersmedizin, der schon aufgrund der demografischen Entwicklung eine bedeutende Rolle zufalle.

Wegen des neuen Krankenhausgesetzes, das im kommenden Januar verabschiedet werden soll, rechnet die Kreisspitalstiftung aber auch mit einem erneuten Konzentrations- und Spezialisierungsdruck. Die Krankenhausfinanzierung soll künftig mehr an Qualitätsstandards, aber auch an Mindestmengen und Größen aufgehängt werden. Eine Tatsache, die beispielsweise die Geburtsmedizin in der Illertalklinik gefährden könnte.

"Wir müssen noch mehr verinnerlichen, dass wir ein Krankenhaus mit drei Standorten sind", sagte Freudenberger. Ein erster Workshop der Kreisspitalstiftung mit den Beratern und den Fraktionsvorsitzenden und Krankenhausausschuss-Mitgliedern des Kreistags hat diese Richtung bestätigt. Freudenberger: "Alle sind sich einig, wir müssen was tun." Weitere Workshops werden folgen.

Die Krankenhäuser im Kreis Neu-Ulm

Struktur Die Kreisspitalstiftung betreibt im Landkreis Neu-Ulm drei Kliniken mit insgesamt 404 Betten, die zur Grund- und Regelversorgung zur Verfügung stehen. Die Donauklinik Neu-Ulm stellt mit 170 Betten die größte Kapazität. In der Stiftungsklinik Weißenhorn gibt es 160 Betten. Die Illertalklinik in Illertissen ist ein Haus mit 74 Betten und zusätzlichen 50 Betten für die geriatrische Rehabilitation.

Zahlen Die gesamte Kreisspitalstiftung beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter, die auf 743 Vollzeitstellen verteilt sind. 2014 wurden gut 23.000 Patienten in den drei Kliniken behandelt. Dieses Jahr werden es noch mehr sein. Insgesamt erwartet die Kreisspitalstiftung 2015 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro, was eine Steigerung zum Vorjahr wäre.

 

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