Jubiläum Nersingen feiert sein 875-jähriges Bestehen

Nersingen / Patrick Fauß 01.10.2018

Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1143 und die Gründung er Großgemeinde Nersingen mit seinen fünf Teilorten vor 40 Jahren: Das sei Anlass zum Feiern, sagte Bürgermeister Erich Winkler in der Gemeindehalle vor 400 geladenen Gästen. „Gemeinsinn“ war das Wort, das Winkler während seiner Rede besonders häufig wiederholte. Denn das gebe es in Nersingen – und das mache die Gemeinde aus. Die Schüler des Chors der Anton-Miller-Schule unterstrichen dies bei ihrem Auftritt in ihrem „Lied für Nersingen“.

Landrat Thorsten Freudenberger ist seit viereinhalb Jahren Nersinger, wohnt in Unterfahlheim. Er richtete den Blick in die Vergangenheit. Die Menschen hätten im Lauf der Jahrhunderte oft schlimme Schicksalsschläge zu überwinden gehabt. So betrug die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung im Mittelalter kaum mehr als 30 Jahre. „Mit Blick auf die Geschichte etwas dankbarer zu sein, täte allen gut“, sagte Freudenberger. Und erntete dafür lauten Applaus.

Festredner Ivo, Gönner, langjähriger Oberbürgermeister von Ulm, richtete einen allgemeineren Blick auf die Kommunen und die Herausforderungen der heutigen Zeit. Laut Bayerischer Verfassung baue sich die Demokratie von unten nach oben auf. Nicht „der stille Bürger“ sei ein guter Bürger. Sondern jener, der sich engagiere, betonte Gönner.

Die Kommunen in Deutschland stünden vor einem tiefgreifenden demographischen Wandel. Zwar sei die landesweite Geburtenrate jüngst von 1,5 auf 1,6  Kinder gestiegen. Um jedoch die  gegenwärtige Einwohnerzahl von bundesweit rund 80 Millionen aufrechtzuerhalten, müssten pro Familie eigentlich 2,3 Kinder geboren werden. Da dies wohl vorerst nicht in Aussicht ist, benötigten die Kinder bestmögliche Bildung, sagte Gönner. Das könne von den Familien allein jedoch nicht gewährleistet werden. Daher falle der Ganztagsschule – eine Aufgabe der Kommune – eine umso wichtigere Rolle zu.

„Demokratie lebt von Freiheit, von Gerechtigkeit“, betonte Ivo Gönner in seiner Rede. Er rief dazu auf, ein Lokalpatriot zu sein. Patriotismus fuße auf der „Liebe zu den Seinen“. Und bedeute außerdem, selbst eine Heimat zu haben und auch Fremden eine Heimat zu geben. Nationalismus dagegen sei letztlich vom Hass gegen andere geprägt.

Der in Nersingen geborene Professor Daniel Drascek von der Universität Regensburg breitete die historische Entwicklung der Gemeinde mit Hilfe von alten Landkarten und Lichtbildern aus. Auch Ereignisse der jüngsten Geschichte fehlten nicht. Etwa die Eröffnung der Diskothek „Black House“ im Jahr 1975. Damals „eine Attraktion“ im Ort. Mit einem Tanzabend am Samstag und weiteren Aktionen am Sonntag ging die Jubiläumsfeier weiter. „The Cash“ sorgten mit 1950er Rockabilly-Sound für beste Laune und tanzende Fans in der vollen Gemeindehalle. Ebenso wie die aus der Kärntener Partnergemeinde Reichenau stammende Schlagersängerin Melanie Payer, mit der sich die Lokalband abwechselte.

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