Warum ist der Donauwald besonders schützenswert?

Klaus Heinze: Er ist wertvoll, weil er ein Restbestand eines großen Urwaldes ist. Er ist besonders schön und reichhaltig an Tieren und Pflanzen. Es sollte vermieden werden, dass die einzigartige Tierwelt zu Tode verurteilt wird.

Welche Auswirkung hat eine Flutung auf die Tierwelt?

Die Schmetterlinge trifft es am Schlimmsten. Die Raupen der Nachtfalter leben oft am Boden, die Schmetterlingspuppen ruhen in der Moosschicht oder im Boden. Stehen sie mehrere Tage unter Wasser, sterben sie. Überleben sie es doch, schaffen die Falter nach dem Schlüpfen es nicht, den trockenen abgelagerten Schlamm zu durchdringen. Die Vögel, welche hauptsächlich Raupen fressen, finden deutlich weniger Nahrung. Fische und Kaulquappen schwimmen bei einer Überschwemmung aus den Teichen in den Wald. Zieht sich das Wasser zurück, sterben sie. Es ist ein stiller Tod für viel Leben im Auwald, die Tiere schreien nicht.

Ist der Auwald nicht an Überflutungen angepasst?

Bei uns gibt es Schmetterlingsarten im Donauwald, die es am Rhein beispielsweise nicht mehr gibt, weil sie dort durch die Überschwemmungen ausgestorben sind. Die Flutungen bringen dem Wald überhaupt nichts.

Steht der Naturschutz über dem Hochwasserschutz?

Ich bin kein fanatischer Naturschützer. Bevor Stadtteile überflutet werden, Existenzen kaputt gehen, bin ich der Letzte der sagt, dass der Wald nicht geflutet werden darf. Aber den Hebel dort anzusetzen, wo die Natur in Ordnung ist, sollte das letzte Mittel sein.

Bei extremem Hochwasser steht Wasser im Wald – auch ohne Polder.

Ich habe mich in dem Gutachten nur damit beschäftigt, was mit den Tieren passieren würde, wenn das Gebiet geflutet werden würde. Leichtfertige Probeflutungen wären eine Sünde gegen die Schöpfung.