Weißenhorn Nach Insolvenz: Investoren zufrieden mit Alu-Schmelzwerk Oetinger

Ein neuer Trommelofen zeugt vom neu aufflackernden Investitionsgeist im Weißenhorner Alu-Schmelzwerk.
Ein neuer Trommelofen zeugt vom neu aufflackernden Investitionsgeist im Weißenhorner Alu-Schmelzwerk. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Weißenhorn / REGINA FRANK 31.10.2014
Das Aluminium-Schmelzwerk Oetinger schreibt wieder schwarze Zahlen. Und es investiert wieder. In die Bauten, in die Anlagen. Die Investoren lassen der Geschäftsführung einigen Spielraum.

Das Aluminium-Schmelzwerk Oetinger schreibt wieder schwarze Zahlen. Die beiden Werke, die die Insolvenz überstanden, Weißenhorn und Neu-Ulm, liefern solide Ergebnisse. Begünstigt durch einen Markt, der nicht länger von Überkapazitäten geprägt ist. "Die Nachfrage ist wieder so groß wie die Produktion", berichtet der für das operative Geschäft verantwortliche Geschäftsführer Volker Heidtmann.

Die Alupreise an den Börsen steigen, somit auch die Preise für die Aluminium-Legierungen, die Oetinger aus Schrott herstellt. Und die großen Kunden haben großen Bedarf an dem Material - das Geschäft bei den Autoherstellern brummt. Daimler vermeldete gerade Bestmarken bei Absatz und Umsatz.

Es geht wieder aufwärts für das Schmelzwerk. Das zeigt sich nach außen hin etwa daran, dass das Dach der Schmelzhalle in Weißenhorn saniert wurde - das Projekt war wegen der Insolvenz im vergangenen Jahr gestoppt worden. Volumen: 700.000 Euro. Nun soll auch noch ein neues Vordach zwischen zwei Hallen gebaut werden, damit jener Platz, auf dem der Schrott gelagert wird, bevor er in die Öfen kommt, näher an diese heranrückt. Der Vorteil: kürzere Transportwege. Volumen: 150.000 Euro. Das Unternehmen wartet allerdings noch auf die Erteilung der Baugenehmigung, der Stadtrat erteilte dem Antrag bereits das Einvernehmen. Unlängst wurde eine weitere sechsstellige Investition getätigt und zwar in die Anlagen: Ein Trommelofen ist ersetzt worden, Kosten: 150.000 Euro.

Die Investoren sind mit der Entwicklung zufrieden, sagt Heidtmann. Das Unternehmen gehört seit vergangenem Jahr einem Investmentfonds namens SSVP, der von der Beteiligungsgesellschaft Orlando beraten wird. Sie ist spezialisiert auf den deutschen, produzierenden Mittelstand. Heidtmann: "Eine gute Heimat für Oetinger." Zumal das Aluschmelzwerk ein Stück weit freie Hand hat, was die Investitionen angeht und die Organisation. Bei letzterer seien Veränderungen vorgenommen worden, derart, dass das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt sei.

Die Auslastung ist so gut, dass zum Teil samstags gearbeitet werden muss. Dies bei einer Belegschaftsstärke, die jener vor der Insolvenz ungefähr entspricht. Oetinger beschäftigt in Weißenhorn und Neu-Ulm 290 Mitarbeiter, während der Turbulenzen vergangenes Jahr wurden 15 Stellen abgebaut. Heidtmann: "Die Werke blieben ziemlich unbeschadet."

Von der sich gerade abflachenden Konjunktur spürt das Schmelzwerk nichts. "Die Nachfrage ist solide", sagt Geschäftsführer Roland Keller. "Bei uns kommt die schlechte Stimmung noch nicht an, aber wir sind hellwach."

Aluminium flüssig und als Barren

Geschäftsführung Volker Heidtmann ist Ende 2013 als dritter Geschäftsführer ins Unternehmen geholt worden - mit der Übernahme von Oetinger aus der Insolvenz. Er ist für Produktion und Technik verantwortlich. Die bisherigen Geschäftsführer Roland Keller (Metalleinkauf, Vertrieb) und Uwe Baur (Finanzen) wurden damit entlastet.

Insolvenz Vergangenes Jahr war das Umfeld für Oetinger sehr schwierig gewesen: Auf dem Aluminiummarkt gab es große Überkapazitäten, die Margen gerieten unter Druck. Die Oetinger-Werke in Berlin, Hannover und Gorcy (Frankreich) schrieben Verluste. Im Juni 2013 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die Standorte Hannover und Berlin wurden geschlossen, Gorcy wurde abgespalten.

Legierungen Die Alu-Legierungen finden überwiegend Anwendung in der Autoindustrie und bei deren Zulieferern, wo daraus Motorteile gefertigt werden, Zylinderköpfe und Kurbelgehäuse. Oetinger stellt die Legierungen in flüssiger Form und als Barren her.

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