Vereine Nach 150 Jahren: Neustart mit Projektchor

Holzheim / Patrick Fauß 11.07.2018
Mit einem Projektchor hat der der MGV Holzheim anlässlich seiner 150-Jahrfeier zum Sprung in Zukunft angesetzt.

Mein lieber Herr Gesangsverein! Dieser Ausruf ist im 19. Jahrhundert geprägt worden. Damals war es gang und gäbe, dass der Gatte einmal die Woche mit Kameraden, meist im Wirtshaus, der Sangeslust frönte. Heute sind solche Chöre selten geworden. Umso beeindruckender, dass der Männergesangsverein Holzheim sein 150-jähriges Jubiläum dazu genutzt hat, um neu durchzustarten.

Fürs Jubelkonzert mit 230 Besuchern in der überfüllten TSV-Halle hatte der Verein einen Projektchor gebildet. 40 Sänger heimsten unter anderem mit „Liedern aus dem Schulbuch“, wie Vereinsvorsitzender Horst Weber es nannte, viel Applaus ein. „Lindenbaum“ oder „Wahre Freundschaft“. Aber auch neuere Kompositionen wie „Manchmal möchte ich schon mit dir“ von Peter Kraus. Oder den Bierzelt-Klassiker „Sierra Madre“.

Noch vor kaum mehr als einem Jahr hatte es jedoch gar nicht gut um den Chor gestanden. Gerade mal 15 Stimmen zählte das Register noch. Das Fortbestehen des Traditionsvereins stand auf der Kippe. Zwar erschienen die Sänger meist zuverlässig zu Proben und zu Auftritten. Andererseits waren manche Mitglieder auch schon älter und mussten irgendwann ihr Hobby aufgeben.

Mit dem Aufruf zum Projektchor im vergangen Jahr kam die Wende. „Ich hoffe, dass so zehn Mitglieder hängen bleiben“, sagt Dirigent Rainer Lippert. Dann würde der Chor mit der für heutige Verhältnisse stattlichen Zahl von 25 Sängern in die Zukunft gehen. Die weitern Projektchormitglieder stammen von der Chorgemeinschaft „Sängertreu“ Neu-Ulm, wo der 74-jährige Lippert seit 40 Jahren Mitglied und stellvertretender Chorleiter ist. Beim Jubiläumskonzert bekam der Neu-Ulmer Verein viel Applaus für seine Volkslieder. Ebenso die Chorgemeinschaft Roth-Berg, Patenverein des Holzheimer MGV.

Gemeinderäte machen mit

In Holzheim ist der passionierte Sänger Lippert seit 36 Jahren Dirigent. „Ich hatte gesagt, ich mache es, bis ihr einen anderen findet.“ Dass Lippert geblieben ist, kann als Glücksfall gesehen werden. Denn die Zusammenarbeit der Holzheimer mit den Neu-Ulmer Sängern hat wohl beiden Vereinen viel genutzt. Daneben haben sich gesanglich bislang kaum in Erscheinung getretene Holzheimer, auch Gemeinderäte, von der Aufbruchsstimmung mitreißen lassen und sich dem Männerchor angeschlossen.

Dass wichtige Personen aus dem Dorfleben beim MGV sind, hat übrigens Tradition. Als erster Vorsitzender ist Dorfarzt Dr. Radwansky überliefert. Der habe an einem Sonntagabend Gesang aus dem Gasthaus „Post“ gehört. Und dann mit zehn Mitstreitern 1868 den MGV gegründet. Bis 1914 wechselte dann mit jedem neuen Dorfarzt auch der Vereinsvorsitz: Dr. Dycker, Dr. Mädl, Dr. Enders folgten. Den Posten des Dirigenten übernahm in den Anfangsjahren stets der Dorflehrer. Erst 1929 endete auch diese Tradition.

Nachdem die Nationalsozialisten die Vereinstätigkeit 1939 verboten hatten, nahmen die Sänger 1948 den Faden wieder auf. 1968 wurde mit 50 Sängern das 100-jährige Bestehen des Vereins in einem Festzelt am Ortsrand gefeiert. 1980 war die Zahl der Sänger eingebrochen. Noch 23 Stimmen sangen im MGV. 1998 waren es nur noch 16. Im Mai 2017 wurde dann beschlossen, den Projektchor aufzubauen. Und das Jubiläum mit einem Festkonzert in der TSV-Halle groß zu feiern.

Treu zum Verein seit einem halben Jahrhundert

Ehrung Für 50 Jahre Chorsingen bekamen Eugen Steinruck und Horst Weber die Ehrennadel des Chorverbandes Bayerisch-Schwaben verliehen (Foto). Der MGV ehrte außerdem Adolf Frank, Heinz Schmidt, Helmut Kölle, Alois Schmittler, Rupert Kurz und Heinrich Lang für 50 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Zudem gab’s eine Ehrung für Albert Mayer für 40 Jahre.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel