Holzheim/Neuhausen Muss der Jugendtreff verschwinden?

Das Holzheimer Bauwagenteam will seinen Treff behalten (von links): Dominik Gavranaj, Lukas Gürtler, Oliver Geprägs, Markus Vögtle und Micaela Bocka neben ihrem Anhänger am Kellerberg. Foto: Patrick Fauß
Das Holzheimer Bauwagenteam will seinen Treff behalten (von links): Dominik Gavranaj, Lukas Gürtler, Oliver Geprägs, Markus Vögtle und Micaela Bocka neben ihrem Anhänger am Kellerberg. Foto: Patrick Fauß
Holzheim/Neuhausen / PATRICK FAUSS 29.08.2013
Das Landratsamt in Neu-Ulm will einen Bauwagentreff auf dem Kellerberg bei Holzheim schließen. Jugendliche haben Unterschriften zum Erhalt gesammelt - weil es keine Alternative zu dem Treff gebe.

Viele kennen den Kellerberg genannten Hügel zwischen Holzheim und dem Neu-Ulmer Stadtteil Finningen als ehemaligen Festplatz. Die Schützenkapelle hatte dort bis vor wenigen Jahren ihr Vatertags-Waldfest gefeiert. Seit acht Jahren steht dort ein Bauwagen, der Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern als selbstverwalteter Treffpunkt dient.

Das könnte sich nun ändern. Denn Landwirt Rudi Joas, der den Jugendlichen das Wiesenstück zur Verfügung gestellt hat, hat jüngst Post vom Landratsamt bekommen. Für den Anhänger liege keine Baugenehmigung vor. Der Treffpunkt müsse daher geschlossen werden.

"Früher haben wir uns am Spielplatz getroffen, aber da wurden wir von der Gemeinde verwiesen", berichtet Lukas Gürtler (16), einer der sieben Jugendlichen vom "Bauwagen Holzheim". Vor drei Jahren hatten die 16- bis 19-Jährigen auf dem Kellerberg den Bauwagen von der Vorgänger-Generation übernommen. Weil dort immer wieder eingebrochen worden war, besorgte man sich einen Kühlanhänger.

Die Jugendlichen haben Luken eingebaut und den soliden Wagen mit Bar, Sofas und einer Musikanlage wohnlich gemacht. "Viele Narben", zahlreiche Arbeitsstunden und auch einige tausend Euro hat der nun einigermaßen einbruchsichere Treff gekostet. "Im Dorf gibt es sonst nichts, wo man als Jugendlicher hingehen kann", sagt Micaela Bocka (40). Ihr 16-jähriger Sohn Luis gehört ebenfalls zum Buden-Team. Ihrer Meinung nach sind die Jugendlichen dort gut aufgehoben. Sollte doch mal etwas schiefgehen: Drei der sieben Jugendlichen sind Mitglieder in Feuerwehren und haben Erste-Hilfe-Ausbildungen.

Ärger mit Anwohnern habe es auf dem abgelegenen Gelände nur einmal gegeben. Vor etwa einem Jahr war während einer Party die Polizei wegen Lärmbelästigung gerufen worden. Die Beamten prüften, ob man aus Richtung Neuhausen Lärm hören konnte. Im Bauwagen wurde ein Fenster geschlossen, dann konnte die Fete weitergehen.

Auf einer Unterschriftenliste, die die Jugendlichen in einer Bäckerei ausgelegt hatten, trugen sich innerhalb weniger Tage 110 Unterstützer ein. "Kinder bis 13 dürfen ihre Zeit auf dem Spielplatz verbringen, was kommt danach?", lautete die Frage auf dem Unterschriftenbogen. "Möglicherweise liegt es am Vordach", mutmaßt Dominik Gavranaj (18) als Grund für die Ablehnung. Das hatten die Vorgänger errichtet. Steinplatten, die um den Grillplatz verlegt waren, haben die Jugendlichen bereits abgetragen. Was nötig sei, um den Treff zu erhalten, das wollen sie tun.

"Bauwagen im Außenbereich sind nicht genehmigungsfähig", sagt Rudolf Hartberger, Kreisbaumeister im Landratsamt, auf Nachfrage. Man suche aber nicht gezielt nach solchen Treffs. 2012 sei die Behörde aber durch die Polizei auf den Platz aufmerksam geworden. In jüngster Zeit sei es an Bauwagentreffs wiederholt zu gefährlichen Situationen, etwa mit Lagerfeuer und Heizungen, gekommen. Bei Kenntnis solcher Treffs müsse das Landratsamt deshalb tätig werden.

"Die Jugendlichen haben hier immer alles selbst geregelt", betont Mutter Micaela Bocka. Es stelle sich auch die Frage, wo die nächste Generation denn hin soll.

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