Die Gemeinde Nersingen hat einen neuen Verein. Acht Musiker haben sich von den "Schalmeien" der Büttelzunft getrennt und sich mit den "RocknRoller Furzkanona" selbstständig gemacht. Auslöser für die Abspaltung waren unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft der Faschingsmusik. Während die Büttelzunft weiterhin auf die traditionellen "Schalmeien" setzt, möchten die "Furzkanona" Guggenmusik anbieten.

"Wir spielten immer die gleichen Lieder, und die Schalmei war für uns keine Herausforderung mehr", sagt der Vorsitzende des neuen Vereins, Christoph Jergon. Die Idee dazu habe es schon länger gegeben. "Eine Schalmei bringt praktisch nur einen Ton raus", erklärt er. Die Variation erfolge nur über die Tasten des Instruments. "Man spielt nicht nach Noten, sondern nach Zahlen."

Neben der fehlenden Vielfalt bemängelt der Vereinschef auch die Lautstärke des Instruments. Die "Schalmeien" hatten vor geraumer Zeit einen Auftritt in der Schweiz - vor 2000 Zuschauern in einem Flugzeughangar. In der Mitte der Halle habe man die Nersinger aber nicht mehr gehört. "Wir wollen laut sein und Stimmung machen, und das geht mit den Schalmeien nur sehr schwer", betont Jergon.

Vor der Trennung sei man auf den Vorstand der Büttelzunft zugegangen, mit dem Ziel, eine Guggenmusik-Abteilung aufzubauen. Die Abteilungsleitung und der Vorstand hatten dies aber laut Jergon mit der Begründung abgelehnt, dass die Büttelzunft das finanziell nicht tragen könne. "Konkret ging es um 3000 Euro. Und da wir keine Sponsoren haben, können wir uns das nicht leisten", bestätigt Büttelzunft-Vorsitzender Olaf Schwarz auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE. Schließlich habe die Zunft auch andere Abteilungen wie die Prinzen- und Jugendgarde, die auch Geld benötigten. Außerdem seien die Guggenmusiker gar nicht sofort spielbereit, da sie neue Instrumente von Grund auf lernen müssten.

In der Tat: "Wir lernen Trompete und Posaune", sagt Jergon. Geprobt wird jeden Dienstag von 20 Uhr an in der Gemeindehalle Nersingen. "Momentan üben wir die richtige Atemtechnik und die Tonleiter", ergänzt Gründungsmitglied Vicci Hesse. Das sei ungleich schwerer zu erlernen als die Musik bei den "Schalmeien". Unterstützung bekommt die junge Musikgruppe von einem befreundeten Trompeter, der den Guggenmusikern regelmäßig Nachhilfe gibt.

Derzeit besteht die neue Combo, die im Juni in das Vereinsregister eingetragen wurde, aus neun Mitgliedern. Und die haben ehrgeizige Ziele: "Wir möchten bis zur Faschingssaison 2015/16 ein umfangreiches Programm und 20 aktive Mitglieder haben", sagt Jergon. Vereinslogo und Farben werden noch entwickelt, das Repertoire soll neben klassischen Karnevalsliedern auch aktuelle Hits umfassen.

Bürgermeister Erich Winkler will die neue Gruppe unterstützen. Da der örtliche Musikverein nun nicht mehr in der Gemeindehalle probt, können seit September die angehenden Guggenmusiker die Räumlichkeiten nutzen. "Ich freue mich darüber, dass man in der Gemeinde was komplett Neues aufbauen möchte", sagt der Rathauschef.

Jergon betont, dass ihre Truppe die "Schalmeien" nicht im Streit verlassen habe. Die Guggenmusiker haben sogar schon von Büttelzunft-Chef Schwarz eine Zusage für einen Auftritt erhalten. Und dafür könnten sie durchaus noch Verstärkung gebrauchen. Interessierte können sich bei Christoph Jergon informieren unter Tel. (0151) 41 82 17 00. Außerdem haben die "Furzkanona" eine Seite auf Facebook.