Tradition Mundartdichter wollen schwäbische Wurzeln bewahren

Maria Störk ist  Gildemeisterin.
Maria Störk ist Gildemeisterin. © Foto: Claudia Schäfer
Kreis Neu-Ulm / Von Claudia Schäfer 10.05.2017

Oifach hoimelig“ ist der Klang der schwäbischen Muttersprache, findet Maria Störk. Seit drei Jahren ist sie Gildemeisterin der Matzenhofer Schwabengilde, in der derzeit 83 Mitglieder „schwäbisch schwätzat, singat und dichtat“, um die „regionalen Wurzeln zu bewahren“, wie Störk sagt. Eine wichtige Aufgabe, denn anders als etwa Oberbayern leben und pflegen die Schwaben ihre Mundart wenig selbstbewusst.

Das hatte vor 40 Jahren schon Gründervater Heinrich Finkele bemerkt. Wer seinen Dialekt als Sprache der Kunst pflege, tue dies oft nur im stillen Kämmerlein, klagte Finkele: „Stumpf geworden ist die Kraft des schwäbischen Wortes.“ Finkele steuerte dagegen, nutzte die Kolumne einer Illertisser Wochenzeitung, unter dem Titel „Dr Buachfink erzählt“, um Geschichten und Gedichte aus dem schwäbischen Alltag an die Leser zu bringen. Weil auch andere wortgewaltige Schwaben die Möglichkeit nutzen, ihre Werke zu veröffentlichen, war der Weg zur Gründung eines Vereins zur Förderung  der schwäbischen Mundart nicht weit.

Als Namensgeber der Gilde diente Matzenhofen, der alte Wallfahrtsort im südlichen Kreis Neu-Ulm, mit Kirche und Gastwirtschaft, „eingebettet in urschwäbisches Land“, wie Finkele schrieb. Hier wurde am 26. November 1977 von 13 Gründungsmitgliedern die „Matzenhofer Schwabengilde“ aus der Taufe gehoben. Unter den Gründern war der spätere Bundesfinanzminister Theo Waigel, der am kommenden Freitag als Ehrengast bei der Jubiläumsfeier dabei sein wird.

Seither huldigt die Gilde in Veröffentlichungen, bei Poetentreffen und Veranstaltungen, Theatervorführungen und Hoigarta dem Schwäbischen, der laut Gründervater Finkele „guten und herzhaften Sprache in all ihren Verästelungen, mit all ihrer Grobheit und Herzlichkeit“. Enger Kontakt besteht zu anderen Mundartvereinen. Diese Zusammenarbeit soll noch enger werden, sagt Gildemeisterin Maria Störk. Besonders, wenn es darum geht, junge Menschen anzusprechen durch einen schwäbischen Poetry Slam oder einen Nachwuchsförderpreis.

Dass sich junge Leute mitunter für den schwäbischen Einschlag in ihrem Hochdeutsch schämen, macht Störk traurig. Denn für sie ist Hochdeutsch einfach „steriler“, Schwäbisch dagegen gefühlvoller und ausdrucksstarker. Und damit durchaus tauglich, „abseits von Hackbrett und Zither“ in der Kunst zu bestehen. Für die Kulturnacht in Laupheim etwa habe sie die Rockballade „Dust in Wind“ ins Schwäbische übersetzt und damit einen Volltreffer beim Publikum gelandet.

Auch in Zukunft möchte die Matzenhofer Schwabengilde schwäbischen Mundartkünstlern eine Plattform bieten. Auf den Festakt am Freitag im Weißenhorner Stadttheater mit geladenen Gästen folgt am 9. Juli ein Poetentreffen in Illertissen. Bereits am 18. Juni wird in Matzenhofen der „Poetenweg“ der Gilde eingeweiht. Dann werden zehn Tafeln mit immer wieder neuen Gedichten von Gildemitgliedern Spaziergänger auf ihrem Weg unterhalb der Wallfahrtskirche begleiten.

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