Kreis Neu-Ulm / MICHAEL JANJANIN 423 000 Euro netto wird eine Brandschutz-Nachrüstung des Weißenhorner Müllkraftwerks kosten. Kreisräte und -verwaltung sind sauer auf den Tüv.

Jahr für Jahr von einem Tüv-Sachverständigen geprüft - und doch sind sie nicht zulässig. Brandschutzklappen an dem Müllheizkraftwerk in Weißenhorn. Darüber hat die Werkleitung des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs in der gestrigen Sitzung des Umwelt- und Werkausschusses informiert. 77 dieser insgesamt 86 Klappen müssen komplett ausgetauscht werden. Mit Planung und Ausführung wird dies 423 000 Euro kosten. Eine Nachrüstung sei nicht sinnvoll: Dies sei aufwendig, außerdem würde dieser bauliche Teil aufgrund der "erheblichen technischen Veränderung" die Zulassung verlieren. 135 000 Euro sind für Reparaturen an den Klappen im Bereich der Lüftungs- und Klimaanlagentechnik bisher in den Haushalt eingestellt. Der ungedeckte Restbetrag könne über Einsparungen an anderer Stelle finanziert werden. Die Kreisräte stimmten dem Ersatz der Klappen zähneknirschend zu.

Den Reigen der Kritik eröffnete Ansgar Batzner (Freie Wähler) mit der Frage, ob denn 80 000 Euro für das betreuende Ingenieurbüro nicht etwas zu viel sei. "Dafür, dass sie drei bis vier Seiten schreiben und hinterher die Abnahme machen." Das wolle nicht in seinen "Nicht-Ingenieur-Kopf" rein. Werkleiter Thomas Moritz erklärte, das Büro mache auch die Planung. Der Umfang sei recht groß, außerdem sei die Honorarordnung sehr starr in dieser Hinsicht.

Peter Ehrenberg (Bündnis 90/Die Grünen) legte nach: "In meinen Ingenieurs-Kopf geht nicht rein, dass diese Teile von einem Sachverständigen seit Jahr und Tag regelmäßig untersucht wurden." Der Landkreis gebe viel Geld für Revisionen und Prüfungen der Anlage aus. "Da müssten wir von dem Mann das Lehrgeld wieder zurückverlangen." Ob denn der Tüv hierzu schon Stellung bezogen habe?

Werkleiter Moritz bestätigte Ehrenbergs Vermutung, dass es einen Wechsel bei den Tüv-Prüfern gegeben habe. "Der frühere Mann ist nun im Ruhestand." Und der neue Prüfer nehme nur dazu Stellung, was seine Tätigkeit angeht. Hermann Geiger (SPD) widerstrebte es, angesichts der Kosten nun einfach zur Tagesordnung überzugehen. "Wir sind alle gläubig, wenn es um Gutachten und Sachverständige geht." Dieses Vertrauen ist nun doch einigermaßen erschüttert, "zudem haben wir dafür 20 Jahre lang bezahlt". Es handle sich schließlich um relevante Sicherheitsfragen bei einer nicht unbedeutenden Anlage. "Die Bevölkerung muss sich doch auf die Aussagen der Fachleute verlassen können." Batzner schlug vor zu prüfen, ob hier nicht finanzielle Anspruch geltend gemacht werden könnten.

Landrat Erich Josef Geßner sprach sich dafür aus, der Tüv-Zentrale einen geharnischten Brief zu schreiben und auf eine Antwort der Führungsebene zu pochen. Denn er teile die Kritik. "Dies sollten wir möglichst tun, bevor wir mit den Ausschreibungen beginnen. Wir wollen doch sehen, wie die Antwort ausfällt."