Entsorgung Müllofen-Abgase sollen weit fliegen

Weißenhorn / Niko Dirner 06.07.2018

Das Weißenhorner Müllheizkraftwerk, dessen Bau jahrelang vehement bekämpft worden ist, wird weiter kritisch begleitet. Das wurde im Werkausschuss des Neu-Ulmer Kreistages deutlich, als eine erste formale Zustimmung für den Einbau von Wärmetauschern in die Kamine gefragt war. Damit könnte Wärme im Umfang von 1300 Megawatt ausgekoppelt werden. Es ging um den Start ins Genehmigungsverfahren. 410 000 Euro würden dafür fällig, führte Werkleiter Thomas Moritz aus, ein Zuschuss sei möglich, im ersten Halbjahr 2019 könnte der Einbau erfolgen. Alles schien unkompliziert.

Dann aber meldeten sich die Weißenhorner Vertreter im Gremium mit großen Bedenken zu Wort. Allen voran Jürgen Bischof (Freie Wähler), der darauf hinwies, was es bedeutet, wenn dem Rauchgas 35 Grad entzogen wird, es also von 145 auf 110 Grad abgekühlt wird: Das Gas steigt nicht mehr so weit hoch, verteilt sich also weniger weit in der Gegend. „Ich will wissen: Wie ist ist die Veränderung der Schadstoffbelastung in Weißenhorn. Sprechen wir von 1 Prozent mehr, von 10 Prozent oder von 50 Prozent.“ Das sei ein Thema, dass in der Stadt schon interessiere.

Die Emissionen, also der Schadstoffausstoß, verändere sich ja nicht durch den vor den beiden Kaminen vorgesehenen Wärmetauscher, konkretisierte Herbert Richter (SPD). Wohl aber die Immission, also die Einwirkung auf den Mensch und die Umwelt. Eine neue Ausbreitungsrechnung sei notwendig.

Moritz verwies darauf, dass die 110 Grad Abgastemperatur immer schon Basis aller Genehmigungen und Gutachten waren und sind. Eine Ausbreitungsrechnung für die bestehenden 145 Grad sei „relativ teuer“. Alternativ könnte der Abfallwirtschaftsbetrieb eine „einfache Betrachtung“ erstellen. Die Zeit dränge etwas, da bis Jahresende der Zuschussantrag gestellt werden müsse. Landrat Thorsten Freudenberger sagte angesäuert, offenbar müsse der Werkausschuss erst eine „Grundsatzdebatte“ darüber führen, ob sich die von dem Müllkraftwerk ausgehenden Immissionen gar nicht ändern dürfen, auch nicht, wenn trotzdem alle Grenzwerte weit unterschritten werden.

Andere meinten sogar, 110 oder 145 Grad, das spiele doch kaum eine Rolle. „Durch die Maßnahme wird die Belastung für Weißenhorn um ein Muggaseggele höher“, sagte etwa Peter Ehrenberg (Grüne). Die Zusammensetzung des Mülls sowie Wind und Wetter beeinflussten die Ausbreitung der Abgase doch auch,  meinte Richard Ambs, (CSU)„Wir debattieren um des Kaisers Bart.“ Entscheidend sei, dass sich die Emissionen nicht erhöhen.

Infos für Abwägung fehlen

Letztlich waren alle dafür, dass Genehmigungs- und Vergabeverfahren gestartet werden dürfen. Um den Kritikern entgegenzukommen, wurde im Beschluss der Satz gestrichen, dass der Umwelt- und Werkausschuss mit dem Einbau der Rauchgas-Wärmetauscher einverstanden ist.

Das soll in der Sitzung am 2. Oktober nachgeholt werden. Dann sollen zusätzliche Zahlen vorliegen und möglicherweise spricht ein Experte des Landesumweltamtes. Bischof: „Es geht nicht darum, das zu verhindern. Aber um es abwägen zu können, brauche ich alle Informationen.“

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