Energie Müllabgasen wird Wärme entzogen

Weißenhorn / Niko Dirner 04.10.2018

Ins Müllheizkraftwerk Weißenhorn werden Wärmetauscher eingebaut, um das 140 Grad heiße Rauchgas auf 100 Grad abzukühlen. Die abgezapfte Energie, 1400 Megawatt, wird ins neue Fernwärmenetz geleitet. Dem hat der Kreis-Werkausschuss mehrheitlich zugestimmt. Zuvor hatten die Gegner für eine rege Diskussion gesorgt.

Allen voran formulierte Jürgen Bischof (FWG) massive Bedenken. Er räumte ein, dass sich die Schadstoff-Emissionen im Prozent- oder Promillbereich verändern werden. Beim Dioxin etwa erhöht sich der Anteil an der Gesamtbelastung von 0,14 auf 0,18 Prozent; wobei der Grenzwert weiterhin nur zu 43 Prozent erreicht wird. Man könnte aber auch sagen, meinte Bischof, dass 25 Prozent mehr der potentiell krebserregenden Stoffe bei den Bürgern ankommen; in selbem Umfang steige das Risiko, krank zu werden. Das sei für Weißenhorn „eine Verschlechterung“. Herbert Richter (SPD) ergänzte: Die zusätzlichen Emissionen kämen ja zu den Fahrzeug- und Industrieabgasen dazu. In Summe könnten lokal die Grenzwerte überschritten werden. Er, der sich „überwiegend“ in der „Abgasfahne“ des Müllkraftwerks aufhalte, komme zu dieser Einschätzung.

Heizöl-Verbrauch sinkt

Andere hielten dagegen, etwa Ansgar Batzner (CSU): Der Ausstoß von Dioxinen oder Furanen etwa verändere sich „im Bereich von Messfehlern“. Für die Wärmeauskoppelung spreche, dass dank der Fernwärme pro Jahr etwa 900 000 Liter Heizöl weniger in Weißenhorn verbrannt werden müssen. Dadurch werde die Luft vor Ort mit rund einer Tonne Kohlenmonoxid und rund 2,2 Tonnen Stickstoffoxiden pro Jahr weniger belastet. Die meisten Dioxine würden bei der Stahl- oder Aluminiumverwertung freigesetzt. Bekanntlich gibt es in Weißenhorn ein Schmelzwerk.

Auch der Verkehr von der A 7 sowie die privaten Kaminöfen beeinflussen die Luftqualität, ergänzte Landrat Thorsten Freudenberger. Richard Ambs (CSU) forderte Bischof und Richter auf, kein „Horrorszenario“ zu konstruieren. Die Schadstoffe in der Weißenhorner Luft würden mit der Wärmeauskopplung sogar minimiert. Peter Ehrenberg (Grüne) mahnte an, kein „Drama“ aus dem Umbau zu machen, seit Jahren und auch künftig würden alle Grenzwerte deutlich unterschritten. So schreibt der Tüv: „Der Eintrag an luftverunreinigenden Stoffen in die Umwelt [...] an sich bleibt unverändert.“

Die Wärmetauscher sollen im kommenden Jahr eingebaut werden. Gerechnet wird mit Kosten von rund 420 000 Euro, möglicherweise gibt es Fördermittel der KfW-Bank.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel