Konflikt Mountainbiker: Im Vöhringer Wald droht Ärger

Oft auf den Pfaden in der Vöhringer Halde unterwegs: Markus Harzenetter auf seinem Mountainbike. 
Oft auf den Pfaden in der Vöhringer Halde unterwegs: Markus Harzenetter auf seinem Mountainbike.  © Foto: Matthias Kessler
Vöhringen / Stefan Czernin 15.12.2018
Abseits der Wege die Abhänge hinunter: Weil einige Biker rücksichtslos im Wald unterwegs sind, sind die Besitzer sauer.

Markus Harzenetter fährt seit vielen Jahren Mountainbike. Er ist Lehrer an der Vöhringer Mittelschule, leitet dort eine Bike-AG. Zwei, drei Mal in der Woche zieht es ihn raus auf die Wege und Pfade in der Halde östlich von Vöhringen. „Bis vor zwei Jahren gab es keine Probleme“, berichtet der 60-Jährige. Seitdem wurden er und andere Mountainbiker vermehrt von Waldbesitzern angesprochen.

Es geht um Schäden in Schonungen, angelegte Rampen und Sprünge im Waldgebiet. „95 Prozent der Biker verhalten sich korrekt“, sagt Harzenetter. Aber es gebe „ein paar Wilde“, die sich ihre Abfahrten abseits der Wege und Pfade im Gelände suchen. Zudem habe die Zahl der Biker zugenommen – was unter anderem am Trend zu E-Mountainbikes liege. Das Verhältnis zwischen Radlern und Waldbesitzern ist jedenfalls gestört.

Das soll jedoch kein Dauerzustand werden. Zahlreiche Halde-­Biker haben sich in einer lockeren Initiative zusammengefunden, um wieder zu einem guten Miteinander zwischen Sportlern und Waldbesitzern zu kommen. Zu einem ersten Treffen am 7. November im Sportpark Vöhringen waren 45 Teilnehmer gekommen, um die Probleme zu besprechen. Rechtlich sei das Radfahren in bayerischen Wäldern sowohl auf Wegen als auch – anders als im benachbarten Baden-Württemberg – auf schmalen Pfaden erlaubt, so Harzenetter.

Fünf Regeln sollen nun die angespannte Lage in der Vöhringer Halde bereinigen:
1. Fahre nur auf Wegen und Pfaden.
2. Hinterlasse keine Spuren.
3. Schone Pflanzenbewuchs.
4. Nimm Rücksicht auf Tiere.
5. Respektiere andere Naturnutzer.

Es ist geplant, diese beim Sportpark-Treffen entstandene Selbstverpflichtung auf Tafeln an den Zugängen zur Halde anzubringen. „Die Halde ist ein Juwel, das wir erhalten müssen“, betont Harzenetter.

Aber das ist nicht der einzige Vorstoß, den die Freizeitsportler unternommen haben. Es folgte ein weiteres Treffen, diesmal mit dem Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft. Und eine Waldbegehung mit einem Waldbesitzer, der sich auf Anfrage unserer Zeitung jedoch nicht persönlich zu den Problemen mit den Mountainbikern äußern wollte. Aus dem Umfeld der Waldbesitzer werden die bereits genannten Schäden und teils auch ein rücksichtsloses Verhalten einzelner Radfahrer in der Vöhringer Halde beklagt.

Die Waldbesitzer betrachten die Initiative bislang zurückhaltend bis skeptisch. Es gibt jedoch Signale für eine Entspannung: Immerhin hat der genannte Besitzer nach der Begehung zugesagt,  die Situation ein Jahr lang weiter zu beobachten. Zuvor hatte er schon angedroht, Pfade mit Felsbrocken zu blockieren.

Auch im Vöhringer Stadtrat waren die Mountainbiker in der Halde schon zwei Mal Thema. SPD-Rat Roland Bader – selbst Hobbyradfahrer – brachte die Probleme zur Sprache. Der SPD-Ortsverein setzt sich dafür ein, dass die Stadt „geeignete Flächen ausweist, wo Biker ungestört und unbehelligt ihrem Hobby nachgehen können“. Am 3. Dezember gab es dazu ein Treffen mit Bürgermeister Karl Janson, an dem neben Bader und Harzenetter unter anderem auch Vertreter von Sportvereinen teilnahmen.

Abfahrt mit Sprüngen

Markus Harzenetter würde eine angelegte Abfahrt mit „Sprüngen und ein paar Kurven“ begrüßen. „Aber kein Park.“ Diese Abfahrt könnte diejenigen Biker kanalisieren, die ansonsten wild durchs Gelände rauschen. Eine Standort-Idee, die derzeit in  Biker-Kreisen kursiert, ist entlang der LEW-Stromtrasse. „Dort müssen die Bäume sowieso regelmäßig zurückgeschnitten werden.“

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Streit gab es auch in Blaustein, nun gibt es einen Trail

Eigeninitiative 800 Meter legale, abwechslungsreiche Mountainbike-Strecke: Der Trail im Steinbruch Schammental bei Blaustein wurde Ende April 2016 offiziell freigegeben. „Bisher gab es nur illegale Sachen. Das ist der erste legale Trail in der Umgebung“, sagte damals ein junger Biker. Von August 2014 an bauten gut 40 Radsportbegeisterte an der Strecke im Steinbruch.Gemeinsam mit der 1700 Mitglieder zählenden DAV-Sektion des SSV Ulm wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet.

Naturschutz Der Ausgangspunkt für das Projekt war ein Konflikt. In diesem Fall zwischen Naturschützern und Mountainbikern, die im Kleinen Lautertal unterwegs waren. Im Naturschutzgebiet waren die Fahrradsportler ungern gesehen, zumal sie oft unerlaubterweise auf schmalen Wegen unterwegs waren und dort einen illegalen Trail gebaut hatten.

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