Kirche Morscher Dachstuhl, Risse im Mauerwerk

Sonja Fiedler 03.07.2018

Über 400 Jahre alt ist Mariä Verkündigung in Wullenstetten. Nun muss die Kirche saniert werden, und zwar möglichst bald, sagt Kirchenpflegerin Monika Simon. „Mein Wunsch wäre, dass es möglich zügig ginge.“

Schon 2013 wurden bei einer Standsicherheitsprüfung des Diözesan-Bauamts aus Augsburg drastische Mängel festgestellt, berichtete Simon. Der Hügel, auf dem die Kirche steht, drohte abzurutschen, da die Sandschicht im Boden nachgab. „Das Problem war schon seit den 1990er Jahren bekannt, damals war aber der Aufwand zu groß.“ 2014 ermöglichten neue Technologien eine „relativ einfache“ Lösung, man habe Kegel aus schnellbindendem Beton waagerecht in den Hügel eingeführt. „Das Gewicht ruht jetzt auf den Kegeln.“

Doch die Prüfung der Diözese habe noch mehr Schäden offenbart, sagt Simon: „Das Hauptproblem liegt im Dachstuhl.“ In den Originaldachstuhl aus dem 17. Jahrhundert sei Nässe eingedrungen, die Balken seien beschädigt und nicht mehr vollständig belastbar. Die Folge seien unter anderem sichtbare Risse im Mauerwerk. „Doch es hilft nichts, diese offenkundigen Risse einfach zu reparieren“, sagt Simon. Die Schwachstelle sitze im Gebälk. Auch die Dachplatten der Kirche sollten ersetzt werden. Wie alt diese sind, lässt sich der Kirchenchronik nicht entnehmen.

Holz arbeitet gegen Stein

Seit einigen Jahren gesperrt ist die untere Empore (Baujahr 1610), die zweite Empore dürfe aktuell nur der Organist betreten. „Das ist eine Anordnung aus Augsburg“, sagt Simon. Der Grund: Der massive Holzunterbau für die dortigen Sitzbänke müsse verstärkt werden, die Sicherheit sei nicht gewährleistet. „Da ist Holz auf Stein verbaut, es arbeiten unterschiedliche Materialien gegeneinander.“ Obendrein: Die von der Heizung mit Ruß und Schmutz verschmutzen Wände und Bilder müssten neu gestrichen werden. Die letzte umfassende Innenrenovierung fand Anfang der 1990er Jahre statt.

Rund eine Million Euro soll die Sanierung kosten, hat das von der Diözese beauftragte Ingenieurbüro berechnet. Eine stolze Summe. Da die Berechnung schon einige Jahre alt sei, könne diese nun auch noch höher ausfallen. „Man braucht Spezialhandwerker, die sich mit Kirchenbau und den alten Materialien auskennen“, erklärt Simon. So müsse beispielsweise das Deckengemälde aus dem Jahr 1782 speziell geschützt werden. „Man weiß nicht, ob etwas herunterbricht, wenn im Dachstuhl gearbeitet wird.“ Auch das Innen- und Außengerüst wird wohl einiges kosten. 60 Prozent der Kosten werde die Diözese Augsburg übernehmen. Fest zugesagt würde der Betrag aber erst, sobald die restliche Finanzierung gesichert ist. „Doch natürlich können wir als Kirchengemeinde das nicht alleine stemmen.“

So hoffe die Kirchenverwaltung auf Unterstützung der Stadt. Ein Zuschuss sei bereits angefragt, üblich seien 30 Prozent. „Doch das geschieht auf freiwilliger Basis, wir können die Stadt nicht drängen“, sagt Simon. Wie kürzlich im Hauptausschuss des Stadtrats zu hören war, sei es frühestens im Juli möglich, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. „Eigentlich warten wir nur noch auf diese Zusage, damit dann mit den Ausschreibungen begonnen werden könnte.“

Weitere Zuschüsse erhofft sich Simon von Stiftungen für Denkmalschutz. Auch selbst will die Gemeinde aktiv werden und Geld sammeln und erwirtschaften. Die Kirchenpflegerin wünscht sich ein baldiges gutes Ende der Wartezeit: „Manchmal braucht man auch einfach etwas Gottvertrauen.“ Wichtig sei vor allem eins: „Ziel ist, dass alles wieder ein paar Jahrhunderte stabil hält.“

Eine Absichtserklärung wäre ein erster Schritt

Bitte Die Diözese brauche die Zusage der Stadt, dass diese 30 Prozent der Kosten für die Kirchensanierung in Wullenstetten trägt. Das hat kürzlich Georg Schneider, SPD, im Hauptausschuss gesagt. Kämmerer Manuel Haas: Heuer sei dafür kein Geld da, die Räte könnten im Juli eine Absichtserklärung für 2019/2020 beschließen.

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