Wann geht's los? Allein auf diese Frage kann der Sprecher der Bahn-Tochter DB Mobility Logistics noch keine Antwort geben: Der Baubeginn sei abhängig "vom Vorliegen des Baurechts und der Abstimmung mit der Stadt Senden". Wie der Sendener Bahnhof und der nahegelegene Bahnübergang an der Hauptstraße Ende 2018 aussehen werden, ist aber schon klar. Aus den Planungen geht hervor, dass eine Modernisierung stattfindet, wie sie es in diesem Bereich der Illerstadt noch nie gegeben hat. Und die den Sendenern eine sicherere Querung der Gleise und einen barrierefreien Einstieg in die Züge ermöglichen wird.

"Vier Baumaßnahmen" unterscheidet der Bahnsprecher, der wie alle Bahnsprecher nicht namentlich genannt werden darf. Vier Projekte gibt es also, "die zeitlich aufeinander abgestimmt werden müssen". Als erstes sei dabei die Umstellung der Leit- und Sicherungstechnik für die ein- und ausfahrenden Züge auf die elektronische Stellwerks-Technik, kurz ESTW, genannt. Laut Bahnsprecher solle dafür südlich vom jetzigen Stellwerk, das sich im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes befindet, ein "ESTW-Container" errichtet. Von diesem Arbeitsplatz aus wird künftig ein Fahrdienstleiter Weichen und Signale stellen und die Bahnübergänge überwachen. Das dürfte einige in Senden überraschen, war doch in der Diskussion um Erhalt oder Schließung des Bahnübergangs die Rede davon, dass der "Faktor Mensch" künftig nicht mehr vor Ort sei. Dass deshalb ein größerer Sicherheitspuffer notwendig werde, und sich die Schließzeiten verlängern.

Auf Nachfrage präzisiert der Bahnsprecher: Die Fahrdienstleiter - wegen Schichtbetriebs sind mehrere im Einsatz - blieben zumindest "vorerst" in Senden, hätten aber von ihrem Container aus keine direkte Sicht mehr auf den Bahnübergang. Deshalb werde die "Gefahrraumüberwachung" benötigt.

Womit die zweite Baumaßnahme in Senden angesprochen ist: Die Technik des Bahnübergangs muss an das elektronische Stellwerk angepasst werden. Die Bahn plant, zwei Vollschranken samt Gefahrraumüberwachung sowie eine vorgeschaltete Lichtzeichenanlage zu erstellen. Alles, um sicherzustellen, dass kein Fahrzeug zwischen den Schranken eingeschlossen wird. Unklar sei noch, ob auch die Geh- und Radwege, die über den Bahnübergang führen, umgebaut werden müssen. Das müsse mit der Stadt abgestimmt werden.

Als drittes Projekt nennt der Bahnsprecher den Bau der Unterführung für Fußgänger und Radler am Bahnhof. Wie berichtet, hat die Stadt dazu einen Architekturwettbewerb veranstaltet, den das Büro Annabau gewonnen hat. Bezahlen wird die Stadt die Unterführung, "weil diese stadtteilverbindenden Charakter hat", sagt der Bahnsprecher: Schließlich werden darüber der Osten und der Westen von Senden verbunden. Da die Bahn-Reisenden von unten her aber auch den neuen Mittelbahnsteig erreichen können, wird die Bahn für Rampen, Treppen und Aufzüge aufkommen. Wie zu hören ist, macht das 1 Million Euro der Gesamtkosten von rund 8 Millionen Euro aus.

Was zum vierten Vorhaben überleitet, der Modernisierung des Bahnhofs. Damit gleichzeitig Züge aus Richtung Memmingen und aus Weißenhorn einfahren können, und damit die Fahrgäste barrierefrei in die Waggons kommen. Dafür werden Gleise, Weichen und Signale neu geordnet, sagt der Bahnsprecher. Zudem werden die drei zu niedrigen Bahnsteige abgerissen und stattdessen erstellt: ein Hausbahnsteig an Gleis 1, sowie ein Mittelbahnsteig an den Gleisen 2 und 3 - alle 55 Zentimeter hoch für einen stufenlosen Einstieg in Niederflurzüge. Zudem gibt es künftig ein Gleis 4, noch sind es fünf, auf welchem etwa Güterzüge durchfahren können.

Ein echtes Großprojekt also, lässt der Bahnsprecher durchblicken und baut einen Zeitpuffer ein: Vielleicht werde man 2018 doch nicht fertig. Was nicht schlimm wäre, peilt doch die Stadt für die Unterführung sowieso Dezember 2019 an.

Die Debatte

Klares Votum Was genau am Sendener Bahnhof passiert, war monate- ja jahrelang unklar. Denn die Sendener konnten lange nicht die Frage der Bahn beantworten, ob der Bahnübergang Hauptstraße/Ortsstraße bleiben soll oder geschlossen werden kann. Diese Frage mündete letztlich in einen Bürgerentscheid (exakt: Ratsentscheid, da vom Stadtrat gewollt): Am 2. August votierten die wahlberechtigten Sendener zu rund 72 Prozent gegen die Schließung des Übergangs und den Bau einer Unterführung an der Haydnstraße. Lediglich 28 Prozent waren dafür. Somit ist die Schließung vom Tisch.