Es brauchte viele Hände, noch mehr „Hau-rucks“ und Narrenrufe, dann stand der Narrenbaum der Oberelchinger „Därles Bärbla“. 18 Meter hoch, nicht mehr und nicht weniger. So hat es die Zunft vor etlichen Jahren festgelegt. „Einen kürzeren nehmen wir nicht, ein längerer wird abgesägt“, sagte Zunftmeister Christian „Beach“ Holl. Etliche hundert Elchinger Fasnetsfreunde wollten dabei sein. Zusammen mit 55 Zünften hatten sie sich vor dem Traditionsgasthaus „Krone“ an der Klostersteige zur großen Sause eingefunden, als Holl, begleitet von Bollerschüssen, das Narrenrecht verlas. Bis Aschermittwoch gelten die Regeln.

Narrenbaum „Därles Bärbla“ steht – Mit Hauruck und Narrenrufen

Zum Beispiel, dass fortan jeder zu duzen ist, die Ordnungshüter in die Ferien geschickt und Gemeinderat und Bürgermeister für beschlussunfähig erklärt sind. Die besonderen Wünsche das Zunftmeisters galten jedoch dem Baum selbst. Der soll von Stürmen ebenso verschont bleiben wie vor pinkelnden Hunden.

Schlag 19 Uhr hatte sich der Narrenzug oben am Martinstor auf den Weg gemacht. Mit „Narri Narro“, „Zong raus“, „Hui dä dä“ und anderen Rufen tollte die ausgelassene Gesellschaft die Klostersteige hinunter. Selbstredend wurden die vor allem im unteren Teil dicht an dicht stehenden Zuschauer in das Treiben eingebunden. Wer nicht aufpasste, wurde von Hexen, Teufeln, Pudelhond und Holzstöcklern gehörig erschreckt oder entführt.

Kinder blieben verschont und wurden mit reichlich Süßigkeiten belohnt. Mittendrin auf einem Karren der Narrenbaum. Die Zunftmeister – denn so ist es Brauch, dass die Zunftoberen das Zeichen der fünften Jahreszeit aufstellen – mussten kräftig dagegenhalten, dass der mächtige Baum nicht selbständig Fahrt aufnahm. Am Zwickel zur Heusteige angekommen, durften die Helfer erst einmal verschnaufen. Schließlich wollen die Gäste erst einmal ordentlich begrüßt sein. Von Weißenhorn bis Ilsfeld bei Heilbronn, von Günzburg bis Donzdorf waren sie angereist. Natürlich durften mit den „Bobbele“ und den „Lehmwualern“ die örtlichen Zünfte nicht fehlen.

Auch dann ließen sich die Därles Bärbla noch Zeit. Hier ein lässiger Spruch von Doll, da ein Dank an Feuerwehr, Polizei und die Nachbarschaft, von der Strom gezapft werden durfte. Schließlich sollte das Ereignis gut ausgeleuchtet sein. Stück für Stück gewann der Baum an Höhe – ausschließlich durch Mannes- und Fraueskraft. Dann rutschte der Stamm in seine endgültige Position und die Halterung konnte gesichert werden.

Während es auf dem Platz noch ordentlich brodelte, machten sich bereits Besucher auf in die Brühlhalle. Dort wurde mit der „United Danceband“ Party bis zum Umfallen gefeiert. Dem Vernehmen nach haben die letzten Gäste erst im Morgengrauen den Heimweg angetreten haben.

Die nächsten anderthalb Wochen haben die Elchinger noch einiges vor: Rathaussturm, Glombiger Doschdig, Dorffasnet, Rosenmontagsball. Aber dann kehrt mit der Beerdigung der Fasnet am Faschingsdienstag wieder für ein Jahr Ruhe ein.