Buch Mit dem Rad quer durch Afrika

Der Auer Fritz Kortler mit seinem neuen Buch „Fernweh. Mit dem Fahrrad durch Afrika“.
Der Auer Fritz Kortler mit seinem neuen Buch „Fernweh. Mit dem Fahrrad durch Afrika“. © Foto: Manuela Rapp
Illertissen / Manuela Rapp 08.06.2018

Ein junger Mann mit Träumen war er, gerade 20 Jahre alt. „Viele Menschen kennen Heimweh – ich kannte immer nur Fernweh“, schreibt Fritz Kortler in seinem Buch. Sein Ziel: Afrika, der dunkle Kontinent. Nicht als Pauschalreise, so wie heute, vielmehr eine Durchquerung mit dem Fahrrad – von Kairo bis Kapstadt. Dabei erwies sich der Krumbacher Franz Krieger als ebenso enthusiastisch wie abenteuerlustig. Ein Arbeitskollege, der längst ein Freund war. „Unglaublich, was wir erlebt haben“, sagt Fritz Kortler fast ein wenig ungläubig. „Mit dieser Reise habe ich die Weichen fürs Leben gestellt.“ Bald wird er sein 80. Lebensjahr vollenden.

„60 Jahre ist das her, ein alter Hut“, sinniert Kortler. Doch das stimmt nicht. Mitreißend ist sie, die Nostalgietour, die er nun in Buchform noch einmal unternommen hat, größtenteils basierend auf den Erlebnissen und Erfahrungen, mit denen er seinerzeit die Leser der drei Zeitungen Ulmer Nachrichten, Illertisser Zeitung und  Mittelschwäbische Nachrichten auf die mehr als zweijährige Fahrt mitgenommen hatte. Der Schreibstil: Originalton 1958, nur mit kleinen Änderungen: „Ich wollte mich mit dem Zeitgeist von damals identifizieren, aber auch mit mir als jungem Mann.“ Beim erneuten Lesen seiner Artikel überkam Kortler Freude und Begeisterung, wie er die Reise in seine eigene Vergangenheit beschreibt.

Eine Menge Arbeit erwuchs daraus, mehr als ursprünglich gedacht. Ein Dreivierteljahr sichten, bündeln, schreiben. „Ich bin sehr, sehr froh, dass ich’s geschafft habe“, versichert der Auer. 251 Seiten „Fernweh“ kamen dabei heraus, die sein Buch umfasst. Und das Staunen über die eigene Leistung: „Wir hatten ein unglaubliches Durchhaltevermögen, haben alle Ziele erreicht, die wir uns gesteckt hatten.“ Etwa einen Empfang bei König Hussein von Jordanien. Selbst die dem Anlass entsprechende Kleidung hatten sie von daheim mitgenommen. „Wir wussten genau, was wir wollten“, erinnert sich Kortler.

Dieses Fernweh war seine Leidenschaft zeitlebens, die schon von Klein auf begann. Stundenlang habe er über dem Schulatlas gebrütet. Und da war die Weihnachtskrippe mit ihren Hirten und der Karawane der Heiligen Drei Könige, die seinem Onkel Josef gehörte.

Zeiten der Prüfung

„Wenn man etwas wirklich will, erreicht man es fast immer“, resümiert Fritz Kortler über ein Leben, das ihn in die entlegensten Regionen dieser Welt führen sollte – unter anderem nach Papua-Neuguinea, das Karakorum (Gebirge in Zentralasien) oder zu den Beduinen Arabiens. Mit seinen Diavorträgen, Berichten und Bildbänden brachte er einen Hauch der weiten Welt in deutschsprachige Lande, auch in die schwäbische Provinz.

Vorbestimmt war ihm das nicht: „Von meinem Elternhaus her war ich in keiner Weise dazu berufen, ‚Heldentaten’ zu vollbringen“, heißt es in seinem Buch. Bereit war er, „und in der Lage“, wie er hinzufügt, „Widerstände zu überwinden und jeden Preis zahlen“. Da gab es auch „Zeiten der Prüfung“, etwa dann, „wenn die Kasse nicht mehr stimmt“, sagt er nachdenklich. „Ich hätte jedes Opfer gebracht.“

Fritz und Franz. Der eine schrieb Artikel, der andere führte Tagebuch. „Ich wusste nicht, dass ich als 20-Jähriger schon so einen ausgeprägten Schreibstil hatte“, sagt Kortler. 20 000 Kilometer sind sie geradelt. „Wir waren die ersten, die Afrika mit dem Fahrrad durchquert haben.“ Was haben die jungen Männer alles erlebt. Eigentlich schon genug für ein ganzes Leben. Den Kilimandscharo haben sie bestiegen, ohne Führer und Träger, heutzutage undenkbar. Der durch Hussein vermittelte Besuch der Felsenstadt Petra und ein fünfwöchiger Aufenthalt bei Beduinen – nur einige der Begebenheiten, die für den Abenteurer immer noch einen ganz wichtigen Stellenwert einnehmen. „Man hatte ein jugendliches Ego, besaß Ehrgeiz und Eitelkeit“, blickt er zurück.

Empfehlen würde er die Reise allerdings nicht mehr. „Die Lebensumstände haben sich geändert, sowohl politisch, wie auch wirtschaftlich.“ Geblieben ist Fritz Kortler von dieser Reise etwas ganz Essenzielles: „Mir wurde frühzeitig ein großer Erfahrungsschatz geschenkt, der mir half, mich den Schwierigkeiten im Leben zu stellen.“

Einblicke von Kairo bis Kapstadt

Spannend zu lesen ist die Erstdurchquerung Afrikas von Kairo bis Kapstadt mit dem Fahrrad auch 60 Jahre danach. Die Berichte, die Fritz Kortler damals für drei Zeitungen schrieb, vermitteln ein anschauliches, unterhaltsames Bild vom Zeitgeist der Abenteurer Fritz Kortler und Franz Krieger, der 2014 verstorben ist. Rund 20 000 Kilometer haben sie in fast zwei Jahren zurückgelegt. Das Buch „Fernweh. Mit dem Fahrrad durch Afrika“ ist beim Autor unter Telefon 07303/7345 erhältlich.

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