Ein 32-jähriger Asylbewerber ist vom Amtsgericht Memmingen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, nachdem er im Januar einen Mitbewohner in einer Asylbewerberunterkunft in Nersingen mit einem Messer verletzt hatte. Das Gericht sah keine Tötungsabsicht hinter der Tat.

Den Polizisten, die am 2. Januar dieses Jahres in der Unterkunft in Nersingen eintrafen, bot sich ein Bild des Schreckens: Eines der Zimmer war mit Blutspritzern übersät, ein 23-jähriger Bewohner blutete stark an den Händen und hielt sich eine Wunde am Bauch. Zwischen zwei Asylbewerbern war es zuvor zum Streit gekommen, der Auslöser war denkbar trivial: Weil der 23-Jährige kurz vor Mitternacht laute Musik auf seinem Handy abgespielt hatte, griff ihn sein 32-jähriger Mitbewohner an. Der Streit schaukelte sich hoch, die Beleidigungen wurden härter, bis der 32-Jährige ein etwa 20 Zentimeter langes Brotmesser aus der Küchenzeile holte und dreimal auf den Jüngeren einstach. Der versuchte die Stiche mit den Händen abzuwehren und wurde dabei verletzt. Gar so schlimm, wie es das viele Blut zunächst vermuten ließ, waren die Verletzungen nicht – nur eine musste genäht werden.

Vor Gericht gestaltete sich die Klärung der Tat schwierig: Drei Zeugen erzählten ihre Version der Geschichte, darunter auch der 23-Jährige, dessen Wunden mittlerweile verheilt sind. Ihre Aussagen unterschieden sich stark, manche widersprachen sich gar. Richterin Brigitte Mock zeigte sich frustriert. „Ich glaube, dass Sie von Anfang an nicht die Wahrheit gesagt haben“, sagte Mock zu einem der Zeugen, der angab, in dem Zimmer geschlafen und von dem Streit nichts mitbekommen zu haben.

Untereinander schienen die Männer sich besser zu verstehen: Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem 23-Jährigen mit einer Umarmung. Das war einer der Gründe, warum Mock die Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung aussetzte. Außerdem habe der Angreifer den anderen nicht mit dem Tode bedroht, es habe keine Tötungsabsicht bestanden. Das hatte der 23-Jährige zunächst bei der Polizei angegeben, vor Gericht aber nicht mehr bestätigt. Der Verurteilte, der seit Januar in Untersuchungshaft war, kam frei.