Ohne Messenger-Dienste, Online-Videotheken und Social Media geht bei Teenagern inzwischen nichts mehr. Damit sich ihre Schulkameraden dabei nicht im Dschungel des Internets verlaufen oder gar Gesetze übertreten, haben sich zwölf Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums (NKG) zu Medienscouts ausbilden lassen. In der kommenden Woche steht zudem ein öffentlicher Vortrag eines Fachmanns auf dem Programm, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Insgesamt vier Schulungen - und damit mehrere intensive Arbeitsstunden - haben die zwölf Neuntklässler unter Anleitung von Lehrerin Kareen Pietschmann hinter sich gebracht, damit sie sich nun bald Medienscouts nennen dürfen. Einiges, was sie dabei lernten, war ihnen nicht neu: Dass die bekannten Messenger-Dienste leicht zu hacken sind und die Privatsphäre ausspionieren und dass sich Informationen, also auch Privatbilder, rasend schnell im Netz verbreiten. Nun wissen sie aber auch, dass es Alternativen gibt. Etwa Suchmaschinen, die die Spur des Computernutzers verwischen. "Wenn es um sensible Sachen geht, verwende ich sicher nicht Google", sagt etwa Cornelius, einer der Medienscouts. Auch WhatsApp, dem bekanntesten Messenger-Dienst, steht Cornelius jetzt skeptisch gegenüber. Trotzdem, so sagen er und die anderen Medienscouts, können sie nicht völlig aussteigen aus dem weltumspannenden Netz der Datensammler: Gerade bei Messenger-Diensten, sagt Cornelius, seien die Alternativen relativ unbekannt, "da erreiche ich längst nicht alle meine Freunde".

Die Schüler geben zu, teilweise sorglos zu surfen und die bekannten Gefahren zu ignorieren: "Wen interessiert es schon, was ich bei WhatsApp schreibe?", fragt etwa Viola. Bei Fotos sei sie da vorsichtiger: Eine Bekannte habe schon erlebt, wie ein privates Bild ungewollt im Internet die Runde machte. Auf jeden Fall wollen sie dafür sorgen, dass die jüngeren Schüler am NKG gleich von Anfang an wissen, welche Gefahren im Netz lauern: "Damit sie sich noch besser schützen können." Zudem möchten sie die Fünft- und Sechsklässler davor bewahren, im Internet in Kostenfallen zu tappen. So manche App sei nur zu Beginn kostenlos, werde mit einem Klick aber ganz schnell viel zu teuer, warnt Magdalena. Und dann sei da noch die Sache mit dem Urheberrecht: Schnell ein Bild von irgendwo her in eine schulische Präsentation zu kopieren, sei eben nicht erlaubt.

Dass sich im Internet riesige Summen mit dem Verkauf von persönlichen Daten verdienen lassen und die Werbebranche auf immer mehr Einblicke in die Welt der Websurfer hofft, ist den Neuntklässlern klar. Und auch, dass sie und ihre Daten zwar leicht auszuspähen sind, auf der anderen Seite aber gesichtslose Großunternehmen sitzen. "Deshalb wollen wir ja andere Schüler beraten und ihnen helfen. Damit sie vorsichtig mit Informationen über sich umgehen."

Info Über "Die Tricks der Datensammler im Web 3.0" und die Konsequenzen informiert am Dienstag, 2. Februar, ab 19 Uhr in der Mensa des NKG der Experte Holger Weber. Er zeigt dabei live, wie im Internet persönliche Daten erhoben, ausgewertet und verwendet werden. Gleichzeitig gibt er Tipps, wie sich jeder vor dem Verlust oder Ausspähen privater Daten schützen kann.