Wenn der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt über den Marzellus-Garten spricht, gerät er ins Schwärmen: "Dieser Garten ist ein Kleinod, das seinesgleichen sucht", sagte Fendt am Montagabend im Stadtrat. Auch CSU-Stadtrat Marcus Biberacher fand: "Dieser Garten ist einzigartig." Der privat betriebene Garten sei gar ein Aushängeschild für die Stadt. Die wiederum sollte alles daran setzen, ihn zu erhalten. Das sahen alle Stadträte ähnlich.

Und so haben sie auf Vorschlag der Verwaltung die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Nun soll für das 15.000 Quadratmeter große Areal, das sich an der Kreisstraße zwischen den Weißenhorner Stadtteilen Oberhausen und Biberachzell befindet, ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Kürzlich hatte es Irritationen um den Garten gegeben, Betreiber Marzellus Hampp Ärger mit der Gewerbeaufsicht gehabt. Das Verfahren gegen Hampp wurde vor dem Amtsgericht Neu-Ulm eingestellt. Nun will die Stadt nachträglich Baurecht für das Kleinod schaffen.

Hampp selbst sieht sich als Freigeist, fühlt sich von den Verwaltungsbeamten und den Kontrolleuren gegängelt. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat er eigenen Angaben zufolge einen Garten geschaffen, der jedem offen steht, in dem es verschlungene Pfade, ein Teehaus, Baumhäuser, Bachläufe und Grillplätze gibt. Eintritt verlangt Hampp nicht. Wer etwas trinken möchte, kann sich in einem Kühlschrank bedienen, ohne zu bezahlen. Wer mag, kann jedoch eine Spende in einer Box hinterlassen.

Den Vorschlag der Verwaltung, Garten-Betreiber Hampp die Kosten für die Planung des Bebauungsplans zu erlassen, lehnte der Stadtrat hingegen ab. "Weil wird dann einen Präzedenzfall schaffen, den wir so nicht mehr losbekommen", wie SPD-Fraktionssprecher Herbert Richter sagte. Das sah die große Mehrheit im Rat genauso. Bauherren müssen an den Kosten für die Planung beteiligt werden, hieß es.