Nersingen Maier-Gruppe kauft Scheeff

Nersingen / OLIVER HEIDER 14.08.2013
111 von 148 Festangestellten der insolventen Straßer Metallgießerei Scheeff behalten ihren Job. Der neue Eigner spricht von einer "Win-Win-Situation".

Ende Oktober vorigen Jahres hatte sich Insolvenzverwalter Michael Pluta noch zuversichtlich gezeigt: Keiner der insgesamt 330 Menschen, die für die Metallgießerei Scheeff arbeiteten, müsse um seinen Arbeitsplatz bangen. Es gebe mehr als genug Aufträge, die abgearbeitet werden müssten, sagte er damals, wenige Tage nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Inzwischen ist klar: Ohne Kündigungen gelingt der Neustart des Nersinger Unternehmens nicht. Von ehemals 148 Festangestellten im Werk im Ortsteil Straß behalten nur 111 ihren Job. Acht Mitarbeiter verließen die Firma aus freien Stücken, 29 weitere erhielten in den vergangenen Wochen ihre Kündigung. Auch am Standort Hennersdorf in Brandenburg, der bereits im April geschlossen worden war, haben viele Leute ihre Arbeit verloren: Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags waren dort laut einem Sprecher des Insolvenzverwalters 71 Mitarbeiter beschäftigt. Im April mussten die verbliebenen 51 gehen. Zudem seien nur noch wenige der ehemals 120 Leiharbeiter bei Scheeff aktiv. Genaue Zahlen lägen ihm nicht vor.

Diejenigen, die in Straß bleiben dürfen, bekommen bald einen neuen Arbeitgeber. Die "C.F. Maier-Firmengruppe" mit Stammsitz in Königsbronn bei Heidenheim übernimmt zum 1. September die Metallgießerei Scheeff. Der Vertrag sei vergangene Woche unterzeichnet worden, teilte Pluta mit. Die monatelangen Anstrengungen seines Teams hätten sich gelohnt.

Das Unternehmen, das vor allem für Motorenbauer und Nutzfahrzeughersteller Aluminiumteile gießt, war trotz guter Auftragslage in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Die Aufträge abzuarbeiten, gelang allerdings nicht. Die Firma war mit 160 Tonnen Gusswaren im Verzug. Dass der Betrieb nicht rund lief, lag unter anderem an einer großen Anlage zur Sandaufbereitung, die nie so arbeitete, wie es der Hersteller versprochen hatte.

Die Lieferrückstände sind inzwischen laut dem Sprecher des Insolvenzverwalters nahezu vollständig abgebaut. Einen neuen Werksleiter hat Scheeff ebenfalls bekommen. Während des Insolvenzverfahrens führten Pluta und sein Team das Unternehmen Scheeff fort und sanierten es. In dieser Zeit wurden rund 1,5 Millionen Euro investiert, um etwa behördliche Auflagen zu erfüllen. Das Geld kam teils auch von den Kunden, die auf die Teile aus Straß angewiesen sind.

Für die Maier-Gruppe ist die Nersinger Produktionsstätte vor allem wegen deren Sandgießerei mit der fast neuen, sehr großformatigen Formanlage interessant. Davon gibt es in Europa nur wenige. Zudem verfügt Scheeff über eine moderne Gussbearbeitungsabteilung. Beide ergänzen das Angebot des Königsbronner Werks und dürften die Wettbewerbsfähigkeit wohl nochmals deutlich verbessern.

"Mit unserer strategischen Entscheidung erzielen wir eine echte Win-Win-Situation. Von der Übernahme werden beide Standorte profitieren", erklärte Markus Maier, der geschäftsführende Gesellschafter. Das Unternehmen mit seinen rund 1000 Beschäftigten sei zuversichtlich, mit dem erweiterten Angebot neue Kunden gewinnen und durch Synergieeffekte die Marktposition ausbauen zu können.