Religion Männerwallfahrt in Oberelchingen

An jeder Station beteten und sangen die rund 20 Männer, außerdem gab es verschiedene Denkanstöße und Erklärungen.
An jeder Station beteten und sangen die rund 20 Männer, außerdem gab es verschiedene Denkanstöße und Erklärungen. © Foto: Josephine Schuster
Oberelchingen / Von Josephine Schuster 14.05.2018
Gesang, Gebete und Denkanstöße gibt es bei der traditionellen Männerwallfahrt. Das Motto: Gott ist für jeden da.

Zum Klang der Glocken und im warmen Gegenlicht der aufgehenden Sonne bestreiten die rund 20 Männer das letzte, steile Stück hoch zur Oberelchinger Klosterkirche. Die Herren sind schon seit 5.45 Uhr unterwegs. Beginnend am Bildstock in der Nähe der Verbandsschule wurde an jeder Station gebetet und gesungen. Dekanatsreferent Wolfgang Steffel lieferte Denkanstöße und Erklärungen zum Gelesenen.

In diesem Jahr stand die traditionelle Männerwallfahrt unter dem Motto „Du schaffst meinen Schritten weiten Raum” nach Psalm 18,37. Dekan Ulrich Kloos aus Wiblingen und Diakon Jörg Gebele hatten die Andacht in der Klosterkirche inhaltlich an das Motto angepasst. Jürgen Bartusel von der „Bruderschaft der sieben Schmerzen Mariens” aus Oberelchingen erläuterte anschließend das größte der Deckenfresken in der barocken Kirche. Gemalt im 18. Jahrhundert vom Münchner Maler Januarius Zick, der auch die Klosterkirche in Wiblingen künstlerisch veredelte.

Grundlage des Christentums

„Man fragt sich, warum dem Gemälde so viel Platz gegeben wurde, obwohl es doch nicht allzu viel zeigt”, begann Bartusel mit seiner Erklärung. Das große Deckenfresko zeigt „Mariä Lichtmess“: Maria und Josef, der eine Kiste mit zwei weißen Tauben hält, bringen ihren Sohn Jesus zum Tempel, um für die Verschonung der Erstgeborenen bei der Befreiung der Israeliten aus Ägypten zu danken. Hier wird Maria vom Propheten Simeon, der den kleinen Jesus im Arm hält, verkündet, dass sie „sieben Schmerzen“ wird erfahren müssen.

Im Hintergrund sind Moses Steintafeln mit den zehn Geboten zu sehen, links fromme Reiche, rechts fromme Arme, etwas versteckt dahinter ein nichtgläubiger Römer und im Vordergrund jüdische Weihrauchfässer und spielende Kinder. Der Mann links von Simeon ist ein Priester, der aus der Tora-Rolle, der jüdischen Glaubensschrift, liest. „Diese Szene beschreibt den Übergang vom alten zum neuen Testament und ist Grundlage des heutigen Christentums. Es zeigt, dass hier Platz für jeden ist, egal wie nah oder fern er Gott steht”, erklärte Bartusel. Es sei auch immer noch genügend Platz für alle, die in der Zukunft dazu kommen. Die Ränder des Bildes seien kein definiertes Ende des Raumes, sondern nach außen offen für alle. „So in etwa wie eine moderne Arche, in der auch jedes Lebewesen Platz gefunden hat.”

Wolfgang Steffel sagte dazu: „Manchmal haben wir mehr zu tun, manchmal weniger. Das ist okay. Denn, wenn wir Gott brauchen, ist er bereit. Das ist eine Einladung, die immer steht, und wir können sie annehmen oder auch nicht.“ Dekanatskirchenmusiker Andreas Weil bot anschließend an den Vortrag eine Improvisation an der Orgel zu diesem Thema dar.

Warum die Wallfahrt schon so früh am Morgen stattfindet? „Das war schon immer so. Die Morgenstunde hat ihren ganz eigenen Reiz, und Jesus ist ja auch im Dunkeln auf den Berg gestiegen, um zu beten”, erklärte Steffel. Und warum nur für Männer? „Sie sind anders im Glauben als die Frauen. Die Hemmschwellen, sich zu öffnen, sind oft größer. Es tut ihnen gut, wenn sie mal unter sich sind.”

Nach einem Weißwurstfrühstück, das von den Damen des Antoniusheims angeboten wurde, referierte Jürgen Bartusel über weitere Details zur Männerwallfahrt. „Aber nicht zu lang, damit die Männer zum Muttertag auch wieder früh genug zu Hause sind, um den Tag mit ihren Frauen zu verbringen”, mahnte Steffel schmunzelnd an.

Von Soldaten ins Leben gerufen

Wallfahrt Die Männerwallfahrt der Dekanate Ehingen-Ulm und Neu-Ulm findet immer am ersten Sonntag nach Christi Himmelfahrt statt. Es gibt diese Tradition schon seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Ursprung Sie wurde von den Soldaten aus dem Raum Ulm nach dem Krieg ins Leben gerufen. „Sie sagten sich: ‚Wenn wir das überleben, dann organisieren wir eine solche Wallfahrt’“, erklärt  Wolfgang Steffel. Die Themen seien heute aber an die aktuellen Geschehnisse angepasst.

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