Senden Luft und Liebe

Senden / CLAUDIA SCHÄFER 17.08.2013
Oliver Szczesny aus Senden will gerne hoch hinaus. Mit seinen selbst gebauten Raketen- und Segelflugzeugmodellen entdeckt er, inzwischen Besitzer eines Ladens, die Natur und ihre Gesetze immer wieder neu.

Man muss sich nur die Dekoration seines Modellbauladens in der Sendener Hauptstraße ansehen, um viel über Oliver Szczesny und sein Hobby zu erfahren. Segelflieger, ferngesteuerte Flugzeuge und Raketen schweben über den Köpfen der Kunden, alle von dem 57-Jährigen in vielen Stunden gebaut und teilweise selbst konstruiert. Vor einigen Jahren hat der gelernte Kaufmann und Betriebswirt seine Leidenschaft für den Modellbau zum Beruf gemacht und den Laden eröffnet.

Ein purer Zufall hatte den Sendener zum begeisterten Modellbauer werden lassen. Beim Surfen im Internet stieß er auf den Bausatz für eine 30 Zentimeter lange Rakete. Die Freude an dem neuen Hobby wurde immer größer - und die Raketenmodelle wurden es auch. Schließlich startete Szczesny Modelle, die fast größer waren als er selbst und bis auf 800 Meter Höhe stiegen. Längst war der Sendener Teil einer bundesweiten Gemeinschaft von rund 30 Leuten geworden, die den Raketenbau "auf höchstem Niveau" betrieben. "Jeder hatte sein Spezialgebiet", erinnert sich Szczesny. "Es waren Gärtner dabei, Pfarrer, Diplomphysiker, und es war einfach toll."

Weil es für die Raketenbauer keine fertigen Bausätze mehr gab, wurde selbst gerechnet, geplant, gebaut "und gehofft, dass das Ding fliegt", sagt Szczesny. Zum Einsatz kamen Hightech-Elektronik, Papprollen und Abwasserrohre aus dem Baumarkt. Seine Begleiter seit diesen Tagen: die Physik-Formelsammlung und die Massegesetze. Modellbau sei eben "Mathematik und Naturwissenschaft zum Anfassen", sagt der Sendener. Mit den Raketen flog er Wettbewerbe, brachte es bis zum deutschen Vizemeister. Um auch Raketen mit mehr als 20 Gramm Sprengmasse starten und das nötige explosive Material kaufen zu dürfen, musste er Lehrgänge und Prüfungen absolvieren. Auch mit dem Luftfahrtbundesamt hatte er regelmäßig zu tun, um sich "Aufstiegsgenehmigungen" zu verschaffen.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit kam der radikale Schnitt. Statt Raketen bringt Szczesny seither nur noch Segelflieger in die Luft. Er sei an einem Punkt angelangt gewesen, an dem eine Weiterentwicklung der Raketenmodelle nur mit sehr viel Aufwand möglich gewesen wäre, sagt er. Seine Modelle hat er behalten, manchmal schaut er im Internet Videos an.

Ansonsten baut er mit Begeisterung Segelflieger. 3,75 Meter Spannweite hat sein größtes Modell. Ein halbes Dutzend Flieger besitzt der Sendener, "für unterschiedliche Witterungsverhältnisse". Auch ein Handlaunch-Glider ist dabei, der am Ende einer Tragfläche gehalten und wie ein Diskus in die Luft geschleudert wird. "Segelflug ist die perfekte Kombination von Technik und Natur", schwärmt er.

Da den 57-Jährigen eigentlich alles begeistert, was fliegt, kennt er sich auch gut mit Hubschrauber-Modellen und den derzeit beliebten Quadrocoptern aus. Das sind Modelle mit vier auf einer Ebene angeordneten Rotoren. Größere Quadrocopter lassen sich mit einer Kamera ausstatten und laufen unter dem Oberbegriff der "Drohnen". Erst kürzlich habe ihn ein Jäger nach einem solchen Gerät gefragt, erzählt Szczesny. Er wollte damit Maisfelder überfliegen, um Wildschweine und die von ihnen verursachten Schäden aufzuspüren. Auch für Hobbyfotografen, Naturschützer und Rettungskräfte sei die Technik interessant.

Doch Vorsicht, sagt Szczesny: Wer anderer Leute Privatsphäre stört und mit dem Quadrocopter die Nachbarin beim Sonnenbaden fotografiert, riskiert eine empfindliche Strafe.

Versicherung muss sein