Natur Leuchtturm-Projekt an der Donau

Naturnah, vorbildlich und mit EU-Geld gefördert: Andrang von Prominenz am neuen Ufer der Donau bei Elchingen.
Naturnah, vorbildlich und mit EU-Geld gefördert: Andrang von Prominenz am neuen Ufer der Donau bei Elchingen. © Foto: Barbara Hinzpeter
Elchingen / Barbara Hinzpeter 09.05.2018

Ein Blick ans Ufer genügt, um den Unterschied deutlich zu machen: Während drüben eine schnurgerade Kante zu sehen ist, ragen diesseits Totholzäste und -stämme in die  Donau und schaffen zusammen mit Steinen und aufgeschütteten kleinen „Landzungen“  naturnahe Bereiche. Bei genauem Hinsehen sind zahlreiche kleine Fische zu entdecken, die im seichten Wasser wuseln. „Wir haben hier schon jetzt viel mehr Leben als auf der anderen Seite“, sagte Franz Willbold, Vorsitzender des Fischereivereins Elchingen, beim Ortstermin an der renaturierten Donau.

Auch die Flora werde demnächst „explodieren“ und zusätzliche Lebensräume schaffen, kündigten Helmut Rösel und Sebastian Blaß vom Aueninstitut Neuburg an. Das untersucht mit der Universität Innsbruck noch bis Ende 2019 die Auswirkungen der so genannten Ökoberme auf die Umwelt, aber auch auf Wirtschaftlichkeit und die Stabilität des Damms. Wie viele Stellen an Planung, Umsetzung und Finanzierung des Projekts der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) beteiligt waren, machten die Abschlussveranstaltung sowie die zahlreichen Teilnehmer von Rang und Namen deutlich, darunter der Europa-Abgeordnete Markus Ferber (CSU), Bundestagsabgeordneter Karl-Heinz Brunner (SPD), Vertreter des bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz.

Markus Ferber hob hervor, dass das 1,4 Millionen teure Projekt in Oberelchingen und Offingen mit rund 600 000 Euro aus dem EU-Förderprogramm „Life“ unterstützt wurde. Das lege den Fokus auf „innovative Projekte mit echtem ökologischen Mehrwert“ – und dazu gehörten die jeweils rund 500 Meter neugestaltetes Ufer im Bereich der Donau-Staustufen Oberelchingen und Offingen. Ferber: „Hochwasserschutz und Ökologie werden hier sehr geschickt verbunden.“

Den Auwald schonen

Denn anders als beim herkömmlichen Verfahren wurde der Damm nicht auf der Landseite verbreitert, um ihn zu erhöhen. Vielmehr wurden ans Ufer Wurzelschutzmatten gelegt und mit Kies aufgeschüttet. Das schont den Auwald auf der Landseite und wertet den Bereich am Wasser ökologisch auf. Darüber informieren Tafeln auf dem Deich.

Mehrere Redner verwiesen auf den Pilotcharakter des Projekts mit dem Namen „Inadar“, das Vorbild sein soll für ähnliche Vorhaben   in Europa. Die geotechnischen Herausforderungen erläuterte Roland Stiegeler vom Zentrum für Geotechnik der TU München. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob und wie auf dem breiigen Sediment-Untergrund sicher gebaut werden kann. Stabilität, Standfestigkeit und Dichte des Damms würden auch weiterhin mit verschiedenen Messtechniken überprüft.

Georgios Stamatelopoulos, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Obere Donau Kraftwerke (ODK), betrachtete die Ökobermen als weiteren Pluspunkt für die umweltfreundliche Energie aus Wasserkraft. Die sei „eine tragende Säule der Energiewende“ und „umweltfreundlich, ressourcenschonend, emissionsfrei und vor allem sicher verfügbar“. Während sich „unter Wasser“ laut Stamatelopoulos schon einiges tue, sollte man der Natur an Land noch Zeit geben. Dass es dort noch nicht grünt, liegt laut Helmut Röseler am trockenen Frühjahr. Die Erfahrungen bei Offingen aber zeigten, dass sich die Artenvielfalt ohne weiteres Zutun quasi schlagartig erhöhe.

Sechs Kraftwerke in der Hand eines Unternehmens

Ökostrom Eigentümerin der sechs Wasserkraftwerke Oberelchingen, Leipheim, Günzburg, Offingen, Gundelfingen und Faimingen ist die Obere Donau Kraftwerke AG (ODK). Nach Angaben des Unternehmens erzeugen sie jährlich etwa 290 Kilowattstunden Strom. Damit könnten etwa 83 000 Haushalte versorgt werden. Betrieben werden die Wasserkraftwerke von den Bayerischen Elektrizitätswerken (BEW), einer 100-prozentigen Tochter der Lechwerke AG.