Sinningen Leben retten mit Kronkorken

Lisa Kuss und Karl Guter füllen Kronkorken ab. Mehr als eineinhalb Tonnen haben die Wanderfreunde in Sinningen für einen guten Zweck gesammelt.
Lisa Kuss und Karl Guter füllen Kronkorken ab. Mehr als eineinhalb Tonnen haben die Wanderfreunde in Sinningen für einen guten Zweck gesammelt. © Foto: Beate Reuter-Manz
Sinningen / BEATE REUTER-MANZ 20.05.2016
Eigentlich wandern sie miteinander. Jetzt haben die Sinninger Wanderfreunde noch eine Leidenschaft: Kronkorken sammeln - für einen guten Zweck.

Am Donnerstag stand wieder eine große Mülltüte vor der Haustür von Elisabeth Kuss im Mühlweg in Sinningen - bis oben hin gefüllt mit kleinen, runden Weißblechdeckeln. Auch wenn ein Kronkorken gerade mal zwei Gramm wiegt: Ein Müllsack voll kann fast nicht mehr von Hand bewegt werden. Der Schubkarren der Familie Kuss steht deshalb immer bereit.

Lisa Kuss ist seit mehr als einem Jahrzehnt die Vorsitzende der Wanderfreunde Sinningen. Seit sie vor 40 Jahren vom hohen Norden in den tiefen Süden zog, ist sie dem 125 Mitglieder starken Verein innig verbunden. Die Wanderfreunde von links und rechts der Iller treffen sich in der Regel einmal im Monat zu kurzweiligen Touren in schöner Landschaft. Jetzt haben die Naturliebhaber noch eine andere gemeinsame Leidenschaft: Sie sammeln die Blechdeckel, die Bierflaschen luftdicht verschließen.

15.000 Kronkorken, etwa 40 Kilogramm, reichen, um einem Kind im afrikanischen Ghana zwei Jahre lang eine Krankenversicherung zu finanzieren: Von diesem Projekt der jungen Lehrerin Wibke Herbert aus Landau erfuhr Elisabeth Kuss per Zufall über eine Freundin - und die Sinningerin sammelte privat gleich kräftig mit. Als die Vorsitzende die Aktion "Amebii Ghana" auch in ihrem Verein vorstellte, nahm die Sammelei richtig Fahrt auf. Es war nicht nur das Wissen, mit den Korken später etwas Gutes bewirken zu können. Auch der Umweltgedanke spielte eine Rolle. Das wertvolle Weißblech verschwindet nicht einfach im Hausmüll, sondern gelangt zurück in den Kreislauf: Dieser Gedanke gefällt den Sinninger Wanderfreunden, die bei ihren Spaziergängen hin und wieder sogar mitten im Wald über achtlos weggeworfene Kronkorken "stolpern".

"Ein Keller bei mir war ruck-zuck voll", erzählt Kuss von den Anfängen vor zwei Jahren - die Sammelleidenschaft ebbte nicht ab, im Gegenteil. " Mittlerweile werden wir unterstützt von Cliquen, Gastronomiebetrieben und vielen Einzelpersonen, die gar nicht unserem Verein angehören", erzählt Kuss. Über verschiedene Außenstellen gelangten immer mehr Kronkorken zur Sinninger "Zentrale". Kuss ist deshalb froh darüber, dass Wanderfreundin Rosemarie Guter einen stillgelegten Stall für die Lagerung zur Verfügung gestellt hat. Ihre "Haustür"-Spenden braucht Kuss im Schubkarren nunmehr bloß noch in die Nachbarschaft zu karren. "Das erleichtert viel."

Geschätzte 1,5 Tonnen Kronkorken sind bislang zusammengekommen - zwei riesige Futtermittel-Lagersäcke, bis zum Rand gefüllt. Auch wenn die Preise für den Wertstoff Weißblech schon mal besser waren, sollen die Korken jetzt zum Schrottverwerter Kutter nach Memmingen transportiert werden - wegen des Gewichts vermutlich in einem Pferdeanhänger.

Der Memminger Schrottverwerter ist eine Kooperation mit "Amebii Ghana" eingegangen, überweist den Erlös der Sinninger Korken also direkt an die gemeinnützige Organisation. "40 neue Krankenversicherungen sind gesichert", freut sich Kuss - und belädt ihren Schubkarren schon mal mit der nächsten Ladung.

Info www.amebii-ghana.com

Hilfe für Kinder in Ghana

Amebii Ghana heißt übersetzt Kinder in Ghana. Die in Lampertheim ansässige Organisation engagiert sich für den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sauberem Trinkwasser. Mit den Spendengeldern wurden bereits ein Kindergarten, eine Schule und ein Brunnen gebaut. "Die Kronkorken-Spenden retten Kindern das Leben", sagt Gründerin Wibke Herbert.

 

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