Aktionstag Langenau will mehr Tempo von der Bahn

Raum für Veranstaltungen? Der denkmalgeschützte Güterschuppen in Langenau.
Raum für Veranstaltungen? Der denkmalgeschützte Güterschuppen in Langenau. © Foto: Thomas Vogel
Langenau / Thomas Vogel 07.05.2018
Auf einem Spaziergang sind Bürger die jüngsten städtebaulichen Entwicklung abgegangen. Nächstes Projekt: der Güterschuppen.

Stadtsanierung ist das Bohren dicker Bretter, gepaart mit kleinen Schritten und auch Rückschlägen. Zähes Verhandeln gehört zur Geschäftsgrundlage. Ein kurzes Wegstück nur fehlt, und Langenaus viertes Sanierungsgebiet „Bahnhof“ hätte einen von zwei noch offenen Punkten weniger. Verhandelt wird seit drei Jahren, doch bislang ohne Ergebnis. Die Bahn gilt gemeinhin als schwieriger Verhandlungspartner in solchen Fällen.

Samstag, Stadtspaziergang anlässlich des Tags der Städtebauförderung: Christoph Schreijäg, Erster Beigeordneter der Stadt, zuckt mit den Schultern. Die Ansprechpartner säßen in drei Bahn-Töchtern verteilt, würden untereinander aber wohl so gut wie nicht kommunizieren. Man brauche noch Geduld.

Der angesprochene Weg würde – in Verlängerung der Bahnunterführung – eine Fußverbindung schaffen zwischen Bahnhof und dem südlich davor neu entstanden Gewerbegebiet. Trampelpfade künden davon, dass dies eben derzeit auf „wilde Weise“ geschieht. Die 13 Gewerbe-Grundstücke übrigens wurden der Stadt fast aus den Händen gerissen.

Von Programmen profitiert

Beides, die Neuordnung und Erschließung des vormals weitgehend asphaltierten und brachliegenden Geländes, als auch die Sanierung des historischen Bahngebäudes von 1874, fallen unter die Rubrik „dicker Bretter“, möglich geworden über Fördertöpfe des Landes im Zuge der Städtebauförderung. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten hat Langenau reichlich davon profitiert, wie bei diesem Spaziergang vielfach in Erinnerung gerufen wird.

Die jüngere Geschichte des Pfleghofs und dass seine Sanierung erst in einer knappen Kampfabstimmung auf den Weg gebracht werden konnte, ist mittlerweile in den Anekdotenschatz der Stadt eingegangen. Mit ihm und dem Sanierungsgebiet „Stadtmitte“ drumherum war 1974 einst der Startschuss gefallen. 1989 schloss sich das Gebiet „Marktplatz“ an, bei dem die Vitalisierung des Rathauses und die Aufwertung des öffentlichen Raums die „dicken Bretter darstellten“. Stand damals die Aufmöblung der „historischen Herzen“ von Städten im Mittelpunkt der Förderung, verschoben sich die Schwerpunkte später.

Im Gebiet „Kuftenstraße“, Timo Schaal, der derzeit in Langenau tätige Projektleiter berichtet davon, ging es von 2002 bis 2010 hauptsächlich darum, untergenutzten innerörtlichen Raums aufzuwerten. Auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Areal, das die Stadt erwerben konnte, befinden sich heute Wohn- und Gewerbe-Gebäude und die Bruderhaus-Diakonie. Und ein landwirtschaftliches Anwesen, an dem kein Sanierer eine Spur hinterlassen hat. „Der Eigentümer wollte partout nicht mitmachen“, verrät Schreijäg gewiss kein Geheimnis. Ein Rückschlag also.

Mit solchen müssen Sanierer immer rechnen. Ein Erfolg wurde das Gebiet dennoch, ablesbar an den neuen Wegen und Stegen, an der Neugestaltung der Kuftenstraße, am stilvoll und einfühlsam sanierten Gebäude, in dem einst der „Rote Löwe“ logierte.

Ein paar Minuten später steht das Dutzend Spaziergänger vor dem Bahnhof. Die ihm zugehörige Anekdote lautet, dass die Bahn einmal vorhatte, diesen zu einem eingeschossigen Flachbau zu schrumpfen. Nicht nur Schreijäg schüttelt’s bei dem Gedanken, der mit einem Denkmal-Frevel verbunden gewesen wäre.

Dass das zugehörige Sanierungsgebiet in die Verlängerung geht, hängt nicht allein mit der ungelösten Fußweg-Problematik zusammen, sondern mit einem weiteren „dicken Brett“, das zu durchbohren ist: Der benachbarte Güterschuppen harrt darauf, zu neuem Leben erweckt zu werden.

Viel Fantasie notwendig

Als mittlerweile rarer Vertreter seiner Art und wohl zeitgleich mit dem Bahnhof entstanden, steht er unter Denkmalschutz. Wie berichtet, besteht der Plan, ihn in ein Veranstaltungsgebäude zu verwandeln, das mit bis zu 400 Besuchern etwas mehr als der Pfleghof fassen könnte. Noch braucht es einige Fantasie, um sich die Verwandlung dieses Holzbaus vorzustellen.

Und was danach? Solle die Stadtsanierung weiter gehen. Laut Schreijäg denkt die Verwaltung bereits über die „Untere Stadt“ mit der Lange Straße nach, die sich mit ihren untergenutzten Arealen dafür anböte. Allerdings stellte sich hier ein Problem: das der landwirtschaftlichen Schutzradien. Wo’s derzeit müffelt, wäre dieses auch weiterhin erlaubt.

Bevölkerung und Fachleute informieren

Bundesweit Der Tag der Städtebauförderung hat zum vierten Mal stattgefunden. Ziel ist es, Bürger und Fachleute über Strategien und Maßnahmen zu informieren. In Blaustein gab es ein Abschlussfest im Sanierungsgebiet „Stadelwiesen“. In Ulm wurde der Quartiersgarten im Dichterviertel eröffnet. Die Gemeinde Nellingen, die auch von Städtebaufördermitteln profitiert hat, hat am 22. April einen „Tag des offenen Betriebes“ veranstaltet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel