Rodungen im Auwald bei Bellenberg haben bei Anwohnern zu einer Vermutung geführt: Haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) eine Schneise schlagen lassen, um bald eine Verbindung vom Wieland-Kanal zur Iller bauen zu können? Das wäre Basis für das geplante Kraftwerk bei Flusskilometer 17. Eine Nachfrage zeigt, dass die Baumfällungen nicht von den SWU veranlasst worden sind - und dass das Projekt sogar auf Eis liegt.

Peter Dieling, der im Landratsamt Neu-Ulm den Bereich Umwelt, Verkehr, Sicherheit und Ordnung verantwortet, teilt auf Anfrage mit: "Auf Wunsch der SWU wird das Verfahren von uns derzeit nicht weiterbetrieben." Im Juni 2013 hatten die Fischer das schon gehofft - Oliver Born, Fischereibeauftragter des Bezirks: "Das Verfahren ruht" -, doch die Stadtwerke dementierten damals. Sprecher Sebastian Koch: "Im Herbst soll ein Erörterungstermin stattfinden. Alles läuft wie geplant weiter." Der Erörterungstermin wurde allerdings nach den vorliegenden Informationen nicht abgehalten, Peter Dieling sagt nämlich: "Der nächste anstehende Meilenstein wäre dazu vom Verfahren her eigentlich ein Erörterungstermin."

SWU-Sprecher Bernd Jünke bestätigt auf Anfrage, dass das Genehmigungsverfahren seitens der Stadtwerke gestoppt worden ist. Er betont aber auch: "Dies bedeutet nicht, dass die SWU das Wasserkraftprojekt aufgegeben hätte." Grund für die Pause seien die "schwierigen Rahmenbedingungen" für den Neubau von Kraftwerken in Deutschland. "Das betrifft nicht allein die konventionelle, nicht-regenerative Erzeugung, sondern im Grunde genommen alle Planungen für Neuanlagen." Es sei unsicher, ob sich die Investitionen jemals lohnen. Dennoch stünden nicht nur das Wasser-kraftwerk bei Bellenberg, sondern auch das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bei Leipheim und das Pumpspeicherkraftwerk im Blautal weiterhin "auf der Agenda".

Peter Dieling erinnert daran, dass die Pläne für die Wasserkraftanlage im Herbst 2012 in Illertissen, Vöhringen, Bellenberg und auch im Landratsamt Neu-Ulm einen Monat zur Einsicht ausgelegen haben, dass damals Einwendungen erhoben werden konnten. Parallel dazu habe das Landratsamt die so genannten Träger öffentlicher Belange - etwa die Fischereiverbände - zu dem Vorhaben angehört. Dabei seien insbesondere die Eingriffe in den Auwald moniert sowie Nachteile für Fische und Risiken für die Trinkwasserversorgung aufgezeigt worden. Vor allem wegen der Sorge um das Trinkwasser lehnen die drei betroffenen Kommunen Illertissen, Vöhringen und Bellenberg das Vorhaben ab.

Wie berichtet, muss der Wieland-Kanal, der für das Kraftwerk einen Durchstich zur Iller erhält, auf rund 25 Meter aufgeweitet und auf sechs Meter vertieft werden. Dabei wird die natürliche Abdichtung des Kanals zum Grundwasser entfernt. Laut Stadtwerke Ulm soll sie sich aber binnen weniger Wochen wieder aufbauen.