Internet Lahme Verbindung bremst digitale Schule aus

Weißenhorn / Von Carsten Muth 04.07.2018

Geplante Modernisierung trifft auf digitale Wirklichkeit. So lässt sich eine Debatte zusammenfassen, die am Montagabend die Weißenhorner Stadträte geführt haben. Thema war die Digitalisierung an den örtlichen Schulen – und zwar am Beispiel der städtischen Realschule.

Dort wurde, wie an anderen Einrichtungen auch, ein Digitalisierungskonzept erstellt (siehe Info-Kasten). Die Ziele sind durchaus ehrgeizig, die Schule soll technisch modernisiert werden, die Möglichkeiten des Internets noch viel stärker genutzt werden – beim Lernen, im Unterricht, in der Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern. Allerdings genügt dafür die vorhandene Infrastruktur nicht. Sprich: die Internetverbindungen sind in der Realschule schlicht viel zu langsam, wie Bernhard Rembold, Internet-Fachmann von der Stadt Weißenhorn, und Anja Hahn-Wall, Administratorin der Schule, im städtischen Hauptausschuss sagten.

So stehen in der Realschule derzeit Datenübertragungs-Geschwindigkeiten von 50 Mbit zur Verfügung. Was für einen privaten Haushalt womöglich noch recht gut, für eine Schule mit 676 Schülern aber alles andere als ausreichend ist, wie Rembold sagte. Zudem sei das Wlan-Netz innerhalb der Schule instabil, das Arbeiten unter diesen Bedingungen mitunter ein mühsames Geschäft. In der Schule sind 50 Tablett-PCs für Lehrer im Einsatz. Die Geräte aber sind veraltet. Sie sollen sukzessive gegen leistungsstärkere ausgetauscht, die aussortierten Tabletts wiederum im Unterricht weiter genutzt werden.

Schüler und Lehrer arbeiten gemeinsam an einem digitalen Medienkonzept – daran, wie digitale Medien, etwa Vokabel-Apps,  im Unterricht und fürs Lernen zu Hause eingesetzt werden können. Geplant ist die Einführung digitale Klassenbücher.

„Wir brauchen für all das eine vernünftige Internet-Verbindung“, betonte Rembold. Das Problem: Noch werden Daten in vielen Bereichen Weißenhorns mittels veralteter Kupferleitungen übertragen. Glasfaserverbindungen, die hohe Down- und Upload-Geschwindigkeiten  ermöglichen, sollen Abhilfe schaffen. Wann die Realschule in den Genuss einer solchen Anbindung und von sehr schnellem Internet kommt, ist unklar. Bis Ende 2019 sollten diese Probleme gelöst sein, heißt es in der Verwaltung.

Für Sicherheit sensibilisieren

Der städtische Internet-Fachmann Bernhard Rembold verwies in dem Zusammenhang auf eine andere Herausforderung: die Daten- und Netzwerksicherheit. „Wir benötigen einen Sicherheitsfahrplan und die Hilfe von Experten.“ Lehrer und Schüler, die künftig immer häufiger „dienstlich“ im Internet unterwegs sein sollen, müssten geschult und für das Thema Sicherheit sensibilisiert werden. Bürgermeister Wolfgang Fendt forderte, dass Schulen künftig mehrere Administratoren haben müssten, um den Betrieb bei Schwierigkeiten zu sichern. Er betonte: „Wenn jemand ausfällt und kein anderer Verantwortlicher da ist, dann ist Land unter.“

Landkreis und Freistaat finanzieren Ausstattung

Plan Drei Millionen Euro hat der Landkreis Neu-Ulm seit 2011 in die digitale Ausstattung seiner  Schulen gesteckt. Nun sollen weitere Investitionen folgen. Das kündigte Landrat Thorsten  Freudenberger, wie berichtet, bei einem Treffen mit den Schulleitern und IT-Systembetreuern von weiterführenden  Schulen im Kreis Neu-Ulm an. Bis zum Herbst sollen die Schulleiter ihre Bedarfslisten zusammenstellen.

Konzept Um Fördermittel für die  Digitalisierung vom Freistaat zu bekommen, muss jede  Schule ein Medienkonzept vorweisen und aufzeigen, wie die digitalen Medien an der jeweiligen  Schule mit Bezug zum Lehrplan eingesetzt oder Lehrer für den digitalen Unterricht fortgebildet werden.

Zuschuss Die Erstausstattung mit IT-Software,  schuleigenen Geräten, Wlan und Glasfaseranschlüsse werden im Zuge des „Masterplans Bayern Digital II“ bezuschusst. Volumen: drei Milliarden Euro.

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