Illertissen Kurzer Draht statt langer Konzepte

Petra Schwandt, die Illertisser Wirtschaftsbeauftragte.
Petra Schwandt, die Illertisser Wirtschaftsbeauftragte. © Foto: Inge Sälzle-Ranz
Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 24.07.2015
Illertissen kommt als Stadt gut an. Aber man muss am Ball bleiben, damit das so bleibt. Das sagt Petra Schwandt, die Wirtschaftsbeauftragte im Rathaus. Als Einkaufsstadt habe Illertissen zentrale Bedeutung.

Gartenstadt, Bienenstadt oder Museumsstadt? Diese Frage ist für Petra Schwandt noch lange nicht geklärt. "Aber wir hätten schon einige Alleinstellungsmerkmale", sagt sie und nimmt ein Modewort in den Mund, das so gar nicht zu ihr passt. Sie packt eher an, als sich in Worthülsen zu verlieren. Darum sagt sie beispielsweise auch immer wieder mal: "Für mich ist der kurze Dienstweg gut." Das gilt für den Anruf eines Firmenbosses im Illertisser Rathaus genauso wie für jemanden aus einem Verein, der eine Idee hat für den nächsten "Sonntag ohne Auto mobil". Aber die Frage, wohin die Stadt Illertissen will, wenn sie ein besonderes Aushängeschild sucht, sollte ihrer Ansicht nach schon mal grundsätzlich geklärt werden.

Seit 2008 ist Schwandt Wirtschaftsbeauftragte im Illertisser Rathaus. Zu ihren Aufgaben gehören auch das Stadtmarketing und der Tourismus. Die drei Arbeitsbereiche sind ihrer Ansicht gar nicht voneinander zu trennen: Als Wirtschaftsfaktor wird der Tourismus immer wichtiger, und neue Betriebe bekommt man nur in die Stadt, wenn sie nach außen positiv präsentiert wird und nach innen Wohlfühl-Charakter hat. Das betonte sie im Haupt- und Finanzausschuss in ihrem Tätigkeitsbericht. Und machte deutlich, dass sie sich vom Stadtrat Unterstützung wünscht, wenn es um die Imagesteigerung für die Stadt geht.

Innerhalb der Verwaltung sieht sich Schwandt für Unternehmen als Lotse, als Ansprechpartnerin, die bei Bedarf weiterhilft oder selber eingreift. Egal, ob es darum geht, einheimische Betriebe kompetent zu unterstützen, weil sie sich etwa vergrößern oder umsiedeln wollen, oder ob die Stadt neuen, ansiedlungswilligen Betrieben schmackhaft gemacht werden soll. "Da spielen beispielsweise Schulen und Kindergärten eine Rolle, die Frage, ob sich Illertissen lohnt als Wohn- und Arbeitsort." Bei den Betreuungsangeboten für Kinder schneidet die Stadt gut ab. Was Wohngebiete für junge Familien angeht, muss nach Ansicht von Bürgermeister Jürgen Eisen noch einiges getan werden. "An bezahlbarem Bauland mangelt es bei uns zurzeit, daran müssen wir arbeiten", sagt er.

Durch den Besuch von überregionalen Messen und Veröffentlichungen in Zusammenarbeit mit dem Kreis Neu-Ulm oder der Arbeitsgemeinschaft Schwabenstädte in Bayern sowie im Tourismusverband Allgäu/Bayerisch Schaben macht Schwandt überregional aufmerksam auf Illertissen. Stadtführungen, die Zusammenarbeit mit der Donau-Iller-Nahverkehrsgesellschaft und den Museen der Stadt, Internetauftritte, Wanderführer nennt sie als weitere Aktivitäten, die dabei helfen. Am 9. April nächsten Jahres ist eine neue Großveranstaltung zusammen mit der Staudengärtnerei Gaißmayer geplant, um verstärkt Tagestouristen von der Jungviehweide in die Innenstadt zu locken.

Die Innenstadt ziehe mittlerweile Kunden aus dem weiten Umfeld an. Die verschiedenen Angebote von Stadtführungen - organisiert etwa vom Heimatpflegeverein oder für Neubürger - vermittle den Teilnehmern nicht nur historisches Wissen, sondern auch, dass Illertissen eine attraktive Einkaufsstadt sei. Im Vergleich zu anderen Städten stünden längst nicht so viele Geschäfte leer. In manchen Fällen sei allerdings guter Rat teuer, etwa, wenn es um Attraktivitätssteigerungen in der westlichen Hauptstraße gehe. "Sie können den Hund nicht zum Jagen tragen."

Eine Abfuhr erteilte Petra Schwandt jenen Stadträten, die nach einem Konzept fragten, das vielleicht helfen könnte, die Arbeit sowohl bei der Wirtschaftsförderung als auch im Stadtmarketing oder bei der Tourismusankurbelung zu strukturieren. "Ich halte nicht viel von Konzepten, die dann in einer Schublade landen. Sie müssen immer versuchen, die Menschen mitzunehmen, hören, was die Leute wollen und dann überlegen, ob es sich lohnen könnte, es umzusetzen."

Stolz ist sie darauf, wie sich das Bewerberforum in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverband, der Werbegemeinschaft sowie der Mittelschule und Realschule entwickelt hat, bei dem sich Betriebe und angehende Auszubildende und Lehrlinge kennenlernen können. Den fünften Termin im Februar 2016 hätten viele Firmen bereits fest in ihrem Terminkalender notiert.