Weißenhorn Krippenbau kennt keine Grenzen

Krippen-Ausstellung in Weißenhorn: Besucherinnen betrachten eine tschechische Hauskrippe mit geschnitzten und gefassten Figuren. Diese Krippe wird auch "Florian Krippe" genannt.
Krippen-Ausstellung in Weißenhorn: Besucherinnen betrachten eine tschechische Hauskrippe mit geschnitzten und gefassten Figuren. Diese Krippe wird auch "Florian Krippe" genannt. © Foto: Matthias Sauter
Weißenhorn / MATTHIAS SAUTER 01.12.2014
Krippen aus Tschechien sind in den kommenden Wochen im Weißenhorner Heimatmuseum zu bestaunen. Auch jahrhundertealte Wurzel- und Hauskrippen aus dem Rothtal sind Teil der neuen Ausstellung.

Dass Krippenbau keine Grenzen kennt, beweist eine am Freitag eröffnete Sonderausstellung im Weißenhorner Heimatmuseum. Zu sehen sind 25 Jahre nach der Öffnung des "Eisernen Vorhangs" nicht nur Darstellungen der Geburt Jesu aus dem schwäbischen Raum, sondern erstmals auch zehn Krippen von der Böhmisch-Mährischen Höhe. "Die Unterschiede sind relativ gering. Vor allem der Aufbau der Landschaften ist ähnlich", sagte Dr. Ulrich Scheinhammer-Schmid bei der Eröffnung. Der Lehrer des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums, der den jährlichen Schüleraustausch mit einem Gymnasium in Jihlava organisiert, hatte vor einem halben Jahr die Idee zu einer länderübergreifenden Schau.

Die Gemeinsamkeiten der Krippen führt Scheinhammer-Schmid auf die geschichtliche Entwicklung zurück. "Vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in Böhmen und Mähren und große Teile Schwabens im Habsburgerreich unter einem gemeinsamen Dach." Über Jahrhunderte hinweg habe sich in den Kirchen der drei Regionen die Kultur der prachtvollen Barockkrippen entfaltet. Auch das 1782 von Kaiser Joseph II verhängte Verbot, Krippen in Kirchen aufzustellen, änderte laut Scheinhammer-Schmid nichts: "Das Volk begann, eigene Krippen in ihren Häusern aufzubauen."

Eine nordböhmische Hauskrippe hat Anton Rudolf vom Schluckenauer Heimatkreis für die Ausstellung bereitgestellt. Beim Betrachten der orientalischen Landschaft sticht der gebirgige Hintergrund ins Auge, der eine Teilkopie des Hintergrundes der Kirchenkrippe in Rosenhain/Schluckenau ist. Im Gegensatz zu vielen schwäbischen Krippen befinden sich auf dem Gelände keine Moosflächen, sondern gefärbte Sägespäne. Ein sehenswertes Exponat ist die Kastenkrippe aus dem Museum Vysocina in Trebitsch. Sie verfügt über einen hohen Aufbau mit zahlreichen Bergen. "Die schwäbischen Krippen sind dagegen eher flach gehalten", sagte Krippenexperte Dr. Lothar Bidmon vom Heimat- und Museumsverein.

Weißenhorns Zweiter Bürgermeister Ernst Peter Keller zog in seiner Ansprache Parallelen zwischen der Herbergssuche von Maria und Josef und dem Schicksal von Flüchtlingen heute: "Durch die Gründung eines Helferkreises kommen wir in Weißenhorn dem christlichen Gedanken der Nächstenliebe sehr nahe. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch noch eine Herberge für die Asylbewerber finden."

Info Die Schau ist bis zum 1. Februar jeweils donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Konflikt um Museum?

Aussage "Leider ist die Eröffnung der Ausstellung überschattet von einem Konflikt zwischen Stadt und Museumsleitung", sagte Johannes Amann vom Weißenhorner Heimat- und Museumsverein, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Museumsleiter Wolfgang Ott war entgegen sonstiger Geflogenheiten nicht zur Eröffnung erschienen - und gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

MUT

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