CLAUDIA SCHÄFER

So wie den Kreismustergarten mit seinen 9000 Quadratmetern stellen sich Hobbygärtner ihr ideales Reich vor, nur deutlich kleiner: Stauden und Sommerblumenbeete zeigen fast das ganze Jahr über ihre Blütenpracht, Obstbäume tragen im Herbst saftige Früchte, Beerensträucher und Gemüse­beete liefern Zutaten für leckere Gerichte. Und all das, ohne dass die chemische Keule geschwungen werden muss.

Mehrere Igelquartiere, Insektenhotels und Bienenstöcke garantieren, dass sich Nützlinge im Garten wohlfühlen. Und gegen Mehltau wird Backpulver mit Wasser und Spülmittel angesetzt. Als Dünger dient selbst angesetzter Kompost. „Ein Vorbild für naturnahes Gärtnern“ nennt Landschaftsgärtner Rudolf Siehler deshalb den Kreismustergarten.

Wie das sonst noch funktioniert, erklärt der Mann vom Landratsamt Neu-Ulm gerne jedem spontanen Gast, der den Garten mit dem Fahrrad oder Auto ansteuert und auch den vielen Besuchergruppen, die jedes Jahr bis aus Dresden anreisen. Im Gemüsegarten sei es etwa die richtige Fruchtfolge, die es Schädlingen schwer mache, beim Obst und bei den Blumen die Sortenwahl.

Der Landschaftsgärtner setzt besonders gerne bei Stauden und Sommerblumen auf Bewährtes, weniger auf Trendsorten. Doch verdränge die „Neuheitenflut“ viele alte und robuste Sorten aus den Beeten, die auch noch als Insektenweide gedient hätten. Letztlich könnten aber viele der „In-Pflanzen“ nicht überzeugen. Im schlechtesten Fall ersetze der enttäuschte Gärtner dann das Pflanzbeet durch eine Ladung Zierkies. Der Kreismustergarten als „gärntnerische Bildungsstätte“ wolle genau das verhindern und biete „Gartenwissen aus erster Hand“.

Um Rat geben zu können, wird im Vorzeigegarten des Landkreises experimentiert. Zeigt sich bei Gemüse, Blumen und Co. recht schnell, welche Sorte taugt, bekommen Obstsorten einige Jahre Zeit, um von sich zu überzeugen. Im Sichtungsgarten im Eingangsbereich stehen Apfelsorten wie „Remo“ („Wahnsinnig ertragreich“) und „Resi“ („ein toller Geschmack“). Wer den Test besteht, wandert nach hinten, auf die Obstwiese. Dort und bei den Beerensträuchern sind auf 2500 Quadratmetern 130 Sorten zu finden.

„Natur war schon immer Auslese“, sagt Siehler. So bemerke er, dass manche alten Apfelsorten wie die Gewürzluike inzwischen Probleme mit Pilzerkrankungen haben. „Diese Sorte sollte man derzeit besser nicht pflanzen, lieber eine robuste Sorte wie Boskoop.“ Auch der Phlox, bei Hobbygärtnern als Sommerstaude beliebt, kommt mit der inzwischen zu trockenen Witterung nicht klar. Von 30 Sorten im Kreismustergarten sind zwei geblieben.

Der Staudengarten für Anfänger und Unkomplizierte sieht für Siehler so aus: Ein Gras, etwa Reitgras, dient als Leitstaude, gelber Sonnenhut und Fetthenne liefern Farbtupfer. Ein paar Kissenastern dazu und vielleicht das bei Schnecken unbeliebte Schau­blatt – und fertig. Auch Taglilien empfiehlt der Landschaftsgärtner. Deren Blüten sehen Siehler zufolge nicht nur schön aus, sondern gelten als wohlschmeckend. Solche Tipps zu geben, das liebt er. „Ziehen Sie doch mal Johannisbeeren an einer waagrechten Schnur und befestigen die Ruten mit Rebklammern. So bleibt der Strauch sehr kompakt.“

Eine Anlage wie den Kreismustergarten, sagt Siehler stolz, gebe es fast nirgends. Das Angebot richte sich an botanisch Interessierte wie an Neu- und Balkon-Gärtner. Wichtig ist dem Experten die Bedeutung des Gartens für Erholungssuchende, für sie wurden extra Bänke aufgestellt. Auch Schulklassen sieht er gerne im Garten: „Die Kinder brauchen das. Etwa die Hälfte hat tatsächlich noch nie eine Johannisbeere am Strauch gesehen.“

Tipps und Anregungen für Gärtner

Idee Geboren wurde die Idee des Gartens vom damaligen Landrat und Obstliebhaber Franz Josef Schick. Er wollte mit einem Schaugarten Bürgern Tipps und Anregungen aus erster Hand vermitteln und die Naturerziehung von Kindern und Jugendlichen fördern. Die Kosten für den Kreismustergarten lagen bei rund 250 000 Mark, Eröffnung war am 17. Juli 1987. Pflege und Betreuung übernehmen Mitarbeiter des Landratsamts. Die 36 Gartenbauvereine stellen Ehrenamtliche, die zwischen Mai und Oktober an Wochenenden und Feiertagen für Besucher des Kreismustergartens bereit stehen. Das ganze Jahr über gibt es Fachführungen, Schnitt- und Pflegekurse und ein Angebot für Kinder.