Konsum Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung diskutiert über Produkt-Siegel

Im Haus der Begegnung würde kürzlich über Siegel für Kleidung und Lebensmittel diskutiert.
Im Haus der Begegnung würde kürzlich über Siegel für Kleidung und Lebensmittel diskutiert. © Foto: Claudia Schäfer
Senden / Claudia Schäfer 12.07.2018

Greenwashing“ in Anlehnung an das englische Wort „Brainwashing“ für  Gehirnwäsche nennt Sandra Dusch Silva viele der wohlklingenden Etikettierungen, die den Verbrauchern eine nachhaltige Produktion vorgaukeln sollen. Bei einem Workshop der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Landkreis und den Weltläden Weißenhorn und Senden im dortigen Haus der Begegnung ermöglichte die Mitarbeiterin der Christlichen Initiative Romero (CIR) einen Blick hinter die Kulissen internationaler Produktionsketten. Und sie hatte konkrete Tipps im Gepäck, wie Kunden beim Gang in den Supermarkt oder beim Kleidungskauf mit der richtigen Produktauswahl die Welt tatsächlich ein bisschen besser machen können.

In den vergangenen Jahren hat die CIR knapp hundert Labels unter die Lupe genommen und auf den sozialen und ökologischen Hintergrund sowie die Glaubwürdigkeit untersucht. Einige Initiativen fielen dabei glatt durch. Etwa die 2002 gegründete „SAI-Platform“ mit inzwischen 90 Mitgliedsunternehmen. „Völlig unverbindlich“ seien die Nachhaltigkeitsziele formuliert, so Dusch Silva, sogar die Einhaltung relevanter Gesetze werde „lediglich empfohlen“. Eine Überprüfung der eigenen Arbeit sieht die SAI-Initiative nicht vor, die Finanzierungsstruktur ist nicht-öffentlich. Als ungenügend bis mangelhaft bewertet die CIR dann auch das Unternehmensbündnis.

Im Mittelpunkt stehen hohe Sozialstandards

Doch es gibt auch positive Beispiele, so Dusch Silva. Im Lebensmittelbereich etwa das „Naturland“-Siegel, das hohe ökologische Standards voraussetzt – und zwar „auf allen Schritten bis zum Endprodukt.“ Gut bewertet wurde auch die „Fair Wear Foundation“, in der sich fast 90 Textilunternehmen zusammengeschlossen haben. Im Mittelpunkt stehen hohe Sozialstandards und die Existenzsicherung der Arbeiter sowie eine ständige Verbesserung der Produktionsbedingungen. Sehr positiv sei es, so Dusch Silva, dass die „Fair Wear Foundation“ es nicht nur externen Audit-Unternehmen überlasse, die Einhaltung der Kriterien zu überprüfen. „Es wird eng und transparent mit lokalen Organisationen und Gewerkschaften zusammengearbeitet.“

Grundsätzlich könnten nur so die tatsächlichen Zustände in den Fabriken und auf den Plantagen bekannt werden, betont Sandra Dusch Silva. Es reiche nicht, auf die „Audit-Industrie“ zu setzen. Viele dieser Unternehmen übten ihre Kontrollfunktion nur schlecht informiert und ohne Bezug zu den lokalen Gegebenheiten aus.  Leider gehe es bei der Kontrolle von Label-Kriterien „oft nur um den Nachweis, dass alles gut ist“. So habe eine Überprüfung des TÜV in der Textilfabrik Rana Plaza keinen Hinweis auf die baulichen Missstände enthalten. Beim Einsturz der Fabrik kamen später rund 1100 Menschen ums Leben.

Hohe Standards bei „Naturland“

Am Ende sei es der Verbraucher, der sich mit den Labels beschäftigen und dann seine Kaufentscheidung treffen müsse, sagte Dusch Silva. Das eine Label, das hohe Glaubwürdigkeit mit hohen Standards im sozialen und ökologischen Bereich verbinde, gebe es (noch) nicht. Ganz sicher gehe aber der Kunde, der in den Weltläden der Region einkauft, so KAB-Sekretär Kai Kaiser: Dort werde nur qualitativ hochwertige und unter fairen Bedingungen produzierte Ware mit Herkunftsnachweis verkauft.

CIR bringt Wegweiser heraus

Publikation Die Ergebnisse des Label-Checks der Christlichen Initiative Romero sind in einem 170-seitigen „Wegweiser durch das Label-Labyrinth“ zusammengefasst, der über die Homepage von CIR unter ci-romero.de bestellt werden kann. CIR hat auch weitere Publikationen herausgebracht, etwa für Sportvereine, die beim Einkauf von Kleidung auf Nachhaltigkeit achten wollen.  

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