Illertissen/Dietenheim / MANUELA RAPP  Uhr
Es schüttete wie aus Kübeln, dennoch sind mehr als 200 Teilnehmer zur Demonstration „Rettet unsere Iller“ gegen den Bau von Kleinkraftwerken gekommen.

Am Schluss der Kundgebung auf der Illerbrücke zwischen Illertissen und Dietenheim zitierte der letzte Redner, Dagobert Smija, eine Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn Du bemerkst, dass Du ein totes Pferd reitest, so steige ab.“ Dies war nichts anderes als ein Appell an den Münchner Investor Fontin, keine Kraftwerke in der Iller zu bauen. Geschehe dies nicht, so sagte der Beauftragte für Gewässerfragen des Fischereiverbands Schwaben, „sehe ich einen langen Weg durch die Instanzen vor mir.“

Die Initiative aus einem breiten Bündnis, das vom Bund Naturschutz, über den schwäbischen und den Landesfischereiverband, den Landesbund für Vogelschutz bis zur Interessengemeinschaft Naturraum Iller reicht, fordert eine Renaturierung der Iller. Unterstützung gab es auch aus Dietenheim: Die Bund- Ortsgruppe hatte beim Organisieren mitgeholfen.

 Apropos Unterstützung: Obgleich der dauerhafte Regen die Demo nicht gerade gemütlich machte, waren doch mehr als 200 Teilnehmer zum Protestieren gekommen. Bernd Kurus-Nägele, Kreisgeschäftsführer des Bund Neu-Ulm, war jedenfalls zufrieden, vor der Veranstaltung hatte er sich zwischen 200 und 300 Mitstreiter erhofft.

„Wasserkraftwerke zerstören massiv die Fließgewässer“, sagte der  stellvertretende BUND Landesvorsitzende Sebastian Schönauer. Er wies vor allem auf die ökologischen Schäden hin. Insgesamt würden die Flüsse zu 90 Prozent zur Stromgewinnung herangezogen – auch die Iller. Dort sei es noch schlimmer, denn jetzt solle auch noch die Restkraft des Flusses abgeschöpft werden. „Das ist das Ausquetschen einer leeren Bananenschale“, sagte  Schönauer.

 Die Politiker seien bei dem Thema nicht ehrlich, denn erneuerbare Energien wie beispielsweise die Solar- oder die Windkraft würden zurückgefahren, aber die marginale Wasserkraft wolle man ausbauen. Dabei sei die Revitalisierung, die Wiederherstellung naturnäherer Verhältnisse eine vorrangige Aufgabe der europäischen Wasser- und Naturschutzpolitik.

Mit Altenstadts Bürgermeister Wolfgang Höß, der als Vorsitzender für die Fischereigenossenschaft Untere Iller das Wort ergriff, war sich Schönauer einig, dass durch die Errichtung dieser so genannten Schachtkraftwerke die geplanten Sanierungsmaßnahmen gestoppt werden. Für Höß ist es ein „Skandal, dass bisher bereits mehr als 30 Millionen Euro an Steuergeldern in die Renaturierung gesteckt wurden“. Nun solle dies alles in den Sand gesetzt werden.

Er sprach von „Profitgier“ und warf dem Investor vor, die Querbauwerke im Fluss nutzen zu wollen, um dort eine Einheit aus Turbine und Generator in einem Schacht unterhalb der Wasseroberfläche zu installieren. „Der Staat stellt dem Unternehmen Bauwerke zur Verfügung, die von Steuergeldern bezahlt worden sind“, betonte Wolfgang Höß. Der Nutzer bezahlen dafür keine Entschädigung.

 Weiterhin forderte der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Untere Iller, der Staat müsse endlich den gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerentwicklungsplan vorlegen: Es könne nicht sein, mit Vorabgenehmigungen Fakten zu schaffen. Würden die Kraftwerke gebaut, bliebe der Natur im Mutterbett gerade noch ein halbes Prozent des Wassers. Höß hält das für „einen restlosen Todesstoß für die Iller.“

Dagobert Smija erinnerte an die Situation der Fische: „Sie sollen wieder im Fluss wandern können.“ Die noch fehlende Durchgängigkeit solle Zug um Zug durch den Umbau der Querbauwerke in raue Rampen erfolgen.

Die Renaturierungen der beiden Nachbar-Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg hätten gezeigt, wie die Iller wieder wie ein Fluss aussehen könne. „Dieser Weg muss weiter bestritten werden“, forderte der Vertreter des Fischereiverbandes Schwaben. Laut Dietmar Wagner, der die Veranstaltung moderierte, wurden bereits 2800 Unterschriften gegen das Vorhaben dem bayerischen Innenminister übergeben.