Senden/Berlin Knut Steinhäuser arbeitet in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Der Sendener Knut Steinhäuser lernt interessante Persönlichkeiten auf dem internationalen politischen Parkett kennen - wie den ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres.
Der Sendener Knut Steinhäuser lernt interessante Persönlichkeiten auf dem internationalen politischen Parkett kennen - wie den ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres. © Foto: Privat
Senden/Berlin / NIKO DIRNER 21.02.2015
Knut Steinhäuser aus Senden hat in Berlin Karriere gemacht, arbeitete zuletzt für Parlamentarische Staatssekretäre im Entwicklungsministerium. Inzwischen ist der 38-Jährige fest beim Bund angestellt.

Als die FDP bei der Bundestagswahl 2009 mit 14,6 Prozent in den Deutschen Bundestag einzog, arbeitete Knut Steinhäuser noch als stellvertretender Pressesprecher der Bundestagsfraktion. Kurz danach wechselte der gebürtige Sendener in das damals FDP-geführte Entwicklungsministerium und leitete zuletzt das Büro des Parlamentarischen Staatssekretärs. Was ist nach dem Wahldebakel der Liberalen mit ihm passiert? Wir haben nachgefragt.

Herr Steinhäuser, sind Sie nach wie vor Mitarbeiter des Bundesentwicklungsministeriums?

KNUT STEINHÄUSER: Im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte ich nach meiner Zeit als Pressesprecher zuletzt als persönlicher Referent und Büroleiter der letzten drei Parlamentarischen Staatssekretäre gearbeitet. Übrigens auch über den Regierungswechsel hinaus, also unter Leitung von Minister Gerd Müller von der CSU. Aber nach drei Jahren auf dieser Position war für mich klar, dass ich mich beruflich verändern möchte. Seit Oktober vertrete ich nun für drei Jahre das Entwicklungsministerium an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, kurz BAKS.

Was ist die BAKS?

STEINHÄUSER: Die BAKS ist ein Ort des strategischen sicherheitspolitischen Denkens und die höchste Weiterbildungseinrichtung der Bundesregierung im Bereich der Sicherheitspolitik. Es geht um die umfassende Förderung eines gemeinsamen Verständnisses von Sicherheit unter Entscheidungsträgern aus Bund und Ländern, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und gesellschaftlichen Gruppen. Denn längst ist klar: In einer komplexer werdenden Welt müssen alle sicherheitsrelevanten Bereiche eng zusammenwirken. Man redet hier vom "vernetzten Ansatz". Das bedeutet: Nur mit gemeinsamem Handeln über Ressortgrenzen hinaus kann Deutschland glaubwürdig seine Interessen vertreten.

Was ist Ihre Aufgabe als Studienreferent für Entwicklungspolitik?

STEINHÄUSER: Ganz einfach und grundsätzlich gesagt: Meine Aufgabe ist es, entwicklungspolitische Themen entsprechend ihrer Bedeutung im "vernetzten Ansatz" in die Arbeit der BAKS einzubringen.

Was heißt das genau?

STEINHÄUSER: Die vernetzte Denk- und Handlungsweise ist notwendig im Umgang mit Bedrohungen wie zerfallenden oder zerfallenen Staaten, dem internationalen Terrorismus, Unrechtsregimen oder organisierter Kriminalität. Entwicklungspolitik hat präventiven Charakter und ist damit auch vorausschauende Friedenspolitik. Sie setzt sich ein für Freiheit und Sicherheit und die Achtung und Verwirklichung der politischen und sozialen Menschenrechte. Sie fördert gute Regierungsführung und die Mitwirkung der Zivilgesellschaft. Kurzum: Ohne Entwicklungsperspektiven gibt es langfristig keine Stabilität und Sicherheit. Und umgekehrt ist ohne Sicherheit keine Entwicklung möglich. Genau das ist die Schnittstelle zwischen Entwicklungspolitik und Sicherheit. Und diesen Zusammenhang zu betonen ist meine Aufgabe hier an der BAKS.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus? Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich konkret?

STEINHÄUSER: Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit zwei Themen. Das eine heißt "Globale Trends". Dabei geht es um Fragen, wie: Wohin steuert die Weltgesellschaft? Wie wird sich unser Verständnis von Staatlichkeit entwickeln? Demographie, Ressourcenmanagement, Urbanisierung, Terrorismus und vieles mehr spielt dort hinein. Mein zweiter Schwerpunkt ist der Bereich "Krisenprävention und Konfliktbewältigung". Hier liegt mein regionaler Fokus auf dem israelisch-palästinensischen Konflikt, eingebettet in die Gesamtsituation im Nahen und Mittleren Osten. Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit der Region und der Situation vor Ort. Kürzlich war ich wieder länger in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten.

Was ist Ihre Rolle bei diesen Reisen?

STEINHÄUSER: Ich bereite gerade eine Studienreise mit hochrangigen Teilnehmern des "Seminars für Sicherheitspolitik" der BAKS in den Nahen Osten vor. Dazu spreche ich sowohl mit Politikern, wie auch mit Vertretern der Wissenschaft und der Kultur. Vor Ort besichtigen wir Entwicklungsprojekte.

Sehen Sie Ihren Jobwechsel als Abstieg oder als Aufstieg?

STEINHÄUSER: Nicht zuletzt der furchtbare Anschlag in Paris zeigt, wie wichtig es ist, sich mit Fragen der inneren und äußeren Sicherheit zu beschäftigen. Die Bundesregierung schätzt unsere Meinung und unsere Lageeinschätzung, sowie den von der Bundesakademie betriebenen Diskurs. Damit trägt die BAKS eine große Verantwortung. Wir bewegen uns hier in einem Feld, in dem es um das Grundbedürfnis des Menschen nach Sicherheit geht. Insofern freue ich mich sehr über die Chance, an diesem Thema mitzuarbeiten.

Was sind Ihre Perspektiven?

STEINHÄUSER: Diese Frage stellt sich momentan nicht. Die Erfahrung lehrt: Wenn man zu weit nach vorne blickt, stolpert man auch oft. Ich konzentriere mich ausschließlich auf meine derzeitige Aufgabe und möchte in den nächsten Jahren weiter die Entwicklungspolitik als relevanten Kernbereich in der sicherheitspolitischen Diskussion verankern.

Wie ist die Verbindung mit Senden?

STEINHÄUSER: Mit Senden verbinde ich ein tiefes Gefühl der Heimat. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich meine Mutter besuchen kann, mein Vater ist leider vor zwei Jahren verstorben. Außerdem pflege ich gute Freundschaften und bin Mitglied im Freundeskreis meines ehemaligen Gymnasiums, dem IGV, in Illerzell. Die aktuellen politischen Entwicklungen in Senden verfolge ich aus der Ferne täglich und mit großem Interesse. Senden ist eine Stadt mit stolzer Tradition und gleichzeitig einem enormen Potential für die Zukunft.

Zur Person vom 21. Februar 2015

Karriere Nach seinem Abitur am Illertal- Gymnasium in Vöhringen und dem Zivildienst im Ulmer Rehabilitationskrankenhaus studierte Knut Steinhäuser zwei Semester Psychologie, um dann eine Ausbildung bei Daimler zum Industriekaufmann zu machen. Anschließend absolvierte er an der Fachhochschule Neu-Ulm ein Studium zum Diplom-Betriebswirt. Von 2004 bis 2009 arbeitet er in der Pressestelle der FDP-Bundestagsfraktion, danach im Entwicklungsministerium - zunächst als Pressesprecher, ab 2012 als Büroleiter der Parlamentarischen Staatssekretärin.

 

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