Kreis Neu-Ulm / WILLI BÖHMER Es war wie die vorgezogene Bilanz seiner Arbeit als Stiftungsdirektor der Kreiskliniken: Konrad Hunger, der im Herbst aufhört, berichtete den Kreisräten vom Erfolg der Klinikreform. Aber auch von Problemen.

Die drei Kliniken des Landkreises Neu-Ulm sind attraktiv. Das zeigen die Patientenzahlen, berichtete Stiftungsdirektor Konrad Hunger im Krankenhausausschuss des Kreises. Von 2006 bis 2011 stieg die Zahl der Behandlungen in der Donauklinik Neu-Ulm um 518 auf 8210, in der Illertalklinik Illertissen um 551 auf 3661 plus 733 Geriatrie-Patienten, in der Stiftungsklinik Weißenhorn um 1791 auf 7797. Alle drei Häuser werden auch das Jahr 2011 wohl ohne Verluste abschließen, sagte Landrat Erich Josef Geßner. "Über solche Zahlen wären viele andere froh."

In Weißenhorn sind die Leistungszahlen trotz Umbauten - vor allem in der Inneren Medizin - nochmals angestiegen, berichtete Hunger. In Neu-Ulm kam Ende des Jahres das 500. Baby zur Welt, "eine erfreuliche Entwicklung in der Geburtshilfe". Und in der Illertalklinik blieben die Fallzahlen stabil.

Die Bauarbeiten in der Weißenhorner Stiftungsklinik kommen gut voran, die Pflegestationen könnten dort sukzessive wieder in ihre früheren Bauten einziehen. Die Sanierungsarbeiten in Weißenhorn sollen heuer abgeschlossen werden. Dann stehen wieder die 160 Krankenhausbetten zur Verfügung, die auch im Krankenhausplan vorgesehen sind. Engpässe, die dazu führten, dass Betten auf dem Gang abgestellt werden mussten, sind beendet, versicherte Hunger. Der neue Wirtschaftshof, der überdacht wird, wird derzeit geplant. Das Brandschutzkonzept der Klinik wird überarbeitet. Hunger schließt nicht aus, dass dabei weiterer Sanierungsbedarf auftaucht. Das neue Blockheizkraftwerk ist installiert. Es soll die Stromkosten senken.

Modernisiert wurde auch das ehemalige Schwesternwohnheim. Es war zuletzt vom Klinikpersonal immer weniger genutzt worden, sagte Hunger. Deshalb wurde dort vergangenes Jahr eine Hausarztpraxis mit Traditioneller chinesischer Medizin (TCM), eine Praxis für Orthopädie und Neurochirurgie, ein Büro der Arbeitnehmerseelsorge im Bistum Augsburg und die BRK-Rettungswache untergebracht. Das Gebäude erhielt einen neuen Namen: Peter Arnold Haus. Der aus Weißenhorn stammende Priester Peter Arnold hatte 1470 die Kreisspitalstiftung Weißenhorn gegründet.

Die Illertalklinik Illertissen soll für 1,4 Millionen Euro saniert werden, weil dort erhebliche Mängel im Brandschutz aufgetaucht waren (wir berichteten).

Das Medizinische Versorgungszentrum an der Illertalklinik mit seinem ambulant-chirurgischen Angebot werde von den Menschen im südlichen Landkreis gut angenommen. Dort arbeitet seit dem 17. Oktober Ivan Maksimenko als Facharzt für Chirurgie. Durchschnittlich werden 100 Patienten pro Woche behandelt. Aber es bestehen Kapazitäten für wesentlich mehr Patienten.

Eine der beiden geriatrischen Stationen der Klinik ist seit Jahresbeginn nicht belegt. Grund sei auch der vergleichsweise milde Winter. Wenig Schnee bedeutete laut Hunger weniger Winterunfälle älterer Menschen, etwa weniger Schenkelhalsfrakturen, was ja schön sei, aber es bedeute eben auch weniger Fälle für die Geriatrie. Außerdem böten nun auch andere Kliniken geriatrische Versorgungen an. Hausärzte stiegen ebenfalls verstärkt in diesen Bereich ein, nachdem die ambulante Versorgung älterer Patienten durch das Versorgungsstrukturgesetz wieder lukrativer sei.

Um diese Entwicklung aufzufangen, wolle man die Akutgeriatrie in der Illertalklinik etablieren, sagte Hunger. Dafür müsste jedoch ein weiterer Geriater angestellt werden, solche seien auf dem Markt schwer zu bekommen, nachdem viele Kliniken um diese Spezialisten konkurrierten. Deshalb bildet das Krankenhaus jetzt einen seiner Ärzte zum Geriater aus. Die geriatrische Rehabilitation hat 27 Betten. Das reiche aus, auch Patienten von außerhalb aufzunehmen, ohne die aus dem Landkreis abweisen zu müssen.

Um die zweite geriatrische Station wieder in Betrieb zu nehmen, fehle Pflegepersonal. Die Krankenpflegeschüler, die derzeit an der Klinik lernen, werden erst Ende März fertig. Werden diese übernommen, könne auch die zweite Station wieder betrieben werden.

In der Donauklinik Neu-Ulm ist der Abbruch des Südflügels im Dezember beendet worden, derzeit läuft der Abriss des Längsbaus, früher waren dort Patientenzimmer. Die Patienten werden derzeit in den aufgebauten Modulstationen untergebracht. Der vierte Bauabschnitt der Klinikerneuerung werde rund fünf Millionen Euro kosten. "Wir hatten unwahrscheinliches Glück, dass wir mit der Förderung in den Landesetat 2011 reingekommen sind", sagte Stiftungsdirektor Hunger. Für den Etat 2012 seien für Klinikarbeiten 50 Millionen Euro gestrichen worden, vor allem zu Lasten kleiner Häuser.

Der Klinikenausschuss stimmte der Vergabe der Rohbauarbeiten für 3,24 Millionen Euro an die Firma Baresel GmbH aus Leinfelden-Echterdingen zu. Dieses Unternehmen hatte das günstigste Angebot der 21 Bewerber abgegeben. Damit wird aber der Rohbau 600 000 Euro teurer als erwartet. Die aufwendigere Winterbaustelle und das Konjunkturhoch, das der Bauwirtschaft viele Aufträge beschert, sorgen laut Hunger für die Mehrkosten. Die Hälfte davon wird jedoch ausgeglichen, weil die Abbrucharbeiten um 300 000 Euro günstiger sind als erwartet. Mit dem Rohbau des neuen Rundgebäudes soll im April begonnen werden, die Arbeiten werden voraussichtlich zwei Jahre dauern.

Das Parkhaus, das die Klinik mit der Stadt Neu-Ulm konzipiert, ist durchgeplant. Es wird etwa 6,1 Millionen Euro kosten. Derzeit besteht eine Finanzierungslücke von 1,3 Millionen: die Stadt trägt 2 Millionen Euro bei, die Klinik 2,8 Millionen. Durch Vorsteuerabzug ließe sich eine Million hereinbringen, so dass nur noch 300000 fehlten.

Die Finanzierung des Klinikbetriebs bleibe eng, sagte der Stiftungsdirektor und forderte, die Politik müsse für Ausgleich sorgen.