Eigentlich ist es verrückt, das Krankenhausgeschäft. Wer eine Klinik betreibt, muss darauf hoffen, dass sich möglichst viele arg kranke Menschen in Behandlung begeben. Nur für sie gibt es genug Geld von den Kostenträgern. Werdende Mütter sind ein Draufzahlgeschäft, Notfälle auch.

So deutlich sagt das natürlich kein Geschäftsführer. Auch nicht Marc Engelhard, der seit Januar die Kreisspitalstiftung Weißenhorn lenkt. Aber auf den so genannten Schweregrad kommt es für ihn an. Die gute Nachricht, wenn man das in diesem Zusammenhang so sagen darf, lautet: Der Schweregrad der Patienten in den Häusern in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen ist seit Januar gestiegen – um 0,34 Punkte, was Mehreinnahmen von 1,3 Millionen Euro entspricht.

Das ist eine der Botschaften, die Klinik-Sprecherin Edeltraud Braunwarth jetzt kommuniziert. Es ist der Versuch, die Krisenjahre abzuhaken, um bei Patienten, Pflegekräften und Ärzten neues Vertrauen zu schaffen. Die Krise, das war insbesondere das Jahr 2016, als das Beratungsunternehmen KPMG „gravierende finanzielle Defizite“ bei der Krankenhausgesellschaft entdeckte.

Für 2015 und 2016 war ein Minus von 13,4 Millionen Euro prognostiziert worden. Das war in dieser Höhe für die Politik völlig unerwartet. Direktor Michael Gaßner wurde von seinen Aufgaben entbunden. Es folgten Monate im Krisenmodus: Buchhaltung und Abläufe wurden geordnet und strukturiert. Viele Beschäftigte kündigten, Überstunden liefen auf, Patienten blieben fern.

Das ist alles ist passé, betont Braunwarth. Ende Oktober hat der Krankenhausausschuss des Kreistags den Jahresabschluss 2015 auf Empfehlung des Kommunalen Prüfungsverbandes abgesegnet. Für 2016 hat der Verband ebenfalls die Entlastung der Geschäftsführung vorgeschlagen, hier muss aber erst der Rechnungsprüfungsausschuss des Kreistags drüberschauen. 2017 wird noch abgerechnet, kalkuliert war ein Verlust von 7,6 Millionen Euro. Heuer wird das Defizit wieder höher sein, aber das ist gut erklärbar. Dazu später mehr.

Zunächst ein Blick aufs Pflegepersonal: 17 100 Überstunden waren bis zum Jahresende 2017 allein an der Klinik in Weißenhorn aufgelaufen – das ist laut Braunwarth der Löwenanteil im Verbund. 37 000 Überstunden waren es berufsgruppenübergreifend in allen drei Häusern. Bis 1. September 2018 konnten in der Pflege in Weißenhorn rund 5000 Überstunden abgebaut werden, es stehen aber immer noch 12 091 Stunden zu Buche. Noch stärker gelang die Reduzierung im Gesamten – auf verbleibende 31 346 Überstunden.

Denn: Es gelang in nennenswertem Umfang offene Stellen zu besetzen. 40 neue Mitarbeiter wurden in Weißenhorn eingestellt, 25 zusätzliche Schwestern und Pfleger in Neu-Ulm, weitere 14 Angestellte mehr in diesem Bereich sind es seit 1. Januar an der Illertalklinik geworden. Braunwarth: „Nach dem Krisenjahr konnten wir das Personal auffüllen, somit läuft jetzt wieder der Normalbetrieb.“ Allerdings: Bei rund 1000 Mitarbeitern sind das rechnerisch pro Kopf immer noch mehr als 30 Überstunden. Rund ein Dutzend Stellen sind vakant, der Pflegeschlüssel wird gleichwohl eingehalten.

Zudem: Entlastung für die Mitarbeiter bedeutet höhere Ausgaben. Die Personalkosten werden heuer rund 2,9 Millionen Euro über Plan liegen. Immerhin werden nun – laut Braunwarth „entgegen der bisher üblichen Abrechnung“ – auch die Rückstellungen für aufgelaufene Überstunden und Urlaubsabgeltung einkalkuliert.

Dazu kommen dieses Jahr überplanmäßige Ausgaben „zum Wohle der Patienten“, sagt Braunwarth. Etwa: Kauf der Praxis Dr. Schlipf in Illertissen, um die gynäkologische Versorgung im südlichen Landkreis zu sichern, Milchglas-Scheiben im Angehörigen-Wartebereich vor der Chirurgie in Weißenhorn oder eine neue chirurgische Ambulanz an der Donauklinik in Neu-Ulm.

Letztere Einrichtung ist eine der mittlerweile sechs Medizinischen Versorgungszentren, sozusagen die ambulante Schiene der Spitalstiftung. Diese werden nun in eine gemeinnützige GmbH überführt und bekommen eine eigene Leitung. Ebenfalls neu auf der Führungsebene: ein Personalleiter und ein Personalcontroller. Sowie ein persönlicher Referent für Stiftungsdirektor Engelhard. Folge: Statt des für 2018 prognostizierten Defizits von 8,9 Millionen Euro könnten es mehr als 12 Millionen Euro werden.

Ein erneuter Ausreißer nach unten also im Klinikgeschäft, das – wie eingangs geschildert – wegen chronischer Unterfinanzierung von Staat und Krankenkassen mit Gewinn kaum zu betreiben ist. Braunwarth: „Wir sind jedenfalls auf dem richtigen Weg.“ Und Zukunftsvisionen gibt es auch, sie sind in der nebenstehenden Meldung zusammengefasst.

Zusätzlichen Mut gibt der Klinikleitung, dass die Patienten – 11 234 waren es bis Ende Oktober, das sind bereits 180 mehr als im ganzen Vorjahr – offenkundig zufrieden sind. Das neu eingeführte Entlass-Management meldet eine fast hundertprozentige Weiterempfehlungsquote.

Verwirrende Zahlen und schlechte Voraussetzungen


Defizit Zu den Defiziten der Kreisspitalstiftung kursieren unterschiedliche Zahlen. Die im Text genannte Beträge sind die Defizite, die der Kreis ausgleichen muss. Aus dem Haushalt sind für Illertalklinik und Donauklinik für 2015 und 2016 rund 16 Millionen Euro geflossen. Die Spitalstiftung gibt das Defizit mit lediglich 9,7 Millionen Euro an. Die Differenz kommt zustande, weil die Stiftungsklinik Gewinn machte und Rückstellungen aufgelöst wurden. Eine interne Verrechnung mit Weißenhorn ist nach dem Zustiftungsvertrag ausgeschlossen.

Grundprobleme Kommunale Krankenhäuser sind kostendeckend kaum zu betreiben, weil die fixe Vergütung (Fallpauschale) nicht den Aufwand deckt, Tariflöhne mit entsprechenden Steigerungen bezahlt werden müssen, die Vorgaben ständig verschärft werden.