Altenstadt Klingender Basaltstein beeindruckt die Gäste Blinde besuchen Natursteinwerk Stölzle

"Übung macht den Meister", meinten die Gäste im Natursteinwerk Stölzle, als sie versuchten, dem Basaltstein Töne zu entlocken. Foto: Petra Ast
"Übung macht den Meister", meinten die Gäste im Natursteinwerk Stölzle, als sie versuchten, dem Basaltstein Töne zu entlocken. Foto: Petra Ast
Altenstadt / PETRA AST 05.07.2012
Jedes Jahr initiiert das Neu-Ulmer Landratsamt ein Treffen für Blinde und Sehbehinderte. Diesmal gab es eine Stippvisite zum Natursteinwerk Stölzle.

"Das habe ich gleich gefühlt. Das sind die betenden Hände von Dürer", lässt Günter Pietsch, ein älterer Herr mit gelbem Blindenabzeichen am Jackett, erst gar keine Zweifel aufkommen, welche Linien und Erhebungen in den Grabstein eingemeißelt worden sind, den er mit seinen Händen gerade abtastet. Neben Pietsch, der die Interessen von Sehbehinderten und Blinden im Kreis Neu-Ulm vertritt, drängeln sich etliche Frauen und Männer, jung und alt, teils ganz ohne Sehkraft, teils mit starker Sehbehinderung. Die 60 Teilnehmer des alljährlich vom Landratsamt organisierten Treffens sind zu Gast im Natursteinwerk Stölzle in Altenstadt.

Dort haben die Teilnehmer die Möglichkeit, den Weg eines Natursteinblocks bis hin zum geschliffenen, in Form gebrachten Stein mit den Händen zu erfühlen. In einer Produktionshalle haben Firmenchef Harald Stölzle und Bildhauer Michael Scholl deshalb Steine in verschiedenen Bearbeitungsstadien und das notwendige Werkzeug aufgebaut, um den Gästen ein Gefühl für die Handarbeit zu geben, die hinter dem Steinmetzhandwerk noch immer steckt, wie Scholl erläutert.

Überhaupt die Steine. Der Steinmetz hält ein leidenschaftliches Plädoyer für die grauen, braunen und gesprenkelten tonnenschweren Blöcke, die sich auf dem weitläufigen Firmengelände stapeln. "Steine sind kein totes Material, das stimmt nicht. Sie wachsen, sie sind so lebendig wie Holz und man kann sie zum Klingen bringen", schwärmt Scholl. Ein Phänomen, das vor einigen Jahren von dem Bildhauer Elmar Daucher am Federsee entdeckt wurde, und das die blinden Gäste in den nächsten Minuten vollends in den Bann ziehen wird.

An einem schwarzen Basaltstein demonstriert Scholl, wie sich mit Wasser, das man über die Oberfläche wischt, Töne erzeugen lassen. Allerdings erst nachdem man die Technik raus hat, wie die blinden Frauen und Männer bei ihren Versuchen erleben. Dennoch hinterlässt der klingende Basaltstein gehörig Eindruck und war, wie Landrat Erich Josef Geßner erläutert, einer der Gründe, warum für das jährliche Treffen heuer das Natursteinwerk ausgesucht worden war. Man wolle Personen, die durch ihre Behinderung teils ausgeschlossen sind, an Dinge heranführen, an die sie sonst nicht gelangen können, macht der Landrat deutlich.

Zuvor hatten Blinde, Sehbehinderte und Betreuer einen Abstecher in die Kirche Mariä Geburt gemacht und Heimatkundler Günther Backhaus zugehört, der ihnen die leidvolle Geschichte der einstigen jüdischen Bewohner Altenstadts nahebrachte. Bürgermeister Wolfgang Höß, der sich vorab Gedanken gemacht hatte, wie man den blinden und sehbehinderten Gästen den Ort näherbringen könne, tat das schließlich mit zwei Musikstücken auf der schwäbischen Harmonika.

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