Senden Kirche verkauft Fußballplatz an Stadt

Über diesen Fußballplatz wird demnächst eine Hochspannungsleitung gebaut. Der Platz in Ay wechselt den Besitzer. Er gehört bald der Stadt Senden. Foto: Oliver Schulz
Über diesen Fußballplatz wird demnächst eine Hochspannungsleitung gebaut. Der Platz in Ay wechselt den Besitzer. Er gehört bald der Stadt Senden. Foto: Oliver Schulz
NIKO DIRNER 06.07.2013
Die Sanierung von St. Josef Senden ist teuer. Doch die Stadt hat der Kirche geholfen. Sie kaufte ihr das ererbte Gelände des FV Ay ab. Ausgerechnet das Grundstück, das jetzt mit einer Stromleitung überspannt wird.

Geld in nicht genannter Höhe benötigt Senden heuer für den Kauf von Grundstücken. Das sagte Bürgermeister Kurt Baiker bei der Vorstellung des diesjährigen Nachtragshaushaltes Ende Mai. Inzwischen ist zumindest eines der Grundstücksgeschäfte öffentlich geworden, das Baiker damals im Kopf hatte: Die Stadt hat der katholischen Kirchenstiftung die Sportanlage des FV Senden-Ay abgekauft. Diese hatte sie erst dieses Jahr von der verstorbenen Eigentümerin geerbt, wie die SÜDWEST PRESSE im Mai exklusiv berichtet hatte.

Da Grundstücksgeschäfte grundsätzlich nicht-öffentlich sind, darf Bürgermeister Baiker nach eigenen Angaben nichts zu dem Kauf sagen. Wie aber aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, hat die Kommune der Kirchenstiftung St. Josef der Arbeiter für die 33 000 Quadratmeter nördlich von Ay einen Betrag von 199 000 Euro bezahlt. Bürgermeister Baiker habe für den Kauf votiert, sein Argument: Die Stadt Senden als Erbbaupachtberechtigte müsse dem Eigentümer der Fläche sowieso Monat für Monat einen Erbbauzins von 670 Euro überweisen. Und dieser werde jedes Jahr an die allgemeine Kostenentwicklung angepasst. Da könnte die Kommune das Grundstück doch genauso gut gleich kaufen. Die Kirche war daran interessiert, ist zu hören, um die teure Sanierung von St. Josef bezahlen zu können. Dafür entstehen, wie berichtet, Kosten von mehr als einer halben Million Euro.

Der Grundstückstransfer erklärt auch die Frage, warum ausgerechnet die katholische Kirche nichts gegen die umstrittene und vom Verein vehement mit allen möglichen Rechtsmitteln bekämpfte Überspannung der Bolzplätze mit zwei Hochspannungsleitungen einzuwenden hatte. Dafür werden nun nach einer endgültigen juristischen Niederlage der Gegner, die Masten gebaut. Wie berichtet, hatte Kirchenpfleger Peter Kaiser Ende Mai auf Anfrage gesagt: Zum einen müssen, um den Atomausstieg bewerkstelligen zu können, neue Leitungen gebaut werden. Man müsse als Grundstückseigentümer auch das Allgemeinwohl berücksichtigen. Und die Leitung verlaufe ja nicht über ein Wohngebiet, sondern über einen Sportplatz, wo sich die Menschen kurz aufhielten. Für die Zustimmung sprach laut Kaiser auch, dass die Gerichte alle Klagen gegen die Leitung zugunsten von Transnet entschieden haben. Das Argument, dass sich die Kirche mit ihrem Okay zur Stromleitung ja eine andere Nutzung der Fußballplätze verbaue, lässt Kaiser nicht gelten. Der Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Senden laufe noch 60 Jahre.

Und dann wird die neu gebaute Stromleitung immer noch da sein, meint Ulrich Hanser. Hanser ist Vorstandsmitglied des FV Ay und Wortführer des Widerstandes. Für ihn sei es völlig unverständlich, dass die Stadt das Grundstück gekauft hat. Schließlich hat die Kommune stets für die jetzt durchgekämpfte Verlegung der Hochspannungsleitung der Transnet vom Ayer Ortsrand hinaus auf freies Feld und quer über die Fußballplätze plädiert - und habe aus seiner Sicht nun deshalb eine nicht frei nutzbare Fläche gekauft. "Das verstehe, wer will", schimpft Ulrich Hanser.